Jürgen Klinsmann bei einer Trainingseinheit von Hertha BSC. Quelle: imago images/Metodi Popow
Audio: Inforadio | 02.01.20 | 11:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: imago images/Metodi Popow

Hertha im Trainingslager - Die ungewollte USA-Reise

In Florida will Jürgen Klinsmann Hertha BSC fit machen für die ambitionierten Ziele in der Rückrunde. Doch der Cheftrainer wollte nicht nach Orlando. Eine zehnstündige Flugreise und der erhebliche Zeitunterschied erschweren die Vorbereitungen des Teams. Von Jakob Rüger  

Eigentlich sind die Bedingungen in Orlando optimal. Blauer Himmel, Temperaturen von knapp 22 Grad und ein Vier-Sterne-Hotel, das sich sehen lassen kann. Doch der stets lächelnde Jürgen Klinsmann runzelt beim Thema Trainingslager in den USA die Stirn. "Ideal ist das nicht", spricht Klinsmann skeptisch über die Floridareise.

"Die Verträge sind gemacht und da halten wir uns natürlich dran". Die zehnstündige Flugreise und der Zeitunterschied von sechs Stunden kosten Klinsmann zwei volle Trainingstage. Zu allem Übel kommt bei der Abreise aus Deutschland auch noch eine zweistündige Verspätung wegen technischer Probleme am Flugzeug dazu.

Neuzugang Ascasibar mit im Trainingslager

27 Spieler hat Klinsmann mitgenommen nach Orlando - darunter drei Torhüter. Teil der Reisegruppe ist Neuzugang Santiago Ascasibar. Der 22-jährige Argentinier war am Neujahrstag als erster Winter-Neuzugang vorgestellt worden. Knapp elf Millionen Euro überweist Hertha BSC an den Zweitligisten Stuttgart für den defensiven Mittelfeldspieler. Ebenfalls mitgereist ist Spielmacher Ondrej Duda. Herthas bester Scorer der vergangenen Saison spricht ganz offen von Abschied. "Ich will weg. Ich ändere meine Meinung nicht. Wenn dich jemand nicht will, ist es nicht möglich, zu bleiben", sagte der 25 Jahre alte Slowake dem Fachmagazin "Kicker" und meint damit Klinsmann.

Mit einem möglichst kleinen Kader soll an den Automatismen gearbeitet und die Grundlagen für die Rückrunde geschaffen werden. Dem Trainer ist jede Einheit wichtig: "Wir sind in unserer Situation gezwungen, mehr zu tun als die anderen". Für Klinsmann befindet sich Hertha BSC bei allem Optimismus, den er verbreitet, immer noch im Abstiegskampf. Doch das soll sich schnellstmöglich ändern. "Wir wollen so schnell wie möglich nach oben kommen und dann ist mittelfristig Europa das Ziel". Dafür will der Trainer in Orlando die Grundlage legen. "Wir werden im fußballerischen und taktischen Bereich arbeiten", kündigt Klinsmann an. "Es ist auch wichtig in diesem Zeitraum Gespräche zu führen, damit die Jungs wissen, woran sie sind".

Veränderungen im Kader wahrscheinlich

Der Kader dürfte sich in der Wintertransferperiode ändern. Salomon Kalou und Ondrej Duda sind nur zwei mögliche Abgänge. Hertha sucht außerdem aktiv nach neuen Spielern und hat dank Investor Windhorst ganz neue Möglichkeiten. "Unser Blick geht in Richtung Champions League-Teams“, so Klinsmann. "Wer ist da gut aufgehoben, wer hat keine Perspektive mehr. In Europa wird auch wahrgenommen, dass wir eine ganz neue Zielsetzung haben". Hertha wird mit prominenten Namen in Verbindung gebracht. Julian Draxler, Mario Götze, Emre Can und Granit Xhaka sind nur einige europäische Topspieler, bei denen Hertha offenbar angefragt hat. Dass noch in Florida ein Neuzugang zum Team stößt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Im vom Klinsmann verkürzten einwöchigen Trainingslager wird es ein Testspiel gegen Eintracht Frankfurt geben. Für Hertha ein wichtiger Auftritt, schließlich wird das Spiel im US-Fernsehen übertragen. Ein weiterer Grund warum eine Absage der Floridareise, trotz der Intervention von Klinsmann, keine Option war. Der Trainer ist nicht glücklich. "Ich glaube, es hat niemand gedacht, dass wir in einer so prekären Situation stecken und gegen den Abstieg kämpfen, wenn wir nach Florida fahren". Der Trainer wird deshalb genau beobachten, dass seine Spieler voll fokussiert sind: "Wir machen jetzt einfach das Beste daraus".

Sendung: Inforadio, 02.01.19, 18:15 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    @vera
    Um es noch mal klar zu sagen ein verbleiben im olympiastadion von Hertha wird irgendwann zu einem milliardengrab für die Stadt und den steuerzahler!
    Nur ein neues Stadion kann Berlin davor bewahren, und vor allem den fußballfans endlich ein vernünftiges fußballerlebnis ermöglichen was in dem alten zugigen kalten olympiastadion und einfach nicht mehr möglich ist.
    Mir ist mittlerweile auch fast egal wo hauptsache es wird schnell und bald gebaut.

  2. 12.

    Hertha geht nicht nach Brandenburg. Mal davon abgesehen, dass das den (West-) Berliner Fans nicht vermittelbar wäre, gibt sich der Senat sicher nicht diese "Blöße".

  3. 11.

    Die Standortsuche läuft ja gerade noch. Hertha würde gerne in Berlin bleiben, aber den Senat spielt wohl gerade die Karte "Olympiastadion oder gar nicht". Wenn das so weitergeht, wird Hertha nach Brandenburg gehen und Berlin hat nicht nur den größten Sportverein der Stadt sondern auch ein weiteres mittelständisches Unternehmen inklusive der Steuereinnahmen und Jobs verloren.

  4. 10.

    Wie wäre es mit Schönefeld, da ist auch Platz - da ist die S-Bahn und der Flughafen wird auch bald fertig (Flughafen ist Spaß).

  5. 9.

    Es sagt doch auch keiner, dass Fußball der Nabel der Welt ist. Genauso wenig möchte Hertha irgendetwas auf Kosten der Allgemeinheit machen.
    Um mal aufzuklären: das neue Stadion will Hertha privat finanzieren (wo auch immer diese albernen Gerüchte herkommen, dass Hertha ein Stadion auf Steuerzahlerkosten bauen will...). Am liebsten im Olympiapark, da dort die benötigte Infrastruktur für ein Stadion schon vorhanden ist. Denn wenn die Infrastruktur erst gebaut werden muss, werden dafür die Steuerzahler zahlen müssen. Hertha will also gerne Steuergelder einsparen.
    Klar, die Bewohner der Mietshäuser sollte man nicht ignorieren. Wurden sie aber auch nicht. Es wurde von Hertha eine Ersatzbaufläche für neue Wohnungen ganz in der Nähe vorgeschlagen - wurde aber abgelehnt. Dann hat Hertha halt angefragt, ob man das Maifeld nicht bebauen könnte. Aber die Wiese steht ja leider unter Denkmalschutz............

  6. 7.

    Ich bin kein Hertha-Hassler. Es dreht sich alles um Hertha. Hertha braucht ein Studium - wenn es geht auf Kosten der Allgemeinheit. Braucht unbedingt ein großes Nur-Fussball-Stadion. Wie können es die Bewohner das Angebot nur ablehnen und da wohnen bleiben wollen. Fußball ist nicht der Nabel der Welt, vor allem geht es um Geld - nicht nur bei Hertha. Es gibt auch noch andere Sportarten.

  7. 6.

    Ja, alles sehr merkwürdig. Verstehe ehrlich gesagt nicht, weshalb man Berichte zu einem Verein, den man nicht mag, derart kommentieren muss. Wäre mal eine Psychoanalyse wert, falls jemand noch Stoff für ein Studium braucht. ;-) Hertha hat diese Reise ja vor Klinsmann geplant und somit sind die bestehenden Verpflichtungen einzuhalten. Kein großes Thema. Klinsmann hat seine Meinung gesagt und gut ist. Bin auf die erste Mannschaftsaufstellung der Rückrunde gespannt.

  8. 5.

    Und wieder kommen die notorischen Hertha-Hassern aus ihren Löchern und kommentieren, was das Zeug hält. Voran natürlich ihr Rudelführer Alfred Neumann, der sich immer wieder zum FC Union bekennt, aber immer nur unter Hertha-Beiträgen zu lesen ist. Da schlummert wohl doch ein blau-weißes Herz in ihm.

  9. 4.

    Na klar, kann ja für Hertha nicht teuer genug sein.

  10. 3.

    Und wohl auch ohne Xhaka.
    Kein Wunder. Wer mal in Gladbach war, der geht doch nicht zu Hertha.

  11. 2.

    Ist das in Klinsmann's Wohnnähe?

  12. 1.

    Armer Charlottenburger Verein, nun müssen sie alle nach Florida reisen und dann sind da einfach sechs Stunden Zeitverschiebung. Warum hat denen das keiner vorher gesagt? Hertha Windhorst BSC hat es aber auch wirklich nicht leicht ^^

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