Christopher Lenz in einem Spiel von Union Berlin. Quelle: imago images/Contrast
Audio: Inforadio | 08.01.20 | 12:15 Uhr | Bild: imago images/Contrast

Interview | Union-Verteidiger Christopher Lenz - "Als Berliner habe ich immer große Sehnsucht nach zu Hause"

Christopher Lenz ist seit der Hinrunde kaum noch wegzudenken aus Unions Startelf. Dabei begann Lenz' Karriere eher behäbig. Im Interview spricht der Verteidiger über Startschwierigkeiten, Freundschaft im Fußball - und einen Marktstand in Spandau.

rbb|24: Christopher Lenz, Sie sind im Trainingslager im spanischen Campoamor mit Christopher Trimmel auf einem Zimmer. Das ist keine Zweck-WG sondern Freundschaft, oder?

Christopher Lenz: Auf jeden Fall. Er ist schon lange mein Zimmerpartner. Ich komme mit ihm gut aus, ich kenne meine Aufgaben (schmunzelt). Er ist Kapitän und der Ältere, da muss ich auch mal ein bisschen mehr machen - das ist aber schon okay.

Gibt es im Fußball-Business viele Menschen, die Sie als Freunde bezeichnen würden oder ist das wegen der Schnelllebigkeit des Geschäfts schwierig?

Ich glaube, es ist schon schwierig. Wenn ich überlege, habe ich im Fußball vier oder fünf Freunde kennengelernt, mit denen ich auch jetzt noch regelmäßig Kontakt habe und immer gerne was mache. Natürlich gibt es aber auch Leute, mit denen du dich in der Zeit, in der du in einer Mannschaft zusammenspielst, sehr gut verstehst. Bei Wechseln - auch durch die teilweise großen Entfernungen - geht es dann aber auseinander.

Einer Ihrer guten Freunde ist Maximilian Philipp, der im Sommer zu Dynamo Moskau gewechselt ist. Wie ist der Kontakt zu ihm?

Eigentlich besser als zu seiner Dortmunder Zeit. Er ist mit dem Flieger schneller aus Moskau in Berlin als mit dem Zug oder Auto aus Dortmund. Wir sehen uns schon häufig. Eigentlich immer wenn er in Berlin ist, finden wir zwei, drei Stunden um Essen zu gehen oder so.

Für Sie hat es etwas gedauert, bis Sie sich bei Union durchgesetzt haben. 2016 hat es noch nicht so ganz funktioniert, Sie sind dann zu Holstein Kiel gewechselt und waren direkt Stammspieler. Ihr zweiter Anlauf bei Union war zunächst aber auch wieder schwierig. Können Sie sagen, woran das gelegen hat?

Wenn man als Spieler immer wüsste, warum man in dem Moment nicht spielt, würde man das so schnell wie möglich ändern. Jeder hat im Fußball aber gewisse Phasen, in denen du dich hintenanstellen musst. Für mich - und wahrscheinlich auch jeden anderen - war es da wichtig, nicht aufzugeben und weiter zu machen und irgendwann die Chance zu nutzen.

Nach der Hinrunde sind Sie aus der Stammelf nur schwer wegzudenken. Sie sind in Berlin geboren und hier aufgewachsen. Das klingt perspektivisch so, als wären Sie eine gute Identifikationsfigur für Union Berlin. Können Sie sich das vorstellen?

Ich habe intern schon gesagt, dass es für mich schwer ist, einen anderen Verein zu finden - außer es sind irgendwelche Topklubs. In der Bundesliga ist es für mich aber schwer, einen Verein zu finden, der für mich persönlich interessanter ist. Ich habe als gebürtiger Berliner immer große Sehnsucht nach zu Hause - das habe ich auch während meinen Stationen bei anderen Vereinen gemerkt. Dadurch, dass meine Freunde und Familie in Berlin sind, bin ich gerne in der Stadt. Ich liebe Berlin. Von daher gefällt es mir sehr gut, dass Union in der Bundesliga spielt.

Ihre Eltern haben einen Marktstand in der Zitadelle Spandau. Helfen Sie da noch manchmal?

Mittlerweile nicht mehr. Letztes Jahr war das noch so, aber jetzt finde ich die Zeit nicht mehr. Wir haben das aber auch größtenteils aufgegeben, weil meine Eltern das nach ihrer 'normalen' Arbeit gemacht haben, das waren dann manchmal 14-Stunden-Arbeitstage.

Wurden Sie da erkannt oder ist es so unwahrscheinlich, dass dort ein damals Zweitliga-Spieler hinter steht, dass es sowieso keinem auffällt?

Ich habe nie damit gerechnet, dass ich da erkannt werde. Als mir dann aber 'Eisern' zugerufen wurde oder ich gefragt wurde, 'Was machst du denn hier, musst du nicht trainieren?', wusste ich, dass die Union-Fans auch bis nach Spandau kommen. Das ist ja nicht um die Ecke von Köpenick. Das war schon ganz witzig.

Sie ernähren sich im Moment vegan. Es ist das zweite Mal, dass Sie das machen. Ist das eine Phase, in der Sie das mal ausprobieren, oder bleibt es dieses Mal so?

Nein, ich habe mir zu Beginn wieder ein halbes Jahr vorgenommen. Ich werde aber jetzt acht Monate machen - dann ist die Saison vorbei. Im Sommer werde ich dann ein Resümee ziehen und schauen, wie es mir geht und ob ich Lust habe, mich wieder anders zu ernähren. Bis jetzt läuft es aber sehr gut.

Wer macht in der Mannschaft noch mit?

Rafal Gikiewicz macht mit. Auch Felix Kroos hat es bis Weihnachten hinbekommen, hat dann aber auch gesagt, er könne es seinen Großeltern in Mecklenburg-Vorpommern nicht antun, vegane Weihnachten zu feiern - das konnte ich auch verstehen. Rafal und ich sind jetzt die einzigen, die das noch machen.

Muss man sich dann von Sebastian Polter, der ja bekanntlich gerne mal zum Mettbrötchen greift, manchmal einen Spruch anhören?  

(Schmunzelt) Rafal und Polti bekommen sich gerne mal in die Haare. Für mich ist es egal, was die anderen essen. Ich weiß, dass da ein paar Sprüche kommen. Das ist ja auch eher witzig.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Simon Wenzel, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte Fassung. Das gesamte Gespräch können Sie als Audio mit einem Klick ins Titelbild nachhören.

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