Union-Trainer Urs Fischer holt einen Ball. / Bild: Matthias Koch
Audio: Inforadio | 12.01.20 | 10:15 Uhr | Simon Wenzel | Bild: Matthias Koch

Interview | Union-Trainer Urs Fischer - "Wir haben mit allen Spielern dazugelernt"

Union-Trainer Urs Fischer zeigt sich nach dem Trainingslager in Campoamor zufrieden mit der Verfassung seiner Mannschaft und blickt dem Rückrundenauftakt optimistisch entgegen. Im Interview mit rbb|24 sagt er, warum die Rückrunde trotzdem härter wird als die Hinrunde.

rbb|24: Herr Fischer, Sie haben am Anfang des Trainingslagers gesagt, dass die kurze Pause für Sie neu war. Wie sind Sie jetzt damit zurechtgekommen?

Urs Fischer: Eigentlich gut. Wir haben uns überlegt, was wir in dieser Vorbereitung machen wollen, und haben uns darüber ausgetauscht. Ich muss sagen, es ist wirklich gut angelaufen. Die Jungs ziehen toll mit. Natürlich kannst du in einer so kurzen Zeit nicht viel machen. Von daher gilt es, eine gute Mischung zu finden. Ich glaube, das ist uns gut gelungen. Jetzt haben wir noch eine Woche Zeit bis zum Start gegen Leipzig.

Viele Übungen im Trainingslager drehten sich um das Spiel mit dem Ball. Was kann Ihre Mannschaft da noch verbessern?

Es ist nicht nur das Spiel mit dem Ball, sondern auch das gegen den Ball. Am Schluss musst du beides trainieren. Du brauchst eine gute Organisation gegen den Ball und dann eben auch eine mit dem Ball. Mir ging es vor allem darum, dass die Jungs noch mehr Vertrauen in ihr Spiel mit dem Ball bekommen. Das hat in gewissen Übungen sehr gut geklappt. Das heißt aber nicht, dass wir nur noch das trainieren. Du solltest zwischendurch mal an deinen Schwächen arbeiten, es aber auch nicht übertreiben. Sonst verlierst du deine Stärken. Deshalb solltest du auch an deinen Stärken weiterarbeiten und ich glaube, dass uns das im Trainingslager nicht schlecht gelungen ist.

In der Hinrunde haben Sie meistens fünf Abwehrspieler aufgeboten. In den Trainingsspielen hat man häufiger mal nur vier nominelle Verteidiger auf dem Feld gesehen. Lag das daran, dass mit Keven Schlotterbeck und Florian Hübner zwei Verteidiger verletzt waren, oder ist die Viererkette für die Rückrunde eine zusätzliche Option?

Es war dem Umstand geschuldet, dass der eine oder andere angeschlagen war. Wir wollen aber auch ein bisschen variabler werden. Es hat also mit beidem ein bisschen zu tun. Wir konnten nur die Viererkette üben, weil du - wenn du elf gegen elf spielen willst - sechs zentrale Verteidiger benötigst, wir aber nur vier zur Verfügung hatten. Die Jungs haben das aber gut umgesetzt und es könnte eine Möglichkeit für die Rückrunde sein - muss es aber nicht.

Wie schwer ist es, sich auf das Training zu konzentrieren, wenn an der Seite bis zu 300 Fans stehen?

Daran haben wir uns gewöhnt. Natürlich haben wir den einen oder anderen neuen Spieler dabei, aber wir waren ja auch schon im Sommer in Österreich. Auch da hatten wir schon Zuschauer. Im Wintertrainingslager war es jetzt nochmal eine andere Anzahl. Schlussendlich ist es aber toll, wenn du auch im Trainingslager die Unterstützung spürst. Wenn ich mich aber an mein erstes Trainingslager zurückerinnere, ist es schon gewöhnungsbedürftig. Es ist sehr unruhig außen. Gerade im Trainingslager, wo du eigentlich in Ruhe arbeiten kannst, ist das bei Union ein bisschen lauter. Die Fans verhalten sich aber toll und lassen uns in Ruhe arbeiten. Das hatte keinen schlechten Einfluss auf die Trainingsleistung.

Für Sie ist der Abstiegskampf eine eher neue Erfahrung. Wie finden Sie sich zurecht?

Ich hatte mit dem FC Thun (Fischers Station von 2013 bis 2015, Anm. d. Red.) schon auch eine Mannschaft, für die es in erster Linie darum ging, die Liga zu halten. Es kam dann nicht so, es war eher ein Kampf um die vorderen Plätze und die Europa League. Der Ursprung war aber, nicht abzusteigen. Daher kenne ich die Situation eigentlich schon.

Wie muss man den Fußball im Vergleich zum Vorjahr – als man einer der Favoriten in der Liga war – dennoch umstellen?

Ich glaube nicht, dass wir unseren Fußball umgestellt haben. Wir haben mit allen Spielern dazugelernt und die Automatismen greifen immer besser. Grundlegend haben wir unser Spiel nicht geändert. Es kommt dennoch dazu, dass die erste Liga etwas anderes ist als die zweite. Union hatte eine gewisse Erfahrung in der zweiten Liga, die du nach dem Aufstieg dann eben nicht mehr hast. Das bedeutet, dass du dich erstmal zurechtfinden musst. Das ist uns relativ schnell geglückt. Aber nicht mit einer komplett anderen Spielweise. Wir haben unsere Art Fußball zu spielen mitgenommen, aber versucht sie der neuen Liga anzupassen.

Wird die Rückrunde für Union schwerer als die Hinrunde?

Das werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass sie schwieriger wird. Es werden immer weniger Spiele. In der Vorrunde weißt du, dass du noch mal 17 Spiele hast. Jetzt geht es um die Wurst und die Positionen sind eingenommen. Deshalb wird es für den Kopf nochmal eine andere Geschichte und die Rückrunde wird härter als die Hinrunde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Simon Wenzel, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte Fassung. Das gesamte Gespräch können Sie als Audio durch einen Klick ins Titelbild nachhöhren.

Sendung: Inforadio, 12.01.20, 16:15 Uhr

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