Davie Selke (Hertha BSC) (Quelle: imago-images/Schreyer)
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Interview | Hertha-Stürmer Davie Selke - "Ich will meine Statistik aufbessern"

Davie Selke hat in 17 Vorrundenspielen nur einmal getroffen. In der Rückrunde möchte sich der gelernte Torjäger deutlich steigern. Dafür schwitzt der Stürmer aktuell im Hertha-Trainingslager in Orlando (USA), wo ihn Jakob Rüger exklusiv gesprochen hat.

rbb|24: In Berlin ist jetzt schon Nachmittag, da geht es hier gerade zur ersten Einheit. Wie kommen Sie als Fußballprofi denn mit dem Jetlag klar?

Davie Selke: Es geht so. Bei allen ist es gerade ähnlich. Man wacht meistens so um vier, fünf Uhr Ortszeit auf und versucht noch etwas weiterzuschlafen. Aber da muss man sich erstmal reinfinden.

Hilft das harte Training? Sie werden hier ja ganz schön gescheucht auf dem Platz.

Na, wir sind ja nicht zum Urlaub machen hier. Das hat man bereits am ersten Tag gesehen, da waren schon einige Kilometer dabei. Es ist schon sehr intensiv, aber das brauchen wir. Man hat unserem Spiel angesehen, dass wir die Körner brauchen. Deswegen gehört das leider dazu.

Es ist interessant, Jürgen Klinsmann zu beobachten: Er spricht dauernd mit den Spielern und motiviert ständig. Wie hat sich das Training unter ihm verändert?

Jeder Trainer hat seine eigene Herangehensweise. Jürgen Klinsmann ist natürlich sehr motivierend und sagt klar, was er will. Wir versuchen, das dann umzusetzen.

Und was gibt der ehemalige Topstürmer Klinsmann seinem Stürmer Davie Selke mit?

Eigentlich die Basics. Er gibt mir immer mal zwischendurch einen Tipp. Aber immer einfach gehalten. Am Ende geht es um Tore, aber auch um die Arbeit für die Mannschaft. Es geht darum, dass man vorne der erste Verteidiger ist und Meter macht, um sich dann zu belohnen. In dieser Phase bin ich, wo ich viel Aufwand betreibe - und das jetzt einfach ummünzen muss in mehr Tore.

Ihre Bilanz: 17 Spiele und nur ein Tor. Das ist sicher nicht Ihr Anspruch. Inwiefern liegt das auch daran, dass es im gesamten Verein keine Konstanz gab und immer auf und ab ging?

Ich will da keine Ausrede suchen. Die Statistik ist nicht so, wie ich sie mir vorstelle, deswegen versuche ich daran in der Rückrunde zu arbeiten. Die Statistik deutlich aufzubessern, das ist mein klares Ziel. Aber ich will auch weiter so für die Mannschaft arbeiten, wie ich das in der Vergangenheit getan habe. Dann werde ich mir die Chancen erarbeiten und ich werde alles daran setzen, dass ich sie nutze.

Vor allem die Defensive hat unter Jürgen Klinsmann gut funktioniert. Da scheint er großen Wert darauf gelegt zu haben. Wie ist das für die Stürmer?

Klar ist das schwerer, wenn die Wege zum Tor länger sind. Aber man hat gesehen, wie gut es uns als Mannschaft getan hat, wieder kompakt zu werden, wieder eklig zu werden auch für den Gegner. Ich glaube, dass in den letzten Wochen keiner gerne gegen uns gespielt hat. Das hat gut funktioniert, wenn man die Punktausbeute sieht. Wir werden hart daran arbeiten, eklig zu bleiben, dass keiner gerne gegen uns spielen will. In der Offensive werden wir versuchen, die Sicherheit, die wir uns geholt haben, weiter auszubauen. Wir wollen Stück für Stück weiter nach vorne kommen und mehr Chancen kreieren, dann wird es auch für uns Stürmer leichter.

Der Trainer verbreitet Aufbruchstimmung, es werden ständig große Namen gehandelt. Haben Sie in der Winterpause schon gemerkt, dass Hertha BSC in Deutschland und Europa aktuell ein spannendes Projekt ist?

Das merkt man schon, dass sich Hertha gerade weiterentwickelt, spannender wird und durch die finanziellen Mittel auch bereit ist, mehr umzusetzen, was früher vielleicht nicht ganz so der Fall war. Das bekommt man schon mit. Auch wenn man die Namen hört, die da kursieren, ist das spannend und bestätigt den Weg, den Hertha in den nächsten Jahren gehen will.

Wir waren alle etwas überrascht von der Größe des Trainerteams. Co-Trainer Alexander Nouri ist ja ein gestandener Cheftrainer, dazu kommt ein weiterer Co, Markus Feldhoff. Wie ist denn die Zusammenarbeit?

Ich finde die Aufteilung sehr gut. Jeder hat seinen Bereich, in dem er seine Stärken einbringt. Im taktischen Bereich macht Alexander Nouri viel, er stellt uns gut ein. Markus Feldhoff unterstützt ihn da. Und Werner Leuthart (Anm. d. Red.: der Fitnesstrainer)  ist dazu da, uns die nötigen Körner zu verpassen (lacht).

Ist Leuthart einer der härtesten Fitnesstrainer, die sie bisher in ihrer Karriere hatten?

Das kann man schon so sagen, diesen Preis wird er bekommen. Er ist sehr akribisch. Aber wir haben relativ schnell bemerkt, dass uns das auf dem Platz auch gut tut. Jede Einheit unter ihm ist intensiv. Er akzeptiert keine 98 Prozent, keine 99 Prozent, er will immer 100. Das tut manchmal weh, aber auf dem Platz tut es uns gut.

Zum Abschluss: Als Sie gehört haben, es geht ins Trainingslager in die USA, kam da Vorfreude auf? Das ist ja eine andere Welt, gestern zum Beispiel waren Sie beim Basketball.

Ich zum Beispiel bin ein echter Fan, deswegen fand ich das gut. Klar, die Einheiten hier sind intensiv, die können schon mal eklig sein, aber dafür haben wir gute Bedingungen. Wir sitzen bei gutem Wetter schon am Vormittag da und wenn ich mir den Platz so anschaue, können wir uns glücklich schätzen, dass wir diesen Rahmen haben. Und neben dem Arbeiten haben wir hier gute Optionen, den Kopf mal freizukriegen.

Das Interview ist die gekürzte Fassung eines Gesprächs zwischen Davie Selke und Jakob Rüger, rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 05.01.2020, 15:20 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ist mir ein Rätsel wie man an Selke immer noch festhalten kann.
    Verstehe auch nicht was Klinsmann für einen Narren an ihm gefressen hat.
    Ein Stürmer der gefühlte 45 min von 90 min am Boden liegt und auch 100% Chancen nicht nutzt
    ist für mich nicht Bundesligatauglich.

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