Hertha-Coach Jürgen Klinsmann im Trainingslager. / Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH
Audio: Inforadio | 10.01.2020 | 06:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Fazit des Hertha-Trainingslagers - Frischer Wind, Grüppchenbildung und ein Yacht-Ausflug

Eine Woche lang hat sich Hertha BSC in Orlando auf die Rückrunde vorbereitet. Spielerische Verbesserungen waren nicht zu sehen, dafür untermalte der Bundesligist seine ambitionierten Ziele - inklusive Abendessen auf der Privat-Yacht. Von Jakob Rüger

Jürgen Klinsmann hat keine Lust zu warten. Als die kleine Gruppe mitgereister Journalisten im Al Lang Stadium von Saint Petersburg in Florida mit Vedad Ibisevic spricht, dreht sich Herthas Cheftrainer einfach um und verschwindet im Mannschaftsbus.

Eine Antwort auf die finalen Fragen zum Trainingslager in Orlando bleibt er so zum Abschied schuldig. Eine Woche lang quälten Klinsmann und sein Trainerteam die Spieler. "Wir haben das Beste daraus gemacht", zieht Ibisevic ein positives Fazit. "Es war sehr hart, wir haben intensiv gearbeitet, merken aber auch, dass uns das etwas bringt."

Training in Gruppen

Die Mannschaft trainierte in zwei Trainingsgruppen. Es gab eine klare Trennung - zwischen den Stammkräften der letzten Hinrundenspiele und den Ersatzspielern. Klinsmann versteht die ungewöhnliche Maßnahme offenbar als Ansporn. Wer in die A-Gruppe möchte, muss Leistung bringen.

"Es ist ein ständiger Wettkampf im Fußball", sagte der 55-Jährige zur Hälfte des Trainingscamps. "Die Spieler, die auf ihre Chance lauern, müssen auf dem Platz zeigen, dass sie besser sind als diejenigen, die dort gerade die Nase vorn haben. Letztendlich wird der Bessere spielen." Aufgedrängt hat sich in den zweistündigen Trainingseinheiten, die lediglich am Vormittag stattgefunden haben, kein Spieler aus der zweiten Reihe.

Keine spielerische Entwicklung

Klinsmann beobachtete viel, redete mit den Spielern und motivierte bei den Übungen. Neuzugang Santiago Ascacibar wurde schnell integriert und trainierte bereits in der Gruppe der Stammformation. Die Mannschaft arbeitete ungewöhnlich wenig an Spielformen. Beim einzigen öffentlichen Test gegen Eintracht Frankfurt gab es zwar einen 2:1-Sieg, offensiv war es aber viel Stückwerk bei den Berlinern.

Wir im Trainerteam wollen die Spieler ermutigen, eigene Entscheidungen zu treffen.

Jürgen Klinsmann

Eine spielerische Entwicklung ist bislang nicht zu erkennen. Obwohl Klinsmann die Zeit in Florida ausführlich nutzen wollte, bekam die Mannschaft zahlreiche freie Nachmittage zur eigenen Gestaltung. "Wir im Trainerteam wollen die Spieler ermutigen, eigene Entscheidungen zu treffen", erklärte Klinsmann die Maßnahme.

Ambitionierte Ziele

Es weht ein neuer frischer Wind bei den Berlinern, das wird vor allem an der Zielsetzung für die Zukunft deutlich. Die gesamte Mannschaft fuhr drei Stunden mit dem Bus, um Investor Lars Windhorst auf seiner Privat-Yacht zu besuchen. Die Spieler lernten bei einem Abendessen den neuen Geldgeber kennen. 224 Millionen Euro pumpt Windhorst mit seiner Tennor Holding in den Verein.

Genau deshalb werden die Ziele ambitioniert formuliert: "Wenn alles sorgfältig geplant und durchdacht ist und wir es zielstrebig umsetzen, ist es realisierbar, innerhalb von drei Jahren viel zu bewegen und Europa zu erreichen", sagt Klinsmann selbstbewusst. Er träumt wie Investor Windhorst von der Champions League.

Preetz tritt auf die Bremse

Manager Michael Preetz runzelt bei diesen Aussagen die Stirn. "Wir machen die Vorgaben, dass es da keine Missverständnisse gibt", so der Manager in einer Presserunde. "Meine Aufgabe ist vielleicht, hier und da ein bisschen auf der Bremse zu stehen. Aber das muss man sich nicht so vorstellen, dass wir nicht gemeinsam in die gleiche Richtung rudern." Der eher bodenständige Preetz teilt die Ziele, sie sind ihm nur zu forsch formuliert, vor allem was den ambitionierten Zeitraum von drei Jahren angeht. "Wir wollen wachsen, wir wollen nach Europa - und das wollen wir idealerweise nachhaltig hinbekommen", so Preetz, der aber gleichzeitig deutlich macht: "Wir können uns noch lange nicht mit den Topklubs messen."

Mit einem dieser Topvereine bekommt es Hertha direkt zum Auftakt der Rückrunde zu tun: Der FC Bayern ist zu Gast im Berliner Olympiastadion. Wie gut Hertha BSC auf dieses Spiel vorbereitet ist, diese Frage konnte Cheftrainer Jürgen Klinsmann nicht gestellt werden. Er nahm seine Eindrücke vom einwöchigen Trainingslager mit in den Mannschaftsbus.

Sendung: Inforadio, 09.01.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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1 Kommentar

  1. 1.

    Dein Artikel ist gut. Ich genieße es wirklich

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