Training in Campoamor: Die Mannschaft von Union Berlin macht sich fit für den Rückrundenstart. / Bild: Matthias Koch
Matthias Koch
Audio: Inforadio | 12.01.2020 | Simon Wenzel | Bild: Matthias Koch

Fazit des Union-Trainingslagers - Veränderung mit Maß

Der 1. FC Union Berlin hat sein Trainingslager in Spanien beendet und reist am Sonntag zurück. Während Trainer Fischer am Ballbesitzspiel arbeitete, beginnt für Geschäftsführer Ruhnert langsam die heiße Planungsphase fürs Team der nächsten Saison. Von Simon Wenzel

Zum Schluss wirkte Urs Fischer mal kurz ein bisschen angefressen. Als er nach dem 3:2-Sieg seiner Mannschaft gegen den ungarischen Meister Ferencvaros Budapest vor die mitgereisten Journalisten trat, war der sonst so charmante Schweizer einen Moment ziemlich wortkarg. Denn seine Mannschaft hatte zum Abschluss des Trainingslagers in Campoamor zwar offensiv einige gute Aktionen gezeigt, dem Gegner aber auch mit zwei heftigen Fehlern Tore geschenkt und eine wenig überzeugende zweite Halbzeit gespielt. "Insgesamt müssen wir uns noch steigern", sagte Fischer deshalb, "ungarischer Meister hin oder her."

Das größte Lernziel: Spiel mit dem Ball

Trotzdem war im Test, den Fischer mit einer klaren A-Elf bestritt, phasenweise gut zu sehen, was das größte Lernziel in der Trainingswoche in Spanien war: das Spiel mit dem Ball. Auf reine Konditionseinheiten verzichtete Fischer, stattdessen gab es Passübungen und Spielformen. Dabei unterbrach das Trainerteam immer wieder, korrigierte die Positionierungen einzelner Spieler und mahnte Präzision im Passspiel an. "Mir ging es vor allem darum, dass die Jungs noch mehr Vertrauen in ihrem Spiel mit dem Ball haben", sagte Urs Fischer zu den Trainingsinhalten und zeigte sich mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden: "Das hat in gewissen Übungen sehr gut geklappt."

In den beiden Tests zu Beginn des Trainingslagers sowie in der zweiten Halbzeit gegen Budapest ließ der Schweizer zudem in der Abwehr mit einer Viererkette spielen - eine Aufstellung, die er in der Bundesliga nach dem fünften Spieltag nicht mehr zum Einsatz gebracht hatte. Die Umstellung in den Tagen in Spanien hatte allerdings auch praktische Gründe: Mit Florian Hübner (Grippe) und Keven Schlotterbeck (Reha nach seiner Knieverletzung) kehrten zwei Innenverteidiger erst am Freitag zurück ins Mannschaftstraining. So machte Fischer aus der Not eine mögliche Taktik-Variante für die Rückrunde: "Die Jungs haben das gut umgesetzt. Könnte eine Option sein, muss es aber nicht."

Ruhnert: "Bei Mario Götze werde ich nicht anrufen"

Eine grundlegende Änderung an Unions Spielstil sollte man in der Rückrunde aber nicht erwarten. Urs Fischer ist ein ziemlich ausgeglichener Typ und so geht es ihm auch jetzt wieder um die Mischung. Er will dem Spielstil seiner Mannschaft nur dosiert Neues zuführen: "Wenn du zu viel versuchst, Dinge zu ändern, die nicht so gut funktioniert haben, verlierst du den Fokus auf die Dinge, die dir geholfen haben, 20 Punkte zu holen", stellt Fischer klar.

Ähnlich scheint auch die Philosophie in Sachen Transfers zu sein. Unions Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, ließ sich am Rande des Trainingslagers zwar alle Optionen offen, machte aber auch deutlich: Wenn noch ein Spieler kommen sollte, dann eine klare Verstärkung für die ersten Kaderplätze. Weil die Verantwortlichen der Köpenicker aber das ausgeglichene Gehaltsgefüge der Mannschaft nicht durcheinander bringen wollen, ist eine solche Verstärkung schwer zu finden. "Bei Mario Götze werde ich nicht anrufen", sagte Ruhnert plakativ.  

Nur Ujah drängt sich wirklich auf

Abgänge schließt der Geschäftsführer dagegen nicht aus, auch nicht bei Top-Stürmer Sebastian Andersson. Die Kadergröße, die mit 32 Spielern zu Saisonbeginn noch als mögliches Problem betrachtet wurde, erwies sich in der Hinrunde als durchaus hilfreich. Und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. So dürften die Verantwortlichen sich darüber gefreut haben, dass Anthony Ujah in den Testspielen mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machte. Publikumsliebling Sebastian Polter dagegen, der auf mehr Spielzeit und einen neuen Vertrag hofft, gelang das nicht wirklich, ebenso wenig den anderen Dauerreservisten.

Bei einigen Spielern dürfte es deshalb in den nächsten Wochen und Monaten spannend werden in Sachen Vertragsverhandlungen. Nach der Verlängerung mit Kapitän Christopher Trimmel laufen inklusive der Leihen von Keven Schlotterbeck und Marius Bülter (bei ihm besitzt Union eine Kaufoption) noch 14 Verträge zum Saisonende aus. Aufhorchen ließ Oliver Ruhnert mit der Aussage, dass das für den Verein "nicht nur schlecht" sei. Er begreift es auch als Chance, die Mannschaft ein bisschen umzubauen. Außerdem bedeute ein auslaufender Vertrag ja auch, dass "sich der ein oder andere Spieler in der Rückrunde nochmal zeigen muss."

Fischer: "Jetzt geht's um die Wurst"

Das wäre Urs Fischer sicher recht, denn der Trainer zeigt sich davon überzeugt, dass die Rückrunde für seine Mannschaft schwerer wird als die Hinrunde. Nicht, weil die Gegner Union jetzt kennen, sondern weil es weniger Spiele werden. "Wenn du die Hinrunde spielst, weißt du, danach hast du nochmal 17 Spiele. Jetzt werden es wirklich weniger", sagt der Schweizer und fügt an: "Jetzt geht es um die Wurst."

Sendung: Inforadio, 12.01.2020, 8:14 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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