Union-Trainer Urs Fischer im Trainingslager in Alicante. / Matthias Koch
Bild: Matthias Koch

Union Berlin im Trainingslager - Immer schön flexibel bleiben

Union Berlin bereitet sich derzeit im spanischen Campoamor auf die Bundesliga-Rückrunde vor. Nach abwechslungsreichen ersten Tagen beginnt am Mittwoch die intensivste Trainingsphase für das Team von Urs Fischer. Von Simon Wenzel

Mit einem auffälligen Grinsen kam Urs Fischer am Dienstag die leicht abschüssige Straße vom Hotel zum Trainingsplatz hinunter. Der Schweizer scheint mit der Bestandsaufnahme seines Kaders nach den ersten Tagen im spanischen Campoamor durchaus zufrieden zu sein. Eine intensive Trainingseinheit am Sonntag und die zwei Testspiele am Montag gegen belgische Zweitligisten hat er bis jetzt gesehen, am Dienstag folgte daraufhin nur eine Regenerationseinheit.

Fischer testet mit Viererkette

"Es wäre schön, wenn schon alles perfekt wäre, aber es ist auch sicher nicht alles scheiße", sagte der Schweizer nach dem Spiel gegen Royale Union Saint-Gilloise, in dem sein Team eine 2:0-Führung noch aus der Hand gegeben hatte. Immerhin den ersten Test des neuen Jahres hatten die Berliner gewonnen: mit 2:1 gegen OH Leuven. Taktisch auffällig in beiden Tests war, dass Fischer sein Team jeweils über lange Zeit mit einer Viererkette in der Abwehr spielen ließ - meist im 4-4-2. Eine Formation, die Union in der Hinrunde ab dem fünften Spieltag kaum noch zum Einsatz gebracht hatte.

"Es ist wichtig, dass wir flexibel bleiben", erklärte der Schweizer, der auch im Trainingsspiel einige Male umstellen ließ und lautstarke Anweisungen gab. Fischer, so scheint es, erwartet von seinen Spielern, in Zukunft wohl öfter das System zu wechseln - notfalls auch im Spiel. "Es geht darum, das jetzt in Automatismen übergehen zu lassen", beschreibt Stürmer Sebastian Polter den aktuellen Arbeitsstand.

Es dürfte noch einmal richtig hart werden

Sein Trainer hat sich für die verbleibenden Tage unter der spanischen Sonne noch einiges vorgenommen. Auf dem Trainingsplan steht für den Coach in dieser Zeit "eigentlich alles". Es dürfte also nochmal richtig hart werden für Polter & Co. in der zweiten Hälfte ihres Aufenthalts an der Costa Blanca. Mindestens vier Trainingseinheiten will Fischer bis zum abschließenden Testspiel am Samstag gegen Ferencvaros Budapest (15 Uhr) noch unterbringen.

Es gilt jetzt eine gute Mischung zu finden, für vier sehr intensive Monate, in denen es um die Wurst geht.

Urs Fischer

Die bisher einzige vollwertige Trainingseinheit am Sonntag dürfte da mit einer Dauer von knapp über zwei Stunden Maßstäbe gesetzt haben. Trotzdem betont Fischer: "Es gilt jetzt eine gute Mischung zu finden", denn nach der kurzen Vorbereitung folgen dann "vier sehr intensive Monate, in denen es um die Wurst geht."

Trainingsgruppe hat sich verkleinert

Umso ärgerlicher, dass sich Unions Trainingsgruppe seit der Anreise kontinuierlich verkleinert hat. Von den ursprünglich 32 Spielern sind mit Manuel Schmiedebach (wird Vater), Lennard Maloney (Knieverletzung) und Tim Maciejewski (krank) drei bereits vorzeitig abgereist. Das Rekonvaleszenten-Duo aus Keven Schlotterbeck und Grischa Prömel absolvierte vor allem Individualtraining und nahm höchstens kurz an lockeren Passübungen teil. Dazu kommt, dass Florian Hübner (zuvor krank) und Suleiman Abdullahi (mit Knieproblemen) sich am Mittwoch erstmals auf den malerisch schönen Trainingsplätzen zeigen können.

Von Prömels Trainingsfortschritten könnte abhängen, ob Union sich nochmal intensiver auf dem Winter-Transfermarkt umschauen muss. Oliver Ruhnert, der als Geschäftsführer Profisport dafür zuständig wäre, kam am Dienstagabend - planmäßig, nicht außergewöhnlich - im Teamhotel an. Möglich, dass er beim Frühstück am Mittwochmorgen dann erstmal seinem derzeit wertvollsten Profi im Kader, Stürmer Sebastian Andersson, zur Begrüßung auf die Schulter geklopft hat. Denn der Schwede ließ sich auch im Trainingslager bisher nicht aus der Reserve locken, wie es denn nun mit ihm und Union weitergeht.

Andersson "höchstwahrscheinlich" auch in der Rückrunde bei Union

"Höchstwahrscheinlich", sagte der Stürmer, der bisher acht der 20 Saisontore von Union geschossen hat, werde er auch in der Rückrunde für Union spielen. Was darüber hinaus passiert, dazu wollte er lieber nichts sagen - seine Vertragsinhalte seien "persönlich". Offiziell läuft das Arbeitspapier Anderssons bei Union im Sommer aus.

Der Spieler selbst hatte allerdings vor einiger Zeit angedeutet, dass der Vertrag sich möglicherweise automatisch verlängern könnte. Falls das noch nicht geschehen ist, wäre es Unions bestem Torschützen seit Anfang Januar gestattet, mit anderen Vereinen über einen ablösefreien Wechsel im Sommer zu verhandeln - so sind die Regeln der Fifa.

15 Verträge laufen aus

Weil insgesamt 15 Verträge bei Union zum Sommer auslaufen und darunter auch noch die anderer Leistungsträger sind, dürfte in dieser Hinsicht ebenso gelten, was Urs Fischer taktisch von seinem Team fordert: flexibel bleiben.

Sendung: Inforadio, 08.01.2019, 12:15 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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2 Kommentare

  1. 1.

    Geil, Union, Kult und so!

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