Santiago Ascacibar von Hertha BSC während des Trainings in Orlando. (Quelle: City-Press/Jan-Philipp Burmann)
Bild: City-Press/Jan-Philipp Burmann

Neuzugang Santiago Ascacíbar - Mehr Mate fürs Hertha-Mittelfeld

Im Hertha-Trainingslager in Orlando (USA) steht ein Spieler besonders unter Beobachtung: Neuzugang Santiago Ascacíbar. Der Argentinier kommt zwar "nur" vom Zweitligisten VfB Stuttgart, könnte sich aber als wichtiger Transfer herausstellen. Von Philipp Büchner

Santiago Ascacíbar muss lachen, als er von der Drogenkontrolle am Flughafen berichtet. Die Beamten in Berlin wollten vom Hertha-Neuzugang vor dem Abflug ins Trainingslager in Orlando (Florida, USA) genau wissen, was für ein grünes Kraut der Argentinier da mit sich führte.

Doch der 22-jährige Mittelfeldspieler konnte die Situation ähnlich schnell entschärfen wie die meisten Angriffe des Gegners auf dem Platz. "Das war Mate für unser traditionelles Getränk in Argentinien", erzählt Ascacíbar bei seiner Vorstellung in Florida. Er trinkt den Mate-Aufguss nach eigenen Angaben täglich. Und die Eigenschaften des inoffiziellen argentinischen Nationalgetränks könnten auch dem Spiel der Alten Dame gut tun. Mate gilt nämlich als anregend, aktivierend und leistungssteigernd.

Ein richtiger Sechser für die Zentrale

Der Bundesligist hatte Ascacíbar am Neujahrstag vom Zweitligisten VfB Stuttgart verpflichtet, noch rechtzeitig um ihn mit ins Trainingslager zu nehmen. Die Ablöse soll bei 12 Millionen Euro liegen. Seine schwangere Freundin bleibt zunächst in Stuttgart, der errechnete Geburtstermin des Kindes ist der 18. Februar. An jenem Freitagabend tritt Hertha in Düsseldorf an.

Die Charakteristika des Mate-Tees treffen auch auf den Neuen zu. Co-Trainer Alexander Nouri freut sich über einen defensiven Mittelfeldspieler, "der viel investiert, aggressiv in der Zweikampfführung und bissig ist, Bälle erobert und dann auch in der Spielfortsetzung gute Situationen schafft". Kurz: aktivierend. 

Auf den ersten Blick wirkt Hertha auf den zentralen Mittelfeldpositionen mit Marko Grujic, Vladimir Darida, Per Skjelbred, Arne Maier und Eduard Löwen zwar gut aufgestellt. Doch bei näherer Betrachtung ist Ascacíbar als einziger klassischer Sechser neben dem Norweger Skjelbred eine sinnvolle Verstärkung.

Trainer Jürgen Klinsmann hat dem Hobbyangler vorab eindeutig mitgeteilt, dass er ihn im defensiven Zentrum sieht. Dort, wo auch Ascacíbar seine Stärken einbringen möchte: "Grätschen und Zweikämpfe - das ist mein Job auf dem Platz und den mache ich gerne", sagte der Argentinier in der Medienrunde, zwar langsam, aber doch in solidem Deutsch.

Auf dem Platz aggressiv - daneben lustig

Privat scheint Ascacíbar eher ein humorvoller Typ zu sein. Auf seinen neuen Trainer angesprochen, räumt er ein, dass man Jürgen Klinsmann aufgrund der Weltmeisterschaft 1990 in Argentinien kenne. "Doch das ist kein so gutes Thema." Denn damals schlug Deutschland mit dem heutigen Hertha-Coach bekanntlich Argentinien im Finale mit 1:0. Schmunzelnd fügt er hinzu: "1986 ist besser." Da besiegten die Argentinier Deutschland. Erlebt hat Ascacíbar - Jahrgang 1997 - beide Spiele nicht.

Sportlich wirkt Herthas neue Nummer 18 mit dem Wechsel auf Anhieb glücklich, nachdem er sich in Stuttgart nicht mehr wohl gefühlt hatte. Nach einer längeren Sperre (Ascacíbar hatte Leverkusens Kai Havertz angespuckt) und dem Abstieg mit dem VfB Stuttgart in der Vorsaison war für ihn auch die argentinische Nationalmannschaft in weite Ferne gerückt.

"Die Bundesliga ist technisch auf einem höheren Niveau, man muss schneller spielen und denken", sagt er. Bei Hertha BSC steht er nun wieder im Fokus und möchte sich auch dem argentinischen Nationaltrainer Lionel Scaloni zeigen. Das sind definitiv gute Voraussetzungen für eine Leistungssteigerung.

Spitzname: der Russe

Als Vorbilder nennt El Ruso (Spanisch für "der Russe"), wie ihn ehemalige Mitspieler wegen seiner blonden Haare einst tauften, den Italiener Marco Verratti von Paris St. Germain und den chilenischen Titelhamster Arturo Vidal vom FC Barcelona. Auch das ist ein klares Bekenntnis des nur 1,68 Meter großen Rechtsfußes zur aggressiven Gangart.

Von seiner neuen Mannschaft hat Ascacíbar in dieser Saison bislang "fünf bis sechs Spiele" gesehen, erzählt er - und ist von der Qualität der neuen Kollegen grundsätzlich überzeugt. "Wir müssen in jedes Spiel mit dem Ziel gehen, drei Punkte zu holen. Wir können noch eine gute Saison spielen."

Das klingt durchaus anregend, aktivierend und hoffentlich auch leistungssteigernd. Denn Hertha könnte die Wirkung des Mate-Tees in der Rückrunde gut gebrauchen.

Sendung: Inforadio, 05.01.2020, 15:20 Uhr

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