Yunus Malli, Neuzugang bei Union Berlin. / imago images/Contrast
Audio: Inforadio | 22.01.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Contrast

Union plant mit Yunus Malli - Das gewisse Extra für die Offensive

Yunus Malli hat intensive Tage hinter sich. Der Wechsel zu Union Berlin und prompt der erste Pflichtspiel-Kurzeinsatz in Leipzig. Der 27-Jährige könnte ein entscheidendes Puzzle-Teil werden - weil er etwas hat, das es so im Kader noch nicht gibt. Von Johannes Mohren

Der Neue ist ein zurückhaltender Typ, ja: ein Mann der leisen Töne. "Das stimmt schon, ich bin eher der Ruhige", sagt Yunus Malli. Der 27-Jährige steht im Innenraum des Stadions An der Alten Försterei. Nur wenige Meter entfernt von den Stufen, die hinunter auf den Platz führen. Es ist der Ort, der mindestens für ein halbes Jahr sein fußballerisches Zuhause sein wird. An diesem Dienstagmittag ist Kennenlern-Zeit mit den Medien - und viele sind gekommen.

Beeck: "Qualität, die so noch nicht vorhanden war"

Das verwundert kaum. 198 Mal ist Malli schon in der Bundesliga aufgelaufen. Es ist ein gestandener Spieler im Fußball-Oberhaus, den sich Union Berlin geholt hat. Einer, der für die besonderen Offensiv-Momente sorgen kann - auch wenn er das zuletzt nur selten zeigen durfte. In Wolfsburg war der Deutsch-Türke nur noch Ergänzungsspieler. In der Liga reichte es nicht zu einem einzigen Einsatz. Auf der europäischen Bühne durfte der technisch feine Wirbler zwei Mal ran. Das reichte ihm - wenig überraschend - nicht.

"Ich will wieder zeigen, was ich kann. Dafür muss man auf dem Platz stehen. Ich wollte unbedingt in der Bundesliga bleiben. Ich habe noch nicht das Gefühl, hier fertig zu sein", sagt er. Malli will es im Berliner Osten beweisen. Sich, dem VfL Wolfsburg und wenn möglich pünktlich zur Europameisterschaft auch dem türkischen Nationaltrainer.

"Die EM spielt natürlich eine Rolle. Ich möchte wieder zurück in den Kreis der Nationalmannschaft", sagt Malli. 25 Mal lief er bereits für sie auf.

Das fehlende Puzzle-Stück?

Gelingt ihm dieses Vorhaben, profitiert der gebürtige Kasselaner. Aber ein Profi vom Format eines Yunus Malli ist auch eine Chance, ja: ein Novum für den Verein. "Da kommt jemand mit einer fußballerischen Qualität, die so bisher im Kader noch gar nicht vorhanden war", betont Union-Experte Christian Beeck im rbb-Podcast Haupstadtderby. Es für die Köpenicker ist ein Griff weit oben ins Regal. Die Ausleihe könnte - Vorsicht: Konjunktiv! - sich in der Rückrunde als Königstransfer im Kampf um den Klassenerhalt erweisen.

Denn Malli passt zum Plan. Beim Aufsteiger wollen sie das spielerische Element weiterentwickeln. Das war die Erkenntnis der Hinrunde und das war auch im Trainingslager in Südspanien spürbar. Dieser Neuzugang der Marke Filigran-Fußballer hat nun das Potenzial, das passende - und bislang noch fehlende - Puzzle-Teil zu sein. Er soll die robuste, aber erfolgreiche Spielweise der Hinrunde um ein überraschendes Element bereichern. Und der 27-Jährige ist selbstbewusst, dass das klappen kann. "Ich habe als Außenstehender gesehen, mit was für einer starken Mentalität die Mannschaft als Team auf dem Platz steht. Jetzt kann ich noch eine gewisse Kreativität geben und ein bisschen offensiven Schub reinbringen", sagt er.

Er braucht noch Zeit

Bei Union trauen sie ihm genau das zu. Deshalb ist er da. "Er ist ein Spieler, der Eins-gegen-Eins-Situationen lösen kann, der einen letzten Pass hat, der einen gewissen Zug zum Tor zeigt - das sind Dinge, die können wir gut gebrauchen", sagt Trainer Urs Fischer. Doch der Schweizer wäre kaum er selbst, wenn er nicht auch ein bisschen bremsen würde. Und er hat durchaus Grund dazu. Der Neue ist eben noch ganz neu und - das ist noch gewichtiger - er ist ohne Spielrhythmus.

"Da fehlen noch Tage, Trainingseinheiten und Spiele, um wirklich Eindrücke zu bekommen", sagt Fischer - und: "Man hat in den beiden Partien (Anm. d. Red.: in Leipzig und im Test gegen St. Gallen) schon ansatzweise gesehen, zu was er im Stande ist." Aber eben genauso auch, was noch fehlt. "Er hat eine Hinrunde hinter sich, in der er nicht so viel gespielt hat. Das merkt man einem Spieler auch an. Auch im Test. Das ist nicht so einfach." Der 53-Jährige fordert deshalb "eine gewisse Geduld". Für den Spieler Malli und seine Gewöhnung an das Union-System.

Malli: "Turbulente Tage"

Erst einmal muss Malli aber richtig ankommen. "Die letzten Tage waren schon turbulent. Es ging hin und her. Ich habe viel erlebt. Umso glücklicher bin ich, dass die neue Woche jetzt begonnen hat und ich Zeit habe, die Jungs besser kennenzulernen", sagt er. Berlin als Stadt ist ihm schon vertraut, der guten Zugverbindung aus Wolfsburg sei dank. Die Tagestrips haben ihn überzeugt. "Eine Großstadt, eine schöne Stadt - auch in der Hinsicht bin froh, hier zu sein", betont er. Und so will er sich auch auf dem Mietmarkt der Hauptstadt versuchen. Gesucht? Eine Wohnung (vorerst) auf Zeit. Gerne möbliert.

Sendung: rbb UM6, 21.01.2019, 18:15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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