Paul Drux und Bob Hanning bei der Heim-WM 2019. / imago images/Jörg Schüler
Audio: Inforadio | 09.01.2020 | Thomas Koos | Bild: imago images/Jörg Schüler

Vor der Handball-Europameisterschaft - Paul Drux und die Vier aus dem Fuchsbau

Deutschland startet am Donnerstag gegen die Niederlande in die Handball-EM. Mit dabei ist Paul Drux - und das Rückraum-Ass der Füchse Berlin ist wichtiger denn je für das DHB-Team. Doch auch vier weitere Spieler des Bundesligisten kämpfen für andere Nationen um Siege.

Der erste Schritt ist geschafft. Landung erfolgreich. "Es hat alles gut funktioniert. Alle Mann an Bord. Das passt", sagt Bob Hanning am Dienstagnachmittag im Telefongespräch mit rbb|24. Der Reisetross des Deutschen Handball-Bundes (DHB) ist da gerade im norwegischen Trondheim angekommen - an dem Ort, an dem am Donnerstagabend (18:15 Uhr) gegen die Niederlande das erste Gruppenspiel der deutschen Auswahl bei der Handball-EM stattfinden wird.

"Die Stimmung ist wirklich gut"

"Die Stimmung ist wirklich gut", sagt Hanning. Das Team habe sich "Selbstbewusstsein in den beiden Testspielen gegen Island und Österreich geholt - ohne das überbewerten zu wollen." Der 51-Jährige ist in diesen Tagen als DHB-Vizepräsident unterwegs. Der Vereinsmanager Bob Hanning - verantwortlich bei den Füchsen Berlin - hat derweil Pause. Was nicht heißt, dass er die Spieler des Handball-Bundesligisten nicht im Blick hätte, die bei der EM dabei sind. Fünf sind es.

Bei vier von ihnen wird der Kontakt nur ein loser sein: Hans Lindberg und Jacob Holm, die für Dänemark und damit den großen Titelfavoriten bei der 14. Handball-Europameisterschaft auflaufen, Mijajlo Marsenic, der das serbische Nationaltrikot trägt und Enes Keskic, der - gerade 20 Jahre alt und bei den Füchsen Berlin in der zweiten Mannschaft unterwegs - im Kader von Bosnien-Herzegowina steht. "Man wird sich ja zum Teil sehen. Dann redet man natürlich auch miteinander", sagt Hanning, "aber in dem Moment hat jeder eine andere Fokussierung."

Hanning: "Paul Drux spielt eine zentrale Rolle"

Bei der Nummer fünf ist das vollkommen anders. Paul Drux, der im Rückraum der deutschen Auswahl aufläuft - und der mit Hanning in weitaus engerem Austausch stehen wird. Auf den 24-Jährigen wird es ankommen bei dem Turnier, ja: Die Vorhersage ist keinesfalls gewagt, dass das deutsche EM-Abschneiden auch daran liegt, wie gut es für Drux läuft. "Er hat eine ganz zentrale Rolle in dem gesamten System von Christian Prokop (Anm. d. Red.: Bundestrainer) und ist aus der Mannschaft nicht wegzudenken", sagt auch Hanning.

Man muss behutsam mit ihm umgehen und möglichst viel Zeit von der Uhr nehmen, in der er nicht spielt. Er lebt von seiner Kraft uns seiner Dynamik und braucht deshalb mehr Pausen als andere Spieler, um den Tank wieder aufzuladen.

Bob Hanning über Paul Drux

Das liegt zuallererst an seiner Qualität - er ist längst Leistungsträger beim DHB -, aber auch daran, dass die personelle Not groß ist. Zahlreiche seiner Rückraum-Kollegen traf nun das Schicksal, das auch Drux aus seiner Karriere allzu leidlich kennt. Verletzungsbedingte Absage um Absage erreichte Prokop. So ist der 24-Jährige mit seiner enormen Physis und Durchsetzungsstärke eigentlich überall gefordert. In der Abwehr wird er gebraucht.

Halbfinale als Ziel

Und im Angriff sowieso - in ungewohnter Position in der Rückraum-Mitte, auf der sein Füchse-Teamkollege Fabian Wiede nach seiner Schulter-OP eine große Lücke hinterlässt. "Die klassische Spielmacher-Rolle habe ich im Verein nicht", sagt Drux dazu jüngst der "FAZ". "Aber hier in der Nationalmannschaft habe ich das schon im letzten Lehrgang gemacht, da hat es gut funktioniert. Und jetzt hoffe ich, dass wir uns in kurzer Zeit so gut abstimmen, dass ich die Führungsrolle im Angriff bei der EM übernehmen kann."

Wichtig sei es, Drux - trotz und wegen seiner Wichtigkeit - nicht zu überlasten, sagt Hanning. Damit die Nummer 95 dann topfit ist, wenn es wirklich darauf ankommt: "Er lebt von seiner Kraft uns seiner Dynamik und braucht deshalb mehr Pausen als andere Spieler, um den Tank wieder aufzuladen. Wenn er einmal in den roten Bereich reinkommt, dann kriegt man ihn selten wieder auf grün." Ein Zustand, zu dem es also nicht kommen sollte, will das DHB-Team seine Ziele erreichen. "Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass wir Richtung Halbfinale gehen können", sagt Hanning. Und eine Medaille? "Geträumt werden darf immer - und prinzipiell finde ich es gut, sich die Messlatte hochzulegen."

Die Dänen Hans Lindberg und Jacob Holm im Füchse-Trikot. / imago images/Andreas Gora
Die Dänen Hans Lindberg und Jacob Holm im Füchse-Trikot. | Bild: imago images/Andreas Gora

Titelfavorit Dänemark mit Holm und Lindberg

Sollten sie tatsächlich soweit kommen, könnte ab dem Halbfinale auch Dänemark auf Drux, Hanning und das deutsche Team warten - und damit die Füchse-Teamkollegen Hans Lindberg und Jacob Holm zu Gegnern werden. Zwei Spieler in ganz unterschiedlichen Phasen ihrer Karriere.

Beim 24-jährigen Holm könnte die EM einen weiteren Schritt in der Entwicklung bedeuten - mit positiven Folgen auch für die Füchse. "Jacob wird das Turnier weiterbringen. Er wird sich dementsprechend auch zeigen - und die Möglichkeit haben, für sich besser zu werden", sagt Hanning. Beim 14 Jahre älteren Lindberg sieht er - bei all seiner Erfahrung - die Situation anders: "Ob Hans spielt oder nicht spielt, macht ihn nicht besser oder schlechter."

Hanning: Serbien ohne Milosavljev chancenlos

Dass Mijajlo Marsenic oder Enes Keskic bei der EM weit kommen, scheint äußerst unwahrscheinlich. Bei Marsenics Serben liegt das maßgeblich auch daran, dass ein Fuchs fehlt. "Sie werden in dem Turnier keine Rolle spielen, weil Dejan nicht im Tor steht", sagt Hanning.

Denn eben dieser Dejan - Nachname: Milosavljev - zeigte als Neuzugang von Champions-League-Sieger Skopje in seiner ersten halben Saison bei den Berlinern überragende Spiele und fällt derzeit nach einer Knie-OP aus. Umso mehr müssen die Serben auf die Defensiv-Künste des 26-jährigen Marsenic hoffen. "Auf ihn wird es ankommen, dass er die Abwehr zusammenhält."

Stolz auf Füchse-Jugend

Während Marsenic Führungsspieler bei den Serben ist, soll Linksaußen Keskic bei Bosnien-Herzegowina vor allem lernen. "Ein junger Spieler aus unserer Schule von kleinauf", sagt Hanning. Hörbar stolz. Es ist ein Beispiel für die gute Jugendarbeit, die bei den Füchsen geleistet - und vom 51-Jährigen maßgeblich vorangetrieben wird.

"Er kann sich profilieren. Ich freue mich besonders für ihn, dass er dabei ist." Gewinnen und glänzen dürfen und sollen sie alle fünf. Solange es nicht gegen Deutschland geht. Dann wird Hannings Herz vermutlich doch ganz klar für einen von ihnen schlagen: Paul Drux. Er ist bei der EM eben DHB-Vizepräsident. Nicht Füchse-Manager.

Sendung: Inforadio, 08.01.2019, 10:15 Uhr

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