Kristof Piatek bejubelt ein Tor für den AC mailand. Bild: imago/La Presse
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Krzysztof Piatek kommt vom AC Mailand - Das ist Herthas neuer Stürmer-Star

Hertha BSC arbeitet weiter an seinem millionenschweren Kader-Update. Am Donnerstag gab der Verein bekannt, den polnischen Stürmers Krzysztof Piatek für 23 Millionen Euro vom AC Mailand zu holen. Piatek soll Herthas größte Schwachstelle beheben.

Da ist er also: Der erhoffte Neuzugang im Sturm bei Hertha BSC. Krzysztof Piatek, 24 Jahre alt, kommt einen Tag vor Ende der Wintertransferperiode vom AC Mailand und kostet den Berliner Bundesligisten etwa 23 Millionen Euro.

"Mit Krzysztof bekommen wir einen hoch veranlagten Angreifer, der seine Torgefährlichkeit und Offensivqualität schon eindrucksvoll auf höchstem Niveau sowohl in der Serie A als auch in der Nationalmannschaft unter Beweis gestellt hat", wird Geschäftsführer Michael Preetz in einer Vereinsmitteilung zitiert. "Durch ihn haben wir nun noch mehr Qualität in der Offensive", so Preetz weiter. Der Stürmer unterschrieb einen langfristigen Vertrag beim Hauptstadtklub. Mit Piatek soll die vielleicht größte Schwachstelle in Herthas Kader ausgebessert werden: Das Sturmzentrum.

Der ersehnte Stürmer

26 Tore in 55 Spielen in der italienischen Serie A, davon 22 in der vergangenen Saison, die Piatek als drittbester Torschütze der Liga abschloss. Der Blick auf die Zahlen lässt es schon erahnen: Mit dem polnischen Mittelstürmer bekommt Hertha einen Spieler, dessen Abschlussqualität im aktuellen Kader nur der in die Jahre gekommene Vedad Ibisevic besitzt.

Piatek ist ein Spieler, den man gerne als "klassischen Mittelstürmer" bezeichnet. Seine Tore erzielt er mit dem starken rechten Fuß, mit links, oder mit dem Kopf. Seine Bewegungen im und um den Strafraum sind clever - wo es Abschlussmöglichkeiten gibt, ist Piatek meist nicht weit. Sein Landsmann, der ehemalige Hertha-Stürmer Artur Wichniarek, beobachtet Piatek schon seit seiner Zeit in Polen und sagt über den Star-Einkauf: "Er ist einer wie Jürgen Klinsmann. Er sucht den einfachsten Weg zum Tor. Er ist kopfballstark, hat einen guten Abschluss und den Torriecher."

Lewandowski-Vergleiche

Immerhin 39 Millionen Euro ließ sich der AC Mailand Piateks Dienste vor einem Jahr kosten. Da hatte das Sturmtalent gerade 13 Tore in der Hinrunde für den FC Genua erzielt, nachdem er erst vor der Saison aus Polen nach Italien gewechselt war. Bei den aus Tradition stolzen, aber zuletzt oft enttäuschenden Mailändern, sollte Piatek die Reihe einiger großartiger Stürmer fortführen. Die Wunschrückennummer 9 gab man ihm zunächst nicht, mit dem Hinweis, dass man sich diese beim AC mit Toren erst verdienen müsse.

Im Sommer bekam er seine 9 dann doch, denn Piatek hatte die Erwartungen erfüllt - neun Tore und eine Vorlage gelangen ihm in der Rückrunde, dazu taugte sein Jubel mit überkreuzten Armen und Fingerpistolen-Gesten als Markenzeichen. Wegen seiner kantigen Gesichtszüge und der athletischen Statur (Körpergröße: 1,83 Meter) bekam Piatek auch schon den für polnische Sturmtalente fast obligatorischen Vergleich mit seinem Landsmann Robert Lewandowski aufgezwängt.

Robert Lewandowski (links) und Krzysztof Piatek in einem Spiel für die polnische Nationalmannschaft. Bild: imago/NewspixSturmhoffnung in der Heimat: Krzysztof Piatek in einem Länderspiel für Polen an der Seite von Robert Lewandowski.

Stärken im Strafraum, nicht in der Ballbehauptung

In der laufenden Saison konnte Piatek die hohen Erwartungen allerdings kaum noch erfüllen. Nur vier Tore in 18 Spielen gelangen ihm in der Hinrunde für den AC Mailand, drei davon per Elfmeter. Seit der Rückkehr von Superstar Zlatan Ibrahimovic ist Piatek nahezu außen vor bei den "Rossonieri". Dabei haben die Ladehemmungen des Pistolen-Jublers durchaus nachvollziehbare Gründe. In Mailands defensivem und zuletzt wenig homogenem Spiel bekam Piatek als Sturmspitze nur wenige Torchancen, gerade einmal 22 Tore gelangen dem Team insgesamt.   

Ähnliches könnte ihm auch in Berlin zum Verhängnis werden, befürchtet Wichniarek. "Die Spielweise mit langen Bällen auf Selke, wie wir sie zum Beispiel gegen Bayern gesehen haben, das wird auch mit Piatek nicht funktionieren. Seine Stärke ist nicht die Ballbehauptung. Seine Stärken hat er im gegnerischen Sechzehner, aber da war Hertha zuletzt ziemlich selten", analysiert der Ex-Stürmer. Er fordert deshalb mehr Offensive von Klinsmann: "Mit seinen Qualitäten können sie auch offensiver spielen. Hertha muss es durch die Mitte versuchen mit diagonalen Pässen auf Piatek, und die Außenspieler müssen besser funktionieren. Er ist kopfballstark, also wird er auch erwarten, dass die ein oder andere Flanke kommt."

Transferausgaben jetzt fast bei 100 Millionen

Gelingt es seinen Mitspielern, Piatek ins Spiel einzubinden und ihn mit Vorlagen zu füttern, könnte der Stürmer tatsächlich ein vielversprechendes Mosaik in Klinsmanns "Big City Club"-Projekt sein. Das Potential für Auftritte auf internationaler Ebene bringt er als zehnmaliger Nationalspieler Polens erwiesenermaßen mit. Die Personalie verdeutlicht einmal mehr, wie weit die finanziellen Sprünge sind, die Hertha seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst im Sommer nehmen kann.

Piatek soll in der Vergangenheit bereits bei den deutlich renommierteren Bundesligisten Schalke 04 und Borussia Dortmund im Gespräch gewesen sein. Dazu summieren sich die Investitionen in den Kader nach den Großtransfers von Dodi Lukebakio (20 Millionen Euro), Santiago Ascacibar (11 Mio.), Lucas Tousart (25 Mio.) und eben Piatek (23 Mio.) auf über 90 Millionen Euro - zuzüglich einiger kleinerer Ausgaben versteht sich, eine stolze Summe.

Auch an einem Transfer des Brasilianers Matheus Cunha von RB Leipzig soll Hertha dem Vernehmen nach weiterhin interessiert sein. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sollen die Berliner für den Brasilianer rund 15 Millionen Euro zahlen. Eine Vertragsunterschrift wird für Freitag erwartet. Hinter Borussia Dortmund und Bayern München - aber zum Beispiel vor RB Leipzig - agiert Hertha damit zumindest finanziell schon auf Champions-League-Niveau.

Das waren die teuersten Zugänge von Hertha BSC

Sendung: Inforadio, 30.01.2020, 18:15 Uhr

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