Archivbild: Jürgen Klinsmann (Quelle: imago-images)
Audio: Inforadio | 06.01.2019 | 21:15 Uhr | Jakob Rüger | Bild: www.imago-images.de

Hertha-Trainingslager in Florida - Klinsmann will sich am FC Liverpool orientieren

In der heißen Sonne Floridas bereitet sich Hertha BSC derzeit auf die zweite Saisonhälfte der Fußball-Bundesliga vor. Trainer Jürgen Klinsmann bekräftigt dabei seine ambitionierten internationalen Ziele - und schielt mit einem Auge in die Premier League.

Der Ball kommt perfekt an den Elfmeterpunkt, Stürmer Davie Selke nimmt Maß und jagt die Kugel mit dem rechten Fuß über das Tor. Sofort gibt es aufmunternden Applaus von Trainer Jürgen Klinsmann. Der ehemalige Top-Stürmer arbeitet individuell am Ende einer langen Trainingseinheit mit den Angreifern. "Er gibt immer mal zwischendurch einen Tipp", zeigt sich Selke begeistert. "Am Ende geht es um Tore, aber auch um die Arbeit für die Mannschaft. Es geht darum, dass man vorne der erste Verteidiger ist und Meter macht, um sich dann zu belohnen." Der Trainer fordert in jedem Training vollen Einsatz von seinen Jungs, der Konkurrenzkampf ist spürbar.

Klinsmann hat eine klare Vorstellung

"Es ist ein Wettkampf", sagt Klinsmann. "Die Jungs müssen zeigen, dass sie besser sind als die Spieler, die gerade vor ihnen stehen. Am Ende wird der Bessere spielen." Die Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff leiten das Training, doch Klinsmann beobachtet alles genau. Er marschiert am Trainingsplatz auf und ab, redet viel mit den Spielern, gibt Hinweise aber stets mit einer positiven Ansprache. "Der Trainer sagt immer klar, was er will, und ist sehr motivierend", bestätigt Selke.

Ein Acht-Millionen-Missverständnis

Am knallharten Konkurrenzkampf nimmt Eduard Löwen nicht mehr teil. Der Sommerneuzugang sah nach der Verpflichtung Santiago Ascacibar keine Perspektive mehr bei der Hertha. "Wenn ein Spieler wie Löwen kommt und sagt, er möchte auf Grund der Konkurrenz mit anderen Vereinen reden, dann ist das in Ordnung", stellt Klinsmann klar. Löwen ist aus dem Trainingslager abgereist, nachdem er sich auf dem Platz von allen verabschiedet hat. Ein acht Millionen Euro teures Missverständnis von Manager Michael Preetz wurde von Klinsmann beendet. Der Mittelfeldspieler schließt sich bis Sommer 2021 auf Leihbasis dem FC Augsburg an.

Seine Kollegen quälen sich weiter in der Sonne Floridas. Zwei Stunden dauern die Einheiten am Vormittag. Es ist eine Mischung aus Athletik- und Balleinheiten. Mit hochroten Köpfen und schwer atmend sinken die Profis am Ende auf den fein gestutzten grünen Rasen. Am Nachmittag gab es bislang zwei Mal trainingsfrei, dabei wollte Klinsmann die Zeit in Orlando intensiv nutzen. "Wenn die Arbeit gemacht ist, steht es auch unter dem Motto Verantwortungsübergabe", erklärt Klinsmann. Die Profis werden angehalten, gemeinsam etwas zu unternehmen. Am Montag steht ein gemeinsamer Besuch beim NBA-Spiel der Orlando Magic an.

Besuch bei Lars Windhorst

Einen besonderen Ausflug hat die Mannschaft bereits gemacht. Am Samstag lud Investor Lars Windhorst in das 130 Kilometer entfernte St. Petersburg auf seine Yacht. Dabei haben Klinsmann und sein Team auch gut gespeist. "Es gab Steak mit Gemüse. Der ganze Abend war auch eine Belohnung für die Mannschaft, die hier hart arbeitet", so Klinsmann. Für die Profis war es die erste Möglichkeit, den Investor des Bundesligisten persönlich kennenzulernen. Windhorst hat mit seiner Tennor-Holding im Sommer 49,9 Prozent der Anteile an der Hertha KGaA erworben und dafür 224 Millionen Euro bezahlt. Er will Hertha zu einem "Big City Club" machen.

Spielen wie der FC Liverpool

Das soll Jürgen Klinsmann umsetzen. "Es ist möglich, innerhalb von drei Jahren international präsent zu sein", sagt der ehrgeizige Trainer deutlich. Er nennt Hoffenheim, RB Leipzig oder Borussia Mönchengladbach als Vorbilder. "Im kommenden Jahr muss die Europa League das Minimal-Ziel sein, um im Jahr darauf dann hoffentlich noch weiter oben angreifen zu können", fordert Klinsmann. Doch vorher gilt es erst einmal, den Klassenerhalt in der Rückrunde zu sichern. "Man muss es am Ende einfach auf Ergebnisse reduzieren", erklärt Co-Trainer Markus Feldhoff die sportliche Situation.

Natürlich würde Hertha gerne so spielen wie der FC Liverpool. "Sie sind im Moment das Maß aller Dinge. Wenn man die spielen sieht, sitzt man vor dem Fernseher und denkt: 'Wie geil!". So würden wir auch gerne spielen. Aber es war auch für die ein Prozess", meint Feldhoff und fordert Geduld.

Doch für einen solchen Pressing- und laufintensiven Fußball braucht es auch die entsprechenden Spieler. Deshalb muss Hertha "das spielen, was zu den Spielern passt, was erfolgreich sein kann", macht Feldhoff klar.

Genau daran arbeitet das Team noch bis zum Donnerstag in Orlando - unter den wachsamen Augen von Cheftrainer Jürgen Klinsmann.

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9 Kommentare

  1. 9.

    Sage ich ja, endlich will der Verein mal weiterkommen. Aber Union hat damit nichts zu tun. Ich empfinde diese gegenseitigen Bemerkungen über den jeweils anderen Berliner Verein einfach nur nervig und überflüssig. Kann doch nicht so schwer sein, nur mal etwas zu seinem Verein zu sagen, ohne andere runterzuziehen. Das gilt für Fans aller Vereine.

  2. 8.

    Wieso laufen denn dem Verein die Zuschauer weg? Der Schnitt liegt bei gut 47.000 pro Spiel, da läuft keiner weg, man hat seit einiger Zeit konstante Zahlen. In einer Stadt, in der viele Menschen zuziehen und "ihren" Verein mitbringen, bei gleichzeitigem Wegzug von Berlinern, sind das solide Zahlen.

  3. 6.

    Was bitte hat denn Union damit zu tun? Und warum nennen Sie das Team „Dorfverein“?
    Etwa Minderwertigkeitskomplexe oder nur mit dem falschen Fuß aufgestanden? Auf jeden Fall etwas peinlich :-)

  4. 5.

    Die Ziele sind hoch angesetzt aber dennoch muss das der Anspruch eines Clubs wie unserer sein. Mit den Geld von Windhorst sind natürlich keine großen Sprünge in der und in der nächsten Saison zu erwarten aber hier geht es um 3-5 Jahre. Da muss die Hertha einfach da sein wo Klinsmann das möchte. Auch wenn es dem Dorfverein Union nicht passt.

  5. 4.

    Das sind sehr erstrebenswerte Ziele. Daruaf kann sich jeder konzentrieren. Weiter so Klinsmann, klare Ansagen und Motivation sind der Schlüssel zum Erfolg.

  6. 3.

    Arroganz kennt keine Grenzen... oder einfach Jetlag?
    Mit solchen Sprüchen werden jedenfalls die Fans auch in Zukunft dem Verein weiter in Massen davonlaufen.

  7. 2.

    Der unsympathische Charlottenburger Verein möchte gern spielen wie der FC Liverpool und einen Weg gehen wie RB Leipzig. Da fragt man sich dann schon ob Hertha Windhorst BSC die Hitze dort nicht gut bekommt. Platz eins in Berlin wäre ein eher realistisches Ziel auf 3-Jahressicht. Aber Großmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Ich wette das nächste Spiel wird wieder nicht gewonnen.

  8. 1.

    Herr Klinsmann, wo bleiben Ihre angekündigten großen Transfers? 12 Millionen für einen Zweitligaspieler auszugeben ist schon mutig....
    Wann wird Herr Preetz endlich abgelöst? Er ist für die Misere mitverantwortlich.?
    Ansonsten viel Glück und Erfolg.

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