Hertha-Manager Michael Preetz. / Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH
Bild: Jan-Philipp Burmann / City-Press GmbH

Interview | Hertha-Manager Michael Preetz - "Mit Lars Windhorst gibt es gar keinen Dissens"

Es sind neue Zeiten - auch für einen, der schon sehr lange da ist. Michael Preetz leitet seit über zehn Jahren als Manager die Geschicke bei Hertha BSC. Nun spricht er über Zielsetzungen, über die Chancen des Nachwuchses - und über Fußballfan Lars Windhorst.

Es ist der letzte Tag des Trainingslagers in den USA, als sich Hertha-Manager Michael Preetz den Fragen der mitgereisten Journalisten stellt. Und das ausführlich. 36 Minuten dauert die Gesprächsrunde. Es gibt viel zu besprechen in Zeiten, die auch für den 52-Jährigen besonders sind. Seit mehr als zehn Jahren hat er die Position inne - aufregender und fordernder als aktuell war sie wohl nie. Preetz antwortet oft ausführlich. Ihm ist es wichtig, gewisse Dinge zu erklären, seine Sicht zu schildern. So sprach er über ...

... seine Gefühlslage mit Blick auf die neue Zeitrechnung bei Hertha BSC.

Es gab ja einen Grund von meiner Seite, warum ich mich in den vergangenen drei Jahren mit dieser Personalie (Anm. der Red.: Jürgen Klinsmann) auseinandergesetzt habe, häufig in den USA war und einen engen Austausch mit ihm hatte. Ich habe schon grundsätzlich das Verständnis, dass Berlin als Stadt und Hertha als Fußballverein ein Gebilde ist, das diese große Personality und die große Qualität, die so eine Figur wie Jürgen Klinsmann mit sich bringt, eben auch braucht, um sich weiterentwickeln zu können. Das trifft damit zusammen, dass die Kriegskasse ein bisschen voller ist als sie das in den vergangenen Jahren war. Das kann hochgradig Sinn machen. Es hat sich eine Konstellation ergeben, bei der wir jetzt das erste Mal die Möglichkeit haben, konkret an diesem Schritt zu arbeiten.

... die offensive Rhetorik bei der Zielsetzung.

Es ist in der Tat so, dass man bei den Zielsetzungen nochmal genauer hinschauen muss. Wenn Lars Windhorst spricht, spricht er für Tennor und sein Investment. Wir sprechen nach wir vor noch für Hertha BSC. Aber wir sprechen miteinander. Und nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Da gibt es überhaupt keinen Dissens. Aber mutig große Ziele zu formulieren, ist das eine. Es geht auch darum, dass wir das realistisch einordnen können. Wir wissen alle, wo wir hinwollen. Wir wollen gerne internationalen Fußball erleben. Ob das gleich im nächsten Jahr ist, darüber kann man sicherlich streiten - aber es spricht nichts dagegen, das als Zielsetzung zu formulieren. Wir müssen das hinbekommen, beides zu vereinen. Anders und mutig nach vorne gehen, weil wir das jetzt können und früher nicht konnten. Und trotzdem ist die Bundesliga noch relativ unnachgiebig und wir müssen es jede Woche beweisen.

... seine Rolle im (öffentlichen) Umgang mit den neuen Erwartungen.

Wir haben jetzt mehr Invest und eine Figur wie Jürgen Klinsmann. Da ist es völlig in Ordnung, ambitionierte Ziele zu verfolgen. Meine Aufgabe ist vielleicht, hier und da mal ein bisschen auf der Bremse zu stehen. Das muss man sich aber nicht so vorstellen, dass wir nicht gemeinsam in die gleiche Richtung rudern. Das Ziel ist ganz klar: Wir wollen uns verbessern im Rahmen unserer Möglichkeiten. Das habe ich all die Jahre gesagt. In dem Moment, in dem der Rahmen größer wird, ist es völlig klar, dass auch die Ziele größer werden. Aber momentan sind wir in der Situation, dass wir im Januar 2020 19 Punkte in der Bundesliga haben und noch 17 Spiele in der Rückrunde brauchen. Ich finde schon, dass wir da den Fokus in der nächsten Zeit auf den Auftakt am 19. Januar legen müssen, der ja knackig genug ist, wenn wir im ausverkauften Olympiastadion gegen Bayern spielen. Und dann auf die Rückrunde, damit wir die deutlich besser spielen als die Hinrunde. Wir wissen alle, dass das an sich schon ein ambitioniertes Ziel ist bei den Performances der vergangenen Jahre.

... mögliches weiteres Geld von Lars Windhorst über die 224 Millionen Euro hinaus.

Als wir Lars Windhorst besser kennengelernt haben, haben wir jemanden getroffen, der wirklich nichts mit Fußball zu tun hatte. Das kann man - glaube ich - so sagen. Das hat sich binnen kurzer Zeit total geändert. Das ist jemand, der dem Virus verfallen ist wie wir alle. Der angezündet ist für dieses Thema Fußball. Nicht nur, aber auch vor dem Hintergrund seines Investments. Das macht ja auch hochgradig Sinn. Und natürlich sprechen wir auch regelmäßig über den Weg und darüber, wie wir Ziele erreichen können. Aber es wäre viel zu früh, heute konkret darüber zu reden, was das sein könnte. Im Moment ist es uns wichtig, jemanden an der Seite zu haben, der für dieses Thema brennt, der offen ist, der Dinge mit anschieben will. Der schnell ist, das ist völlig klar - und der gerne auch schnell Ziele erreichen will. Das ist auch in Ordnung, da wehrt sich keiner gegen. Es hat keiner was dagegen, maximalen Erfolg idealerweise in kürzester Zeit hinzubekommen. Aber es ist auch klar mit ihm besprochen, dass der Weg zum Ziel, den wir gemeinsam eingeschlagen haben, durchaus auch ein bisschen Zeit brauchen wird.

... die (verschlechterte) Perspektive für die Spieler aus der eigenen Akademie bei neuen Zielen wie der Champions League.

Wir haben jetzt im Trainingslager vor allem Daishawn (Anm. d. Red.: Redan) dabei, den wir im vergangenen Sommer geholt haben, weil wir schon der Meinung sind, dass er über ein außergewöhnliches Potenzial verfügt und weil er es in dieser Phase braucht, hier mit der Mannschaft zu trainieren. Aber wir haben auch all die anderen jungen Spieler im Blick. Jeder hat die Chance, sich zu zeigen. Nur war der Weg in die Bundesliga auch in der Vergangenheit weit. Ab einem gewissen Punkt musst du regelmäßig deine Leistungen bringen, um durchzukommen. Bestes Beispiel ist Arne (Anm. d. Red.: Maier) oder Maxi Mittelstädt. Da haben wir einige. Aber es gab immer Spieler, die es nicht gleich geschafft haben und bei denen wir auch nach anderen Wegen suchen. Es gibt auch den Abzweig links und rechts. Regionalliga ist bei uns ganz wichtig oder Ausleihen. Ich kann versichern: Wir werden weiter darauf achten, junge Spieler zu fördern und wir werden natürlich auch weiter darauf achten, unsere Talente in den Profibereich durchzubringen. Aber der Weg wird ein Stück länger.

... neue finanzielle Freiheiten für ihn als Manager, um sich auszutoben.

Hach, das mit dem Austoben. Da mag man den Eindruck gewinnen. Aber wenn man das tut, ist schnell auch nicht mehr viel da. Blöderweise wissen nicht nur wir, dass wir andere Möglichkeiten haben - das wissen da draußen ja auch noch ein paar andere. Deswegen müssen wir uns gut überlegen, was wir machen und das werden wir tun. Das kann ich versprechen.

... den möglichen Transfer von Granit Xhaka, bei dem es offenbar hakt.

Das würde ja bedeuten, dass ich in irgendeiner Form über Spieler spreche, die mit uns in Verbindung gebracht werden. Das werde ich auch heute nicht machen. Wir tun uns natürlich um - und es lässt sich ganz generell schon sagen: Wir haben schon andere Möglichkeiten und eigentlich jetzt im Winter auch zum ersten Mal die Chance, die ein bisschen auszuspielen. Aber ich kann jedem versichern, dass wir die Aspekte der Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen werden. Die werden bei einem Transfer weiter eine Rolle spielen, auch wenn man hier und da das Gefühl hat, dass wir nun im Geld schwimmen.

... die Verletzung von Arne Maier im Testspiel gegen Eintracht Frankfurt.

Ich habe einen guten Blick von weit oben gehabt. Es sah so aus, dass er in dem Moment von der Muskulatur nicht richtig angespannt war. Das hat mich erinnert an die ein oder andere Verletzung, die ich mir früher auch mal zugezogen habe - diese leidige Innenband-Geschichte. Der Schock war bei dem Jungen am Anfang groß. In der Kabine sah es dann schon wieder besser aus. Wir sind also positiver als in dem Moment, in dem es passiert ist. Wir machen zuhause die Diagnostik und hoffen, dass das nicht gravierend ist. Arne kommt aus einer langen Leidenszeit und war jetzt wieder auf dem Weg zurück in die Verfassung, in der wir ihn haben wollen. Das wäre ein großer Rückschlag.

Wir schauen auf dem Markt, ob wir noch etwas umsetzen können. Aber das muss zu unserem Anforderungsprofil, logischerweise zu den Ambitionen - aber auch zu unserem Geldbeutel passen.

Michael Preetz

... die Wichtigkeit von Verstärkungen im zentralen Mittelfeld nach den Ausleihen von Löwen (fix) und Duda (wahrscheinlich) sowie der Verletzung von Arne Maier.

Wir müssen schauen, was bei Arne rauskommt. Ob er nur kurzfristig ausfällt oder länger fehlt. Ich glaube, dass wir - so wie der Kader aktuell auch im zentralen Mittelfeld aussieht - durchaus starten könnten, weil wir die Spieler schon haben und alle Positionen doppelt besetzt sind. Wir sind immer noch in der ersten Woche der Transferperiode. Wir schauen auf dem Markt, ob wir noch etwas umsetzen können. Aber das muss zu unserem Anforderungsprofil, logischerweise zu den Ambitionen - aber auch zu unserem Geldbeutel passen.

... mögliche Wechselgedanken von Niklas Stark, der zuletzt wenig zum Einsatz kam und um seine EM-Chance bangt.

Wir haben vier Innenverteidiger. Das ist eigentlich die planerische Größe, mit der man grundsätzlich in eine Saison gehen könnte. Für Niklas ist insbesondere in den vergangenen Wochen eine Situation entstanden, bei der er nicht in der Startelf stand - und die, die gespielt haben, mit der gesamten Mannschaft Punkte geholt und vor allem zu Null gespielt haben. Das fordert jetzt momentan ein bisschen Geduld. Aber ich glaube, wir alle wissen, dass noch nie eine von Journalisten und auch Verantwortlichen am Beginn geplante Startelf tatsächlich eine ganze Saison spielt. Es hat sich vor allem in den vergangenen drei, vier Wochen des alten Jahres eine Formation herauskristallisiert. Die ist sicherlich mit Blick auf den Auftakt in der Pole Position. Aber die Jungs dahinter sind eng dran. Dazu gehört Niklas genauso wie Jordan (Anm. d. Red.: Torunarigha) auf der anderen Innenverteidiger-Position und einige andere auch. Wir brauchen schon die Qualität und Tiefe im Kader.

... die Stadionfrage - und Optimismus, dass es 2020 vorangeht.

Das ist ja kein Körnchen, sondern mehr schon ein Steinchen, das ein bisschen auf das Gemüt drückt. 2020 sind wir auf der Zeitschiene in einem Jahr, in dem wir die Erwartung haben, dass sich entscheidend etwas verändern muss. Wir haben den Eindruck, dass ein paar Dinge in Bewegung gekommen sind - vielleicht auch dadurch, dass wir eine neue Situation haben. Diese wird schon sehr aufmerksam registriert. Wir hoffen sehr darauf, im Laufe diesen Jahres in der für uns als Verein so zentralen Frage einen Durchbruch zu bekommen.

Es handelt sich um eine Wiedergabe einzelner Aussagen aus der Presserunde. Sie wurden redigiert und gekürzt.

Sendung: Inforadio, 10.01.2019, 06:15 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Für mich ist tatsächlich das wichtigste die stadionfrage und zwar nicht nur als Besucher, sondern vor allem als Punkte und Finanzen Garant.
    Hoffe dass der Senat das nun endlich auch mal so sieht und hier den Weg frei macht.
    Könnte Berlin auch international unheimlich nach vorne bringen.

  2. 2.

    Warum, begründen Sie!? Alternativen?
    Es ist mit Preetz wie mit der SPD: Ganz schnell für alles schuldig. Ist so ein Reflex geworden bei den Menschen.
    Nachdenken und reflektieren wäre angesagt.

  3. 1.

    Solange der Geschäftsführer Sport M. P. noch da ist wird es leider bei Hertha nichts werden. Siehe auch dieses Interview.

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