Manager Oliver Ruhnert im Union-Trainingslager. / Matthias Koch
Bild: Matthias Koch

Interview | Union-Manager Oliver Ruhnert - "Müssen nicht in zwei Wochen jeden Vertrag verlängern"

Er ist der Mann für den Kader bei Union Berlin. Und Oliver Ruhnert - offizieller Jobtitel: Geschäftsführer Profifußball - hat einiges zu tun. Im Trainingslager der Köpenicker sprach er über auslaufende Verträge, mögliche Neuzugänge - und Sebastian Andersson.

Wer Urs Fischer, Trainer von Union Berlin, nach Verträgen und Transfers fragt, bekommt in aller Regel nur eine Reaktion: ein leichtes Kopfschütteln und den Satz "Da müssen Sie Oliver fragen!"  Und eben dieser Oliver Ruhnert reiste am Mittwoch ins Trainingslager der Köpenicker ins spanische Campoamor. Dort sprach der Geschäftsführer Profifußball mit den mitgereisten Journalisten über ...

... die vielen Verträge, die auslaufen (laut transfermarkt.de sind es 15).

Auslaufende Verträge haben auch Vorteile. Sie bieten immer auch die Möglichkeit, dass man am Kader arbeiten kann. Es ist ja nicht immer nur so, dass man alle auslaufenden Verträge auch unbedingt bedienen will. Richtig ist aber, dass wir uns schon Gedanken machen, wie wir die Saison 2020/21 anzugehen haben. Für den Verein ist die Situation auch deshalb nicht schlecht, weil sie bedeutet, dass der eine oder andere Spieler sich in der Rückrunde auch sicherlich nochmal zeigen muss.

... mögliche Transfers in der Winterpause.

Wenn es eine sinnvolle Ergänzung oder Verstärkung gibt, werden wir das tun. Wenn wir aber der Auffassung sind, dass die Spieler, die auf dem Markt zur Verfügung stehen, uns nicht kurzfristig besser machen und dabei helfen, die Bundesliga zu halten, setzen wir auf das, was wir haben.

... die Unverkäuflichkeit gewisser Spieler - etwa von Sebastian Andersson.

Unverkäuflich ist überhaupt kein Spieler. Im Fußball ist immer alles auch eine Frage von Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit. Es gibt viele Spieler und es gibt viele gute Spieler und es gibt auch viele interessante Spieler. Wie gesagt: So wie es für jeden Spieler legitim ist, sich umzuschauen, was sein möglicherweise nächster Schritt ist, ist es doch auch unsere Aufgabe, darauf vorbereitet zu sein, dass uns Spieler eben mal verlassen.

Wir haben nicht das Ziel, jeden Vertrag unbedingt in den nächsten zwei Wochen zu verlängern.

Oliver Ruhnert

... den großen Kader und mögliche Abgänge oder Ausleihen von Spielern, die nicht so zum Zug kommen.

Ich weiß gar nicht, ob unser Kader in diesem Jahr mit den neuen Herausforderungen und angesichts der Klasse, die in der Liga vorhanden ist, wirklich so viel zu groß ist. Man muss immer sehen: Jetzt fällt zum Beispiel Mees aus (Anm. d. Red.: Er zog sich im Trainingslager eine Oberschenkelverletzung zu.). Natürlich muss man sich damit beschäftigen, wenn Spieler in dieser Mannschaft am Ende der Saison überhaupt keine Rolle spielen oder bis dahin keine Rolle gespielt haben. Aber eigentlich ist es eher so, dass wir über Positionen oder Spieler sprechen, die möglicherweise eine andere Perspektive im Verein einnehmen. Das sind - so würde ich das jetzt mal nennen - Spieler, die Talentplätze belegen und eine gewisse Zeit brauchen. Es ist ja nicht so, dass man feststellen würde, dass wir so viele Spieler im Kader haben, bei denen man sagt: 'Mensch, denen haben wir eine ganz andere Rolle zugetraut!'

... eine Deadline oder einen konkreten Zeitplan bei den Vertragsverhandlungen.

Wir haben nicht das Ziel, jeden Vertrag unbedingt in den nächsten zwei Wochen zu verlängern. Aber wir haben natürlich schon das Ziel, gewisse Spieler zu halten - mit denen auch schon Gespräche geführt worden sind. Da muss man dann halt abwarten. Auch da gibt es irgendwann eine Grenze, bei der wir sagen: 'Okay, wenn wir unsere Verträge oder unsere Angebote ausverhandelt haben, ist irgendwann der Punkt gekommen, wo wir nicht mehr weiterverhandeln werden.' Das haben wir in den vergangenen Jahren immer so getan und stringent getan. Das wissen die Spieler auch.

... die Konkurrenz auf dem Transfermarkt - und eine möglicherweise gestiegene Attraktivität durch die Leistungen in der Bundesliga.

Es ist nach wie vor schwierig, mit anderen Vereinen um Spieler zu konkurrieren, die wir auch haben wollen. Wir haben eine Mannschaft, bei der wir sehr darauf geachtet haben, dass der Kader insgesamt so zusammengestellt ist, dass er homogen ist. Das betrifft auch die Gehaltsstruktur. Man merkt ganz einfach, dass andere Vereine eben schon in Bereichen unterwegs sind, die wir bisher nicht angegangen sind. Wir haben uns schon klar festgelegt, dass wir auch im Winter nicht irgendwo hinterhergehen werden - und dadurch in Bezug auf unsere eigenen Aussagen und diese gegenüber der Mannschaft unglaubwürdig werden. Das war für uns immer das Ziel. Ansonsten sind nun schon Spieler transferiert, die wir auch gut gefunden hätten.

Es handelt sich um eine Wiedergabe einzelner Aussagen aus der Presserunde. Sie wurden redigiert und leicht gekürzt.

Sendung: Inforadio, 09.01.2019, 10:15 Uhr

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