Union-Torhüter Rafal Gikiewicz im Training (Quelle: Matthias Koch)
Bild: Matthias Koch

Interview | Union-Torwart Rafal Gikiewicz - "Jedes Spiel ist wie ein Champions-League-Finale"

Er ist die klare Nummer eins bei Union Berlin - und eine echte Führungsfigur: Rafal Gikiewicz. Im Trainingslager in Alicante spricht er über die Bedingungen in Spanien, seine Hinrundenbilanz - und seinen Vertrag, der im Sommer ausläuft.

Gut 15 Minuten dauert die Presserunde mit Rafal Gikiewicz. Gleich zu Beginn wird erst einmal gelacht. Der 32-Jährige weiß es, zu unterhalten. Im Trainingslager in Spanien spricht er mit den mitgereisten Journalisten über ...

... seine Eindrücke von den Bedingungen im Trainingslager.

Es sind gute Plätze. Große Betten. Wir haben Bälle. Mehr brauchen wir nicht. (lacht)  In sieben Tagen Trainingslager ist für die Spieler der Platz ein ganz wichtiger Punkt. Der ist überragend. Alles andere ist zweitrangig.

... seine Bilanz in der Hinrunde.

Wir haben fünf oder sechs Punkte zu wenig. Das habe ich nach dem Spiel in Düsseldorf schon in der Kabine gesagt (Anm. d. Red.: Union Berlin verlor in letzter Minute mit 1:2). Das zweite Tor muss ich verhindern. Ich habe den Ball spät gesehen - aber mit meiner Qualität muss ich den trotzdem haben. Insgesamt mussten wir in den ersten paar Spielen in der Hinrunde auch ein bisschen Erfahrung sammeln und lernen. Aber danach haben wir zum Beispiel in Paderborn viel besser gespielt als Paderborn (Anm. d. Red.: Das Spiel endete 1:1). Und mit der letzten Konsequenz und vielleicht ein bisschen mehr Fokussierung vor dem gegnerischen Tor hätten wir ein Tor mehr schießen können - und jetzt noch mehr Luft vor den Abstiegsplätzen. Denn die Rückrunde ist immer schwierig. Ich habe das zwei Jahre in Freiburg erlebt. Da ist der Druck groß.

... die - aus seiner Sicht - verlorenen Punkte.

Ihr kennt Gikiewicz. Mich nervt das. Vor der Runde hatten wir zu 20 Punkten wahrscheinlich gesagt: 'Wow!'. Aber ich will immer mehr. Ich will in der Saison mindestens acht Mal zu Null spielen. Und mit ein bisschen Glück hätte das in Paderborn geklappt. In Düsseldorf bekommen wir auch zwei Treffer. Da hättest du auch mehr machen können. Ich bin nicht so ein Minimalist und bin bei 20 Punkten zufrieden. Es ist in Ordnung. Wir sind Zehnter. Aber wenn man auf die Tabelle schaut, ist es nicht so, dass wir Zeit hätten. Wir brauchen nur ein, zwei Spiele verlieren. Das ist alles eng.

... den schwierigen Auftakt in die Rückrunde - unter anderem mit Spielen in Leipzig und Dortmund.

Puuh, ja. Ich bin sicher, Urs Fischer macht einen guten Plan - und wir analysieren jeden Gegner sehr gut. Wir wissen auch, dass wir in der Defensive und bei Standardsituationen stark sind.

Jedes Spiel ist wie ein Champions-League-Finale. Ich bin so glücklich wie ein kleines Kind, das einen Lollipop bekommt.

Rafal Gikiewicz

... eine möglicherweise größere Bodenhaftung nach nur einem Punkt aus den vergangenen drei Spielen.

Wenn wir sechs oder sieben Punkte holen, bleiben wir auch auf dem Boden - und haben zehn oder elf Punkte mehr als Düsseldorf (Anm. d. Red.: Aktuell sind es fünf). Wir sind Union Berlin. Wir bleiben immer auf dem Boden. Jeder weiß, welches Budget wir haben, welche Spieler wir haben.

... die große Freude, in der Bundesliga dabei zu sein.

Ich kann morgen direkt nach Leipzig fliegen. Ich habe keine Angst. Wir sind zufrieden, dass wir in der Bundesliga sind. Es ist ein großes Stadion mit vielen Zuschauern. Jeder schaut dieses Spiel. Das ist nur Plus, Plus, Plus - kein Minus. Für jeden Spieler, den Trainer und die Zuschauer ist das viel besser. Jedes Spiel ist wie ein Champions-League-Finale. Ich bin so glücklich wie ein kleines Kind, das einen Lollipop bekommt. Das ist top. Wir spielen in Leipzig, gegen Augsburg und dann in Dortmund. Das ist ein Duell vor 80.000 Zuschauern. Was willst du mehr?

... bislang nur einen Auswärtssieg in dieser Saison.

Das ist das Gleiche wie schon in der zweiten Liga. Da haben wir auch zuhause viele Punkte geholt - und auswärts ist immer ein Problem. Aber vielleicht machen wir es in der Rückrunde besser.

... seinen Vertrag, der am Ende der Saison ausläuft.

Ich bin ganz cool. Ich konzentriere mich jetzt auf die Alicante-Zeit, die sieben Tage hier. Ich habe schon gesagt: Für mich ist Union wichtig - und wir müssen in der Liga bleiben. Alles andere ist egal. Es ist noch viel Zeit. Ich bin zufrieden in Berlin.

... einen Kaffee mit Manager und Kader-Planer Oliver Ruhnert, der Mitte der Woche ins Trainingslager reist.

Ich trinke keinen Kaffee. Aber ich kann mich mit ihm treffen. Sicher tun wir das. Aber wie gesagt: Wir haben noch Zeit. Es ist nicht nur mein Vertrag, der nach der Saison endet. Es sind glaube ich zehn Spieler oder noch mehr, bei denen das so ist.

... die große Chance, sich in Spielen wie in Leipzig und Dortmund besonders auszuzeichnen.

Für mich ist das egal. Wir müssen Punkte holen. Ich kann zwei Fehler machen - und wir schießen vorne drei Tore. Dann bin ich selbst trotzdem zufrieden. Ich will keine Gikiewicz-Werbung machen. Wir spielen Elf gegen Elf.

... die Gedanken, die er sich über das Geld macht, wenn er mit 32 Jahren noch zwei, drei große Verträge unterschreiben kann.

Geld ist wichtig, klar. Aber ich habe in Freiburg mehr verdient als in Berlin - und trotzdem bin ich zu Union gekommen und habe erstmal zweite Liga gespielt. Du musst alle Seiten sehen. Ich habe zwei Kinder. Ich schaue nicht nur nach meiner eigenen Nase und dem Geld. Also ich bin nicht jeden Tag im Online-Banking und bin deshalb zufrieden oder unzufrieden. Es geht um die Familie, um die Rolle, die ich als Torwart spiele - und dann um den Vertrag und das Geld.

... einen möglichen Verbleib auch in der zweiten Liga.

Bis jetzt bin ich sicher, dass wir drin bleiben. Wir haben die Qualität. Wir müssen auch mental in der Liga bleiben - und nicht über die zweite Liga reden. Nein, wir haben keine Angst. Wir haben Respekt vor jedem Gegner, aber unser Ziel ist es, die Liga zu halten. Und fertig.

... über spaßige Momente im Trainingslager.

Wir brauchen gute Stimmung. Ich habe guten Kontakt mit den Jungs. Du bist im Trainingslager und musst auch ein bisschen lachen. Und ich liebe es zu lachen.

Sendung: Inforadio, 06.01.2020, 8:15 Uhr

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