Union-Stürmer Sebastian Polter im Trainingslager. / Matthias Koch
Audio: Inforadio | 09.01.2020 | Simon Wenzel | Bild: Matthias Koch

Union-Stürmer Sebastian Polter im Gespräch - Unzufrieden mit der Jokerrolle und noch ohne Vertragsangebot

Sebastian Polter ist mit seiner Rolle als Joker bei Union unzufrieden. Sein Vertrag läuft im Sommer aus - ein neues Angebot hat er noch nicht. Nun sprach er über seine Rückrundenziele, einen möglichen Wechsel - und wie schwer ihm der Abschied fallen würde.

Gerade einmal 263 von 1.530 möglichen Minuten hat Union-Stürmer Sebastian Polter in der Hinrunde gespielt. Er ist Joker beim Bundesliga-Aufsteiger - eine Rolle, die ihm nicht gefällt. Bislang wartet er auch noch vergeblich auf ein neues Vertragsangebot des Vereins. Da ist auch ein Wechsel ein Thema. In einer Gesprächsrunde mit den mitgereisten Journalisten im Trainingslager in Campoamor sprach der 28-Jährige über ... 

... seine Jokerrolle.

Das war mir in der Hinrunde zu wenig. Ich möchte am liebsten jedes Spiel von Beginn an rein und meine Tore schießen. Das habe ich immer gemacht, wenn ich gespielt habe. Das ist Fakt. Man kann belegen, dass ich bei Union eine sehr, sehr gute Quote habe - und die will ich behalten. Als Joker würde ich mich nicht sehen. Da möchte ich auch gar nicht in irgendeine Rolle hineinwachsen. Ich bin nicht 34 oder 36 und kann sagen: 'Ich bin jetzt Claudio Pizarro und gehe nur noch zehn Minuten aufs Feld, um Gefahr auszustrahlen.'

... einen möglichen neuen Vertrag bei Union - trotz Verzicht auf Einsatzzeit.

Ich werde sicherlich nicht unterschreiben, wenn ich gesagt bekomme, dass ich keine Minute spielen werde. Ich will nicht auf Einsatzzeiten verzichten. Eher im Gegenteil. Ich möchte mehr spielen - viel mehr als in der Hinrunde. Ich glaube auch, dass ich die Qualität für mehr Einsatzzeiten habe. Dafür trainiere ich hart. Egal, ob es jetzt die 17 Spiele in der Rückrunde sind oder mit Pokal vielleicht noch ein paar mehr, möchte ich sie genießen und alles für den Verein tun. Ich habe mal in einem Interview gesagt, dass ich mich für Union zerreißen werde und das ist nach wie vor so. Was dann am Ende dabei rauskommt - ob es ein Vertrag wird oder nicht - das entscheiden immer Leute zusammen. Es gehören zwei, drei Parteien dazu und nicht nur ich.

... einen möglichen Wechsel noch im Winter.

Wenn mir ein Verein etwas anbietet, von dem ich überzeugt bin, das kann auch für die Zukunft etwas werden - daran muss ich ja auch denken -, muss man das natürlich besprechen. Man muss das Hier und Jetzt sehen. Und da ist es so, dass ich bisher noch keinen Vertrag von Union vorgelegt bekommen habe. Das heißt aber nicht, dass ich dann am 31. sage: 'Paris, Athen, auf Wiedersehen!' Das kann auch für den Sommer sein. Damit kann ich mich ja auch schon beschäftigen. Das sind aber alles Berater-Sachen und nicht meine.

... Angebotsmodalitäten eines anderen Klubs, denen er zustimmen würde.

In erster Linie müsste überhaupt ein Angebot kommen. Das ist bis jetzt nicht passiert. So wie während der ganzen Karriere hat man seine Pro-und-Contra-Liste, die man macht: Was spricht dafür, was dagegen? Aber damit beschäftige ich mich nicht, weil ich einfach bei Union bin mit meinem Kopf - und auch sein möchte. Klar hatte ich einen schweren Stand im vergangenen Jahr. Ich habe in der Relegation nicht gespielt. Ich habe in der Hinrunde wenig gespielt. Nichtsdestotrotz ist es jetzt mein Ziel, in den verbleibenden 17 Spielen plus x so viele Einsatzminuten zu haben wie möglich und dem Verein damit zu helfen. Das ist jetzt in meinem Kopf und nicht irgendwelche Angebote, die eventuell kommen könnten. Das ist die Aufgabe des Beraters. Er wird sich darum kümmern und das sondieren. Damit habe ich Gott sei dank nichts zu tun.

... den Wunsch, weiter in der Bundesliga zu spielen.

Natürlich will ich in der Bundesliga bleiben, wenn es geht. Das ist das, wofür man hart gearbeitet hat. Ich hatte den Traum, in England in die höchste Spielklasse zu kommen. Den habe ich aus diversen Gründen revidiert und bin dann in dem Glauben wiedergekommen, mit Union in die erste Liga zu gehen. Von daher will ich hier bleiben und in der Bundesliga bleiben. Ich möchte dieses Feeling Woche für Woche spüren und ein wichtiger Teil der Mannschaft sein. Ich möchte nicht in die Saison gehen und wissen: 'Du bist jetzt ein Backup - und wenn du gebraucht wirst, dann gehst du rein!' Nein, soweit bin ich noch nicht. Ich bin 28. Ich möchte spielen und auch in der Bundesliga spielen. Ich will ihr so lange wie möglich erhalten bleiben und noch viele Tore schießen. 

Ich habe hier dreieinhalb Jahre unterschrieben in dem Glauben, vieles zu erreichen, mit dem Verein Geschichte zu schreiben und in die Bundesliga aufzusteigen. Wir haben das geschafft und ich glaube auch, dass ich meinen großen Anteil dazu beigetragen habe, dass wir das geschafft haben.

Sebastian Polter

... einen möglichen Abschied - und wie schwer er ihm fallen würde.

Sehr schwer. Ich habe hier dreieinhalb Jahre unterschrieben in dem Glauben, vieles zu erreichen, mit dem Verein Geschichte zu schreiben und in die Bundesliga aufzusteigen. Wir haben das geschafft und ich glaube auch, dass ich meinen großen Anteil dazu beigetragen habe, dass wir das geschafft haben. Von daher würde es mir sehr, sehr schwer fallen. Ich hatte mit Union meine längste Profi-Zeit. Ich war zwar auch sehr lange in Wolfsburg, aber nicht im Profi-Dasein. Ich genieße es einfach jeden Tag mit allen Mitarbeitern und Mitspielern, die ich bis jetzt hier bei Union gehabt habe. Da würde mir ein Abschied schon nahe gehen. Definitiv.

Sendung: Inforadio, 08.01.2019, 17:15 Uhr

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