Laura Klement - Beauftragte für Vielfalt und Toleranz
Bild: imago images / Matthias Koch

Interview | Toleranz-Beauftragte bei Energie Cottbus - "Na klar, man muss mit Gegenwind rechnen"

Laura Klement ist seit Beginn des Jahres Beauftragte für Vielfalt und Toleranz beim FC Energie Cottbus. Im Interview blickt die 28-jährige Lausitzerin auf ihre zukünftigen Herausforderungen und Aufgaben.

rbb|24: Frau Klement, die meisten werden Sie noch gar nicht kennen. Welche Berührungspunkte haben Sie denn bisher mit der Stadt, dem Verein und dem Fußball gehabt?

Laura Klement: Ich bin gebürtige Cottbuserin und lebe schon mein ganzes Leben lang hier. 
Seit 1998 bin ich leidenschaftlicher Energie-Fan und besitze eine Dauerkarte. Nur während meines Bachelor-Studiums habe ich drei Jahre lang in Erfurt gewohnt. Den nahen Studienort in Thüringen habe ich mir extra deshalb ausgesucht, damit ich alle 14 Tage zu den Heimspielen nach Cottbus kommen konnte. Ich war schon immer von den Fans und von dieser Stimmung begeistert. Das hat mich als Kind total mitgerissen, und ich bin da hängengeblieben. Von daher war es für mich die richtige Entscheidung, bei Energie anzufangen.

Sie hatten ja sicherlich auch ein Vorstellungsgespräch – was ist da besprochen worden und was erwartet der Verein jetzt eigentlich von Ihnen?

Das können Sie ja die Geschäftsstelle oder den Präsidenten fragen (lacht). Ne, ich kann nur sagen, schon die Gespräche waren sehr, sehr schön. Ich habe mich sofort wohlgefühlt, alle Mitarbeiter haben mich sehr gut aufgenommen. Jeder hat ein offenes Ohr für mich und wir wollen das hier zusammen angehen.

Angehen ist ein gutes Stichwort. Wie schätzen Sie denn derzeit die Situation in der Stadt und in der Fankurve ein und was sind die größten Probleme?

Dazu kann ich aktuell noch nicht so viel sagen. Es ist ja einfach mal auch relativ ruhig. Der Fokus wird jetzt auf das Sportliche gelegt – ganz klar. Während meiner Tätigkeiten beim Cottbuser Jugendamt habe ich aber mitbekommen, dass diese Rekrutierung im Stadion der Freundschaft schon ein Problem darstellt.

Es gab ja auch schon Berichte vom Verfassungsschutz, aus denen hervorging, dass die Energie-Fanszene durchaus von rechten Gruppen dominiert wird. Ist das auch eine Erkenntnis, die Sie haben?

Es gibt Menschen in Cottbus, die einen großen Einfluss und Macht haben und sich auch im Fanumfeld des FC Energie tummeln, ja.

Und das wollen Sie ändern? Wie wollen Sie das machen?

Naja, was heißt ändern. Man muss ganz klar sagen, dass der Verein in den letzten Jahren auch schon viel unternommen hat. In der Geschäftsstelle sind 16, 17 Mitarbeiter beschäftigt. Der Fokus eines Fußballvereins liegt einfach mal beim Fußball. Ich habe jetzt in den letzten Tagen mitbekommen, wie die Mitarbeiter da teilweise auch zwei- und dreigleisig fahren und mehrere Aufgaben haben. Jetzt kann mit einem Hauptamt wirklich aktiv dagegen vorgegangen werden. Wir erstellen gerade einen Maßnahmenkatalog mit Lösungsvorschlägen und Ideen. Im Dezember bin ich bereits zu einem Austausch zum BVB nach Dortmund mitgereist, das hat uns schon viel gebracht. Gleichzeitig stehe ich auch schon mit dem Anti-Rassismus-Beauftragten vom Chemnitzer FC, Daniel Maaß, in Kontakt. Ich hoffe auf ein starkes Netzwerk, um Aktionsbündnisse zu starten und den Fußball-Osten dahingehend zu stärken.

Haben Sie in den ersten zwei Wochen Ihres Amtes mal mitbekommen, dass es vielleicht den einen oder anderen gibt, der gar nicht so amüsiert darüber ist, dass Sie die Stelle für Vielfalt und Toleranz tatsächlich ausfüllen?

Ich persönlich jetzt noch nicht. Aber, na klar - man muss mit Gegenwind rechnen. Es gibt halt Leute, die anderer Meinung sind. Das ist so an sich auch in Ordnung, wir haben ja eine Meinungsfreiheit. Angst habe ich jetzt aber nicht - ich wurde auch noch nicht angegriffen oder irgendwie angeschrieben. Ich bin ein Fan von transparenter und offener Arbeit. Viel geht halt einfach über Kommunikation und ich erhoffe mir, dass man über gewisse Problematiken sprechen kann - auch mit mir.

Frau Klement, viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Vielen Dank.

Sendung: Inforadio, 16.01.2019

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Bei jedem Auswärtsspiel meines Vereins. Ich wüsste aber nicht, dass ich dort mit irgendwelchem Volk Brüderschaft getrunken hätte.

  2. 14.

    Naja. Vielleicht erklären Sie zunächst, welche völlig normalen sportlichen und menschlichen Werte Sie für "links" halten, die nur für "linke Kreise" gelten, oder von ihnen vertreten werden.
    Und die von dem zweifellos sein Unwesen treibendem Nazigelichter für Werte "linker Kreise" ausgegeben werden.
    Dann können wir uns sicher drüber unterhalten, weshalb die neue Beauftragte im Interview etwas unbedarft wirkt.
    Schaut man sich zweifellos lange Geschichte von Nazigelichter an, dass sich als Fans von Energie Cottbus ausgibt.

  3. 13.

    Lese ich da eventuell eine gewisse Enttäuschung Linker Kreise über das Statement der neuen Beauftragten? Wenn ja, worin genau läge die Kritik?

  4. 12.

    Darf ich fragen, wie oft Du bereits im Stadion der Freundschaft warst, um Dir diese Meinung zu bilden?

  5. 11.

    Was ist dieses Cottbus überhaupt?
    Und warum sind diese Leute nur alle rechtsaußen?
    Wie Ignorant kann mancher Kommentator hier eigentlich sein, ohne das rassistische Grundproblem dieses Vereins und seiner Fans zu sehen?

  6. 10.

    Alles klar, jeder darf seine Meinung haben, auch Neonazis. Das ist wohl OK. Wer hätte auch gedacht dass kotzbus etwas ändern will

  7. 9.

    Wozu sollte bei Energie Cottbus denn Projekte gegen Links geben ? Mal ganz im Ernst, die Linken sind hier bei Energie eher etwas für den Artenschutz.

  8. 8.

    Energie ist ein geiler Verein der trotz Abstieg immer auf seine wahren Fans vertrauen kann, denn Liebe kennt keine Liga und man darf nicht vergessen wir haben schon mal 6 Jahre 1 Liga gespielt. Da träumen viele Vereine davon und was der Verein für viele bedeutet zeigt sich daran was für Aktionen gestartet wurde um den Verein zu helfen.Das sind wahre Fans.

  9. 7.

    Für mich klingen diese Projekte wie für den " betreuten " Stadionbesucher geeignet. Gibt es denn auch Projekte gegen Links und was ist FC Cottbus?Aufklärung wäre schön.

  10. 5.

    Liebe Frau Klement,
    es existieren bereits so um die 20 Jahre Fanprojekte gegen Rechts. So sehr wie es hier klingt müssen Sie also nicht von vorne anfangen. Das wäre vielleicht schon mal eine gute Positionierung gegenüber Ihrem Arbeitgeber. Falls der es Ernst meint, sind die ja mit ihrem Netzwerk, ihrer jahrzehntelanger Erfahrung und Praxis die eigentlichen Verbündeten.
    https://www.kos-fanprojekte.de/index.php?id=ueber-die-kos
    Die freuen sich bestimmt, melden Sie sich einmal bei ihnen. Das sind nämlich alles echte Fussballfans, die viel Spass beim Fussball haben(wollen) Was man ja von dem rechten und rasisstischen Gelichter nicht sagen kann.
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Viel Budget. Und lassen Sie sich nicht bloss als Deckmäntelchen missbrauchen.

  11. 4.

    Falls Sie sich Sorgen um die Finanzierung des "Beauftragten für Toleranz und Vielfalt" beim FC Cottbus machen, den bezahlt der FC Cottbus nicht, das macht das Land Brandenburg und die Flick-Stiftung. Der Vorgänger - Beauftragte hat die Stelle dann doch nicht annehmen wollen. Da kann man Frau Klement als neuer Beauftragten alles Gute wünschen.

  12. 3.

    Das ist doch sehr ernüchternd, wenn der Hintergrund dieser Stelle der manifeste und virulente Rechtsextremismus in und um Teile/n des Vereins der Anlass für selbige Stelle war und die erste Aussage betont, dass es in erster Linie um Fußball gehen solle. Eben jene, ihre Einstellung und die Schaffung der Stelle an sich ablehnenden, Rechtsextremist*innen als Träger*innen legitimer Haltungen, weil Meinungen, anzuerkennen, ist ein Schlag ins Gesicht der antifaschistischen Szene in und um Cottbus. Es bleibt zu beobachten, zu welchen Handlungen klarer Haltung gegen Rechts und zu welcher bildungspolitischen Arbeit und Vernetzung es durch diese Stelle kommen wird. Dennoch ist der erste Eindruck ausdrücklich schlecht. Das dürfte ganz im Sinne der Vereinsführung sein, die jahrzehntelang Rechtsextremist*innen hofiert und chauffiert hat. Nun hat man eine Alibi-Stelle zur Selbstentlastung. Menschrechtsbasierte Soziale Arbeit - Fehlanzeige.

  13. 1.

    Der Fokus eines Fußballvereins liegt auf dem Fußball. Der von Parteien auf politischer Arbeit.

    Wir wäre es, wenn die CDU eine Beauftragte für Fußball ernennt? Das wäre zumindest innovativ.

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