Urs Fischer
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Union startet in die Rückrunde - Mutprobe Leipzig

Déjà-vu? Nein danke. In der Hinrunde musste Union eine 0:4-Klatsche gegen RB Leipzig hinnehmen. Den Rückrundenauftakt gehen die Eisernen gereifter an. Trainer Urs Fischer will vor allem eines sehen: eine ordentliche Portion Mut. Von Stephanie Baczyk

Zugegeben, der Mann der großen Emotionen ist Urs Fischer nicht. Aber es gab diesen Augenblick, gleich zu Beginn der Pressekonferenz vor dem Spiel bei RB Leipzig, als der Trainer des 1. FC Union kurz, fast schelmisch grinste. "Ja, Leipzig", sagte Fischer und rieb sich die Hände. "Die beste Mannschaft der Vorrunde." Es klang weniger nach einer Feststellung, als nach ehrlicher Vorfreude darüber, dass es wieder losgeht mit dem Ligaalltag - gegen einen Gegner, der in dieser Saison einer der schärfsten Meisterschaftsanwärter ist.

Von Leipzig bis Leipzig

"Wird 'ne ganz schwierige Aufgabe", schob der Unions-Coach gleich hinterher, und verwies auf die drei Tore, die RB im Schnitt pro Spiel in der Hinrunde erzielt hat und die wenigen Gegentore, die der Herbstmeister aus Sachsen bislang gefangen hat. "Es braucht einen Top-Auftritt und optimalen Tag für uns", so Fischer. "Und Leipzig muss das ein oder andere misslingen." Was im Hinspiel eher nicht der Fall war.

Die Premieren-Partie in der Fußball-Bundesliga verlor Union Mitte August zu Hause deutlich und in der Höhe verdient mit 0:4. RB war zu schnell, technisch zu stark - die Köpenicker dagegen zu anfällig. Für Kapitän Christopher Trimmel bis heute eine Lehrstunde par excellence: "Ich glaube, dass es nicht so schlecht war, dass du gleich zu Beginn mal deine Grenzen aufgezeigt bekommen hast", ist der Rechtsverteidiger überzeugt. Und die Entwicklung des 1. FC Union gibt ihm Recht.

Detailarbeit im Trainingslager

20 Hinrunden-Punkte als Aufsteiger inklusive starker Siege an der Alten Försterei zeugen von gutem Teamwork und einer klaren Linie von der (Seiten-)Linie. "Die Entwicklung ist sehr gut", befindet auch Mittelfeldspieler Christian Gentner. "Aber sie darf nicht am Ende sein. Die Rückrunde wird schwieriger, als es die Hinrunde für uns war." Stand während der ersten 17 Spiele stets die Frage im Raum, ob Union in der Bundesliga angekommen sei, geht es ab sofort um die nächste Phase: Alle kennen die Köpenicker - was also machen die Köpenicker?

"Wir wollen natürlich etwas variabler werden", sagt Trimmel, auch mit Blick auf die Zeit im Trainingslager. "In der Bundesliga geht's halt um Kleinigkeiten. Wenn du ein bisschen effizienter werden möchtest, musst du hartnäckig im Training sein und jede hundertprozentige Chance dann mal reinmachen. Hinten ist es genau so: Wenn du mal einen Schritt zu passiv attackierst, kann es schon mal sein, dass du dir ein Tor fängst."

Mut ja, Übermut nein

Was die Nuancen betrifft, so Trimmel mit einem Schmunzeln, sei "das Trainerteam uns zwar ein bisschen auf die Nerven gegangen damit, aber das ist auch normal." Alles für den Klassenerhalt. Für das Spiel bei RB Leipzig braucht es allerdings noch eine andere Komponente: Mut. "Sonst hast du gegen solche Mannschaften keine Chance", stellt der Österreicher klar. "Die sind dann einfach zu gut, bespielen dich dann und du bist immer den Schritt zu spät dran. Aber man darf es nicht verwechseln mit Übermut."

"Es wird Phasen im Spiel geben, da werden wir uns schwer tun. Da wird Leipzig Druck aufbauen", prophezeit auch Kollege Christian Gentner. "Da gilt's den Fokus zu behalten, mutig zu bleiben und gegen den Ball zu arbeiten. Und sich in den Eins-gegen-Eins-Situationen zu trauen, nach vorne zu spielen." RB hat einen qualitativ starken Kader, gespickt mit Nationalspielern. Dazu hat das Team von Trainer Julian Nagelsmann des Öfteren unter Beweis gestellt, flexibel auf die taktische Ausrichtung des jeweiligen Gegners reagieren zu können.

Schweigegelübde und volle Kurve

Es ist keine leichte erste Pflichtspielaufgabe im neuen Jahr, aber er "gehe davon aus, dass wir bereit sind", so Unions-Coach Fischer. "Und es ist kein Spiel einfach, das hat man auch in der Vorrunde gesehen." In Leipzig defintiv nicht dabei sein werden laut Fischer Manuel Schmiedebach, Akaki Gogia, Joshua Mees, Suleiman Abdullahi und Laurenz Dehl. "Und dann haben wir noch den einen oder anderen gesundheitlich Angeschlagenen."

Dafür reisen 7.000 bis 8.000 Fans des 1. FC Union mit nach Sachsen. Geplant sind zudem ein Trauermarsch zum Stadion und, wie auch schon im Hinspiel, ein 15-minütiger Schweige-Protest der Gästekurve gegen das Geschäftsmodell Rasen-Ballsport. "Die Fans haben sich dazu entschieden. Punkt", so Fischer. "Für mich ist entscheidend, dass die Mannschaft von der ersten Sekunde an bereit für die Aufgabe ist." Und mutig.

Sendung: Inforadio, 16.01.2020, 11:15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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8 Kommentare

  1. 8.

    Sehr überheblich. Aber jeder eben so wie er kann. Ich wünsche Union viel Glück und freue mich über den Start der Rückrunde. Leipzig wird das Ding aber rocken diese Saison.

  2. 6.

    Na dann hätten Sie jetzt schweigen müssen, hahaha. Ich finde RBL auch gut. Die spielen einfach tollen Fußball.

  3. 5.

    Keine Angst, ich lasse den "Fans" dieses besonderen "Vereins" ihren Spaß!!!
    Sie sind wirklich nicht zu beneiden, denn sie werden nie in den Genuss kommen, für ihr künstliches Konstrukt zu leiden, Blut zu spenden und den Erlös dem eigenen finanziell gebeutelten Verein zu spenden, am eigenen Stadion mitzubauen, für den Erhalt von 50+1 zu demonstrieren, auf die 1. Halbzeit eines Auswärtsspiels zu verzichten und den Betrag der eingesparten Tickets dem klammen Verein zukommen zu lassen (damals gegen TeBe), ein Vereinsleben zu haben (Drachenbootcup, Unionliga, Weihnachtssingen, Fahrten für Unioner mit Handicap, Exilertreffen...) und mit knapp 35.000 Mitgliedern die Möglichkeit der Mitbestimmung im Verein!!! Das ist mehr wert, als nur sportlichen Erfolg zu haben!!
    Wer nur Fussball konsumieren möchte, ist beim Betriebssportverein Makranstädt gut aufgehoben...aber wehe der "liebe" Gründer hat irgendwann kein Interesse mehr an seinem Spielzeug...

  4. 3.

    Reden ist Silver...

  5. 2.

    Red Bull verkörpert die Moderne. Wir leben in einer globalen Welt und Kiezdenken ist out. Wenigstens könnten die Fans anderen Systemen Toleranz entgegenbringen, zumal der Erfolg Red Bull Recht gibt. Neid dürfte wohl eher bei anderen Vereinen eine Rolle spielen.

  6. 1.

    Ich empfinde diesen Aufzug der Fans ggü Leipzig arrogant. Dies beweist, dass Unions Fans null Ahnung vom Profifußball haben. Bleibt Spießer und in eurer „Kleingartenmenthalität“ verhaftet, wenn’s Freude macht. Aber lasst den Fans von RB den Spaß am Erfolg.

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