Union-Trainer Urs Fischer - im Hintergrund Präsident Dirk Zingler. / imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 25.01.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Matthias Koch

Union vor dem Duell gegen Augsburg - Mit Mut ins erste Schlüsselspiel

So richtig rund lief es bei Union Berlin zuletzt nicht mehr. Drei Mal in Folge verloren sie in der Bundesliga und sind den Abstiegsplätzen ganz nahe. Das Spiel gegen Augsburg ist da ein ganz entscheidendes - und die Köpenicker sind optimistisch. Von Johannes Mohren

Es ist eng geworden. Sehr eng. Gerade einmal drei Pünktchen beträgt der Vorsprung von Union Berlin noch - auf Werder Bremen und damit den Relegationsplatz. Und so bekommt das Duell gegen Augsburg (Samstag, 15:30 Uhr) durchaus einen Schlüsselspiel-Charakter: "Zu Hause gegen einen direkten Mitkonkurrenten. Das ist eine sehr wichtige Partie für uns. Da wollen wir natürlich drei Punkte hier behalten", sagt Innenverteidiger Marvin Friedrich.

Vier Mal misslang das zuletzt. Die letzten drei Spiele gingen gar verloren. Es ist ein veritabler Negativtrend beim Liga-Neuling. Und dennoch ist von Sorge keine Spur, als sich Urs Fischer am Donnerstagmittag bei der Pressekonferenz den Fragen stellt. "Wir haben gesagt, wir werden um den Klassenerhalt kämpfen. Das ist für uns entscheidend", sagt der Trainer - und: "Wir sind nach wie vor in einer Situation, in der sich das Kämpfen lohnt. Es könnte ja auch anders ausschauen - dass du abgeschlagen bist und keine Chance mehr hast."

Fischer: "Die werden es uns ganz schwer machen!"

Es sind außerdem die Leistungen, die den 53-Jährigen positiv stimmen. So taugt das Spiel in Leipzig als Vorbild. Und das trotz der Niederlage. Denn was Union zeigte, reichte zwar nur, um die Sachsen kurzzeitig zu ärgern. Aber die sind auch nicht ohne Grund Bundesliga-Tabellenführer. Die klare - und durchaus berechtigte - Hoffnung lautet nun: Ein ähnlicher Auftritt gegen Augsburg könnte (deutlich) mehr Ertrag bringen. Und so sagt Fischer: "Wir müssen das Gleiche versuchen wie in Leipzig. Genau diesen Mut und diese Bereitschaft auf den Platz bekommen - und alles geben, um am Ende zu gewinnen."

Die Union-Tugenden sollen es also richten. Die Basics, die für eine starke Hinrunde mit 20 Punkten sorgten. "Es gilt wieder solidarisch aufzutreten. Jeder muss bereit sein, für den anderen zu laufen, zu kämpfen und Fehler zu korrigieren. Diesen Teamgeist auf den Platz zu bringen, zeichnet uns aus und macht uns stark", sagt der Schweizer Coach. Und das gerade dann, wenn mal nicht alles klappt. "Es wird vielleicht Phasen im Spiel geben, in denen es mal nicht so läuft. Trotzdem musst du versuchen, weiter mutig anzulaufen."

Augsburg auf Klettertour

Der Respekt vor Augsburg ist dabei groß. Das Team kletterte zuletzt in der Tabelle und steht aktuell drei Punkte vor Union auf Platz zehn. Fünf der letzten acht Spiele gewann die Mannschaft. Der Trend passt also. Daran ändert auch nichts, dass die Augsburger zum Rückrunden-Auftakt mit 3:5 gegen den BVB verloren - in einem äußerst spektakulären Spiel.

"Sie sind gut drauf. Wenn du 2:0 und 3:1 gegen Dortmund führst, musst du viel richtig machen. Die werden es uns ganz schwer machen. Da bin ich überzeugt", sagt Fischer. Er sieht, wie der Plan seines Schweizer Trainerkollegen Martin Schmidt - seit April 2019 im Amt - zusehends aufgeht. "Je länger du zusammenarbeitest, umso mehr Automatismen hast du. Die sieht man gut", sagt der 53-Jährige. "Die Mannschaft wirkt eingespielt und sehr geschlossen. Sie sind bereit, füreinander einzustehen."

Überraschungsfaktor Yunus Malli?

Sie sind dennoch selbstbewusst in Köpenick. Der starke Gegner hin. Die eigene Sieglos-Serie her. "Wir machen uns nicht verrückt. In der Hinrunde hatten wir auch eine Phase, in der wir ordentlich gespielt, aber keine Punkte geholt haben", sagt Marvin Friedrich. Auch da haben sie sich wieder aufgerichtet - und wollen es nun erneut schaffen. "Wir wissen, dass wir in jedem Spiel hart arbeiten müssen und ich bin mir sicher, dass wir dann auch wieder Punkte holen werden. Am besten wäre es natürlich, wenn wir am Samstag damit anfangen würden." Es würde Druck nehmen. Vor allem auch, weil die Aufgaben danach beim Auswärts-Doppelpack in Dortmund und Bremen keinesfalls einfacher werden.

Es braucht auch ein bisschen Geduld von uns, dass wir nicht zu schnell zu viel erwarten.

Urs Fischer über Neuzugang Yunus Malli

Mit welchem Plan es gelingen soll? Daran tüftelt Urs Fischer. "Wir sollten immer versuchen, zu überraschen. Ohne dabei aber das Gesicht zu verlieren", sagt er. Ein Faktor könnte Neuzugang Yunus Malli sein. Dass der Deutsch-Türke nach seinem Kurzeinsatz in Leipzig von Anfang an aufläuft, scheint möglich. Eine denkbare Variante: Aus der Fünfer- wird in der Abwehr eine Viererkette. Und der 27-Jährige nimmt den zusätzlichen Mittelfeld-Platz ein. Als Zehner - der Position, auf der er seine offensive Kreativität am besten zur Geltung bringen kann. 

Schmidt weiß, was Malli kann

Der Trainer äußert sich freilich noch zurückhaltend: "Er hatte bisher zwei, drei Trainingseinheiten. Vieles ist ungewohnt für ihn - vieles kennt er auch schon", sagt Fischer - und: "Ich glaube schon, dass das auch einer gewissen Zeit bedarf. Es braucht auch ein bisschen Geduld von uns, dass wir nicht zu schnell zu viel erwarten."

Doch sie wissen um seine Qualität. Und auch Gäste-Trainer Martin Schmidt dürfte ein Yunus Malli auf dem Feld durchaus einen gewissen Respekt einflößen. Er war sein Coach in Mainzer Tagen - zu der Zeit, zu der der Spielmacher die wohl beste Phase seiner Karriere erlebte. Der Kontakt ist geblieben. Zum Wechsel zu Union gratulierte Schmidt seinem Ex-Schützling per SMS. Und vielleicht folgt am Samstag gegen 17:20 Uhr ja der zweite Glückwunsch. Dann - leicht zerknirscht - zu drei Punkten.

Sendung: Inforadio, 23.01.2020, 15 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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5 Kommentare

  1. 5.

    Selbsbewustsein ist eine Vorausetzung, um überhaupt erfolgreich Profisport zu betreiben. Das haben die Spieler von Union sowieso. Man muss aber auch z. B. den Mut haben Fehler zu machen und ein gewisses Risiko auf dem Platz einzugehen.

  2. 4.

    Selbstbewusstsein wäre besser als Mut.

  3. 3.

    Natürlich muss man, gerade als Liganeuling, gegen etablierte und gut eingespielte Mannschaften mutig auftreten - und darf sich durch die meist fussballerisch bessere Konkurrenz nicht den Schneid abkaufen lassen, das meint der Trainer.

    Am Samstag heißt es mutig nach vorne spielen. Auf gehts Unioner, schießt ein Tor . . . oder auch zwei oder drei! Kämpfen und Siegen!

  4. 2.

    Ja was denn sonst? Mut und Können!

  5. 1.

    Und wieder muss Mut her? War schon vor dem ersten Spiel der Rückrunde erzählt worden. Sind die Spieler denn so ängstlich, dass man ihnen mantramässig immer Mut zusprechen muss? ;-))))

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