Berlins Robert Kromm zeigt eine zwei
Bild: imago/Marcel Lorenz

Interview | Ex-BR-Volleys-Spieler Robert Kromm - "Berlin etabliert sich mehr und mehr als Volleyball-Stadt"

Robert Kromm beendete 2018 seine Karriere bei den BR Volleys. Im Interview mit rbb|24 spricht er über seinen Alltag als angehender Polizist und Familienvater und verrät, ob er den Berlinern die Titelverteidigung zutraut.

Herr Kromm, wo erreichen wir Sie denn gerade?

Ich bin zu Hause. Wir sind gerade aufgestanden, unser kleiner Sohn ist eineinhalb Jahre alt und hat uns um 6.30 Uhr geweckt. Wir haben gerade Frühstück gegessen.

Sie haben 2018 Ihre Karriere beendet. Bis dahin bestand Ihr Leben zu einem großen Teil aus Volleyball. Wie sieht jetzt ein Tag in Ihrem Leben aus?

Ich bin jetzt bei der Polizei. Ich befinde mich noch in der Ausbildung im mittleren Dienst und habe gerade eine zweiwöchige Praktikumsphase. Jeder Tag ist gerade irgendwie neu und spannend. Ich lerne ganz viele neue Sachen. Im Volleyball-Leben hatte sich natürlich eine Art Alltag entwickelt mit dem Training. Jetzt ist wieder mehr der Kopf gefragt. Ich drücke hauptsächlich die Schulbank und lerne alles Mögliche über Recht und den Staat kombiniert mit Sport. Das macht mir alles mega viel Spaß.

Vermissen Sie etwas aus Ihrem Leben als Sportler?

Eigentlich nicht. Ich erinnere mich gerne an die Zeit, aber ich muss das gerade nicht wieder haben. Ich freue mich gerade darüber, wie jetzt alles ist. Es ist ein spannender Job und deswegen vermisse ich nichts großartig. Ich bin immer noch gerne bei den Spielen und schaue mir das an. Das ist eine schöne andere Perspektive. Und die gefällt mir so gut, dass ich nicht sage: Ich will unbedingt wieder auf dem Feld stehen und die Bälle reinschmettern.

Spielen Sie noch Volleyball?

Momentan habe ich durch die Ausbildung wenig Zeit. Ich muss viel lernen und habe auch noch den Dienstsport. Einmal in der Woche schaffe ich es meistens noch, mit ein paar alten Bekannten eine Runde Beachvolleyball zu spielen.

Da sind Sie sicherlich auch bei der Volleyballmannschaft der Polizei gefragt, oder?

Genau, da wurde ich im letzten Jahr auch direkt eingeladen. Wir sind auch Deutscher Meister geworden. Ricardo Galandi, der damals auch bei den BR Volleys gespielt hat, ist ebenfalls in der Berliner Mannschaft.

Spielt denn Ihr großer Sohn auch schon Volleyball?

Ja, er ist zehn Jahre alt und hat im letzten Jahr angefangen. Er spielt beim TSC, weil das für uns sehr nahe gelegen und somit günstig ist. In dem Alter ist es noch nicht so wichtig, wo sie spielen. Aber er wird dann später mal zu den BR Volleys wechseln. (lacht)

Die BR Volleys haben auch nach ihrem Rücktritt wieder den deutschen Meistertitel geholt. Wie intensiv verfolgen Sie die Geschehnisse rund um die Mannschaft noch?

Wenn ich Zeit habe, bin ich eigentlich immer in der Halle und unterstütze die Jungs. Ich habe auch ein paar Spiele im Fernsehen kommentiert. Da gibt es schon noch eine enge Verbindung. Ich kenne natürlich immer weniger Spieler persönlich. Jetzt sind nur noch Georg Klein und Nicolas Le Goff im Team, mit denen ich mal zusammengespielt habe. Aber die Nähe zum Verein ist natürlich noch da und auch mit Kaweh Niroomand habe ich noch ein sehr gutes Verhältnis.

Sind Sie dem Volleyball sonst noch in irgendeiner Form erhalten geblieben?

Ich bin jetzt in den Vorstand vom VC Olympia eingetreten, um der Jugend auch etwas zurückzugeben. Die Aufgaben werden da gerade noch verteilt, aber ich denke, mein Bereich wird die sportliche Beratung sein. Ich kann die Spieler unterstützen und ihnen Tipps geben. Das ist ja ein Ausbildungsverein und die jungen Spieler sind wissbegierig und wollen erfahren, wo sie mal landen können und wie das Leben als Profisportler aussieht. Da versuche ich, meine Erfahrung weiterzugeben. Als Trainer zu arbeiten ist zeitlich aber gerade nicht möglich.

Sie waren lange Nationalspieler, haben es zu Olympischen Spielen geschafft. Haben Sie in der vergangenen Woche die deutsche Mannschaft bei ihrem Kampf um das Olympia-Ticket beobachtet?

Bei den Halbfinals und beim Finale bin ich in der Halle gewesen. Die anderen Spiele habe ich im Fernsehen geguckt, wenn es zeitlich möglich war. Ich habe mit den Jungs mitgefiebert und mit vielen von ihnen ja früher auch selber gespielt. Denen hätte ich es natürlich nochmal gegönnt, zumal einige sicherlich auch bald ihre Nationalmannschaftskarriere beenden. Umso bitterer war es, im Finale rauszufliegen. Da taten mir die Jungs auch leid, weil sie wirklich ein tolles Turnier gespielt haben.

Überwiegt da jetzt der Ärger über die verpasste Qualifikation oder der Stolz, Deutschland mit Volleyball begeistert zu haben?

Hätte man dieses Turnier in einem anderen Land ausgetragen, wären zu den normalen Gruppenspielen wahrscheinlich 80 Leute in der Halle gewesen. Berlin hat es wirklich geschafft, über die Woche hinweg einen guten Zuschauerschnitt zu erreichen. Da muss man einfach stolz drauf sein. Jetzt kommt ja bald das Champions-League-Finale, da wird es sicherlich wieder ähnlich sein. Berlin etabliert sich mehr und mehr als Volleyball-Stadt.

Zum Schluss noch Ihr Tipp: Verteidigen die BR Volleys ihren deutschen Meistertitel?

Da bin ich guter Dinge. Sie müssen natürlich schauen, dass sie die Verletzungen in den Griff bekommen. Und selbst wenn es in der Saison durch Verletzungen ein kleines Loch geben sollte, werden in den Playoffs alle fit sein und sie werden den Titel holen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lisa Surkamp, rbb Sport

 

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