Der Berliner Radprofi Maximilian Schachmann bei der Tour de France(Quelle:imago/Sirotti Stefano)
Audio: Inforadio | 11.02.2020 | Jonas Bürgener | Bild: imago

Interview | Berliner Radprofi Schachmann vor Saisonstart - "Ich spüre meinen Sturz noch im kleinen Finger"

Der Berliner Radprofi Maximilian Schachmann überzeugte im vergangenen Jahr bei seiner ersten Tour de France – bis ein schwerer Sturz ihn stoppte. Im Interview erzählt er, was er sich für die neue Saison vorgenommen hat – und warum er die Tour dieses Mal auslässt.

rbb|24: Herr Schachmann, wo erreichen wir Sie denn gerade?

Maximilian Schachmann: Ich bin in der Sierra Nevada in Spanien. Hier gibt es auf 2.350 Metern Höhe ein Performance Center. Hier absolviere ich mein letztes Trainingslager, bevor es mit den Rennen losgeht.

Sie waren in der letzten Saison zum ersten Mal bei der Tour de France dabei. Nach einem Sturz und einer Handverletzung mussten Sie die Tour abbrechen. Wie ist es Ihnen seitdem ergangen?

Mir geht es sehr gut. Meine Saison war bis zu dem Sturz über allen Erwartungen. So ein Sturz gehört auch mal dazu. Mental habe ich das gut weggesteckt. Eine Woche nach dem Sturz saß ich wieder auf dem Rollentrainer. Man sieht die Narben an der Hand noch, das wird aber immer besser. Ich spüre es nur noch ein bisschen im kleinen Finger. Es behindert mich aber nicht im Training oder bei meinen kommenden Aufgaben.  

Bei Radsportfans sind die Bilder hängen geblieben: Sie retten sich bei der 13. Etappe angeschlagen über die Ziellinie. Denken Sie noch an den Sturz zurück?

Ich hatte das sehr schnell abgehakt und denke auch nicht mehr daran. Der Sturz war ärgerlich. Normalerweise steht man wieder auf und wischt sich den Straßendreck ein bisschen von den Wunden. Bei mir war ein Gitter im Weg und ich habe mir drei Knochen gebrochen. Das zwingt einen zur Aufgabe.

Am 19. Februar haben Sie bei der Algarve-Rundfahrt nun Ihr erstes Rennen der neuen Saison. Wie sah die Vorbereitung aus?

Ich hatte im Dezember mein erstes Trainingslager, im Januar noch ein langes, aktuell läuft das dritte. Das dauert auch noch bis zum 18. Februar. Dann mache ich mich von hier direkt auf den Weg nach Portugal.

Welchen Stellenwert hat die Algarve-Rundfahrt?

Das ist ein sehr schönes Rennen, aber nicht das wichtigste der Saison, ein guter Einstieg für mich. Danach geht es dann zur Sache bei der Strade Bianche im März. Ein tolles Rennen in der Toskana, bekannt für seine weißen, unbefestigten Straßen. Dann werde ich in Italien noch das Tirreno-Adriatico fahren und danach die Katalonien-Rundfahrt. Alles im März, das sind schon die ersten Höhepunkte für mich.

Wie gut fühlen Sie sich vorbereitet?

Bis jetzt bin ich über dem Soll. Wie es so ist im Sport: Ich hoffe, die Form kommt nicht zu früh. Aber mein Trainer und ich sind sehr zufrieden. Ich kann es jedenfalls nicht erwarten, endlich wieder Rennen zu fahren.

Was haben Sie sich für die neue Saison vorgenommen?

Meine Saison ist ziemlich vollgepackt. Ende April will ich beim Rennen Lüttich-Bastogne-Lüttich fahren, ab Mitte Mai steht der Giro d' Italia an. Dann plane ich eine kleine Ruhepause ein, um dann Ende Juli die Olympischen Spiele und danach die Vuelta-Rundfahrt in Angriff zu nehmen.  

Aber die Olympischen Spiele in Tokio stehen doch sicher ganz oben, oder?  

Definitiv. Deshalb verzichte ich dieses Jahr auch auf die Tour de France. Die Spiele finden kurz nach der Tour statt. Und in Japan erwarten uns sehr spezielle Wetterbedingungen: Es wird sehr heiß sein, bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Ich will mir die Zeit nehmen, mich an diese Bedingungen zu gewöhnen. Damit ich mit bestmöglicher Vorbereitung ins Rennen gehen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener für das rbb-Inforadio. Der Text ist eine gekürzte und redigierte Version.

Sendung: Inforadio, 11.02.2020, 14:15 Uhr 

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