Kick im Boxring
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Video: rbb UM6 | 12.02.2020 | Felix Edeha | Bild: rbb|24

Integratives Box-Projekt in Kreuzberg - "Es geht um Zuverlässigkeit und den richtigen Umgang"

Das Laureus-Projekt "Kick im Boxring" wurde 2007 ins Leben gerufen und vermittelt Kindern und Jugendlichen in Kreuzberg durch das Boxen Werte wie Respekt, Toleranz und Konfliktfähigkeit. Von Felix Edeha

Blitzschnell schlägt er die Fäuste abwechselnd vor und zurück, die Ellenbogen eng anliegend. "Ausdauer und Motivation sind das Wichtigste. Ohne Ausdauer kann man nichts machen. Und, wer keine Motivation hat, der trainiert auch nicht", sagt Ali El-Sari.

Drei bis vier Mal in der Woche schwitzt der 13-Jährige bei "Kick im Boxring". Einem integrativem Projekt in Berlin-Kreuzberg. Ein beige-gefliestes Waschhaus aus den 1950er Jahren dient als Sporthalle. Von der Decke baumeln ein Dutzend Sandsäcke, in der Mitte steht ein kleiner Boxring.

Kick im Boxring
Ali und Marike Ingerwersen beim Training | Bild: rbb|24

"Wir achten darauf, dass hier nur Deutsch gesprochen wird"

Das Schattenboxen mit den schnellen, geraden Schlägen, die auch Jabs genannt werden, gehört zum Aufwärmprogramm des Neuköllners und der anderen 15 Kinder und Jugendlichen. Die Stimmung ist entspannt, einige witzeln rum, andere gehen langsam ihre Box-Kombinationen durch. Bis die Trainerin, Marike Ingerwersen, ihre Stimme erhebt und darauf wartet, dass ihr alle zuhören.

"So, erstmal aufstellen. Ruhe, bitte! Ihr macht jetzt Zweiergruppen, Ibrahim und Amed zusammen", sagt sie freundlich, aber bestimmt und teilt ihre Schützlinge ein. Und die hören. Sie sollen verschiedene Bewegungsabläufe trainieren. Agil auf den Beinen bleiben, saubere Kombinationen abfeuern und danach wieder schnell die Fäuste hochreißen, um das Gesicht zu decken. Es geht nicht um Kraft, sondern um Technik. Während der Übungen bleibt keine Zeit für Späße.

"Wir achten darauf, dass hier nur Deutsch gesprochen wird. Auch, wenn jemand das noch nicht so gut kann. Das ist ja kein Problem - dann helfen wir gerne. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, der Umgang miteinander: Das sind alles wichtige Punkte, die hier zum Alltag gehören", sagt die studierte Sozialarbeiterin Ingerwesen, die auch eine A-Lizenz als Boxtrainerin besitzt.

2015 gewann das Projekt den Integrations-Bambi

Neben der sportlichen Förderung bietet das Projekt, unterstützt vom Berliner Verein "Sports for more", auch zweil Mal in der Woche eine Hausaufgaben- und Bewerbungshilfe an. Im Jahr 2015 erhielt das Projekt den Integrations-Bambi. Zudem wird es seit 2007 durch die Laureus-Stiftung gefördert [laureus.de].

Von Montag bis Freitag steht die Tür des alten Waschhauses für die Kinder und Jugendlichen offen. Die meisten kommen aus Neukölln, einige wohnen auch in den Randbezirken. Ziel des Projektes ist es, die Teilnehmer fit für das spätere Leben zu machen und ihnen einen sportlichen Rahmen mit festen Regelungen und unter fairen Bedingungen zu bieten, in dem sie dem Drang nach Wettkampf, den gerade Jungen verspüren, nachgehen können.

Zukünftige Boxprofis und Polizisten

Einer von ihnen ist Hamoudi Mohamad. Der 20-Jährige ist erst seit ein paar Monaten dabei, aber kann sich nach dem anstrengenden Schulalltag gerade nichts Schöneres mehr vorstellen: "Man hat hier Spaß und gleichzeitig auch Sport und das findet man halt nicht überall. Und es tut gut, den Kopf freizukriegen, wenn es mal stressig war. Oder Frust am Sandsack rauszulassen, wenn man den im Laufe des Tages hatte. Das sind die Vorteile beim Boxen." Nach seinem Schulabschluss möchte der großgewachsene Neuköllner gerne Polizist werden.

Genauso wie Hamoudi weiß auch der 13-jährige Ali schon genau, mit welchem Beruf er später mal Geld verdienen will: als Profiboxer. Ganz aussichtslos ist das nicht - denn der Schüler gilt als Nachwuchstalent: "Im letzten halben Jahr durfte ich schon öfter im Berliner Landesleistungszentrum trainieren und in dieser Woche habe ich eine Einladung für einen Lehrgang vom Deutschen Boxverband bekommen", erzählt er stolz.

Ali tritt am Wochenende auch bei seinem ersten großen Nachwuchsturnier, dem Cottbuser Ostsee-Cup, an und trifft dort auf die besten Boxer des Landes seiner Altersklasse. Wenn es nach ihm geht, der Anfang einer erfolgreichen Karriere.

Sendung: rbb UM6, 12.02.2020, 18:15 Uhr

Am 17. Februar 2020 werden die weltweit bedeutendsten Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2019 in der Verti Halle in Berlin mit den Laureus World Sports Awards geehrt.

Beitrag von Felix Edeha

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ja, schon alles nicht sooo schlecht - gemeinsame Sprache, auch Mädchen und Frauen dabei; sogar in leitender Position. Nur, wenn ich mich recht erinnere, ist und bleibt das Ziel beim Boxen, dem anderen derart in die Fresse zu hauen, dass er mindestens ein paar Minuten nicht mehr aufsteht, oder? Und vorher selber ggf derart einzustecken, dass da auch mal Langzeitschäden bleiben. - Gut, da kann man dann schon von "Konfliktfähigkeit" sprechen; wenngleich ich das bis dato immer anders verstand. Und "Respekt"? Na ja okay, der ist dann halt abhängig von der Härte des Hakens. "Toleranz" allerdings, die krieg ich da jetzt irgendwie echt nur ganz schwer zugeordnet. Vllt kann mir das ja jemand erklären?

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