Max Niedermaier in einem Rennen. Quelle: imago images/Ernst Wukits
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Team-WM Eisspeedway in Berlin - Wenn sich die Spikes ins Eis bohren

Der Eisspeedway Berlin steht vor seiner 47. Auflage. Am Donnerstag beginnen die Renntage mit der Deutschen Meisterschaft, bevor sich am Wochenende die internationale Eisspeedway-Elite bei der Team-WM im Horst-Dohm-Eisstadion duelliert. Von Marius Dobers

Am vergangenen Wochenende kreisten im Horst-Dohm-Eisstadion noch Hobbyläufer übers Eis, bald werden dort Spikes ihre Spuren auf der Eisfläche hinterlassen. Ab Donnerstag steht nämlich alles im Zeichen des Eisspeedways. Die 47. Auflage des Berliner Klassikers wartet dabei mit zwei Großevents auf: Am 27. Februar findet die Deutsche Meisterschaft statt, am 29. Februar und 1. März die stark besetzte Team-Weltmeisterschaft.

Duell: Motorsportler des Jahres gegen "Eishans"?

Den Auftakt bilden die nationalen Titelkämpfe am Donnerstag. 2019 gewann Markus Jell aus Altfraunhofen. Ende vergangenen Jahres wurde er zum Motorsportler des Jahres gewählt. Jell würde seinen Meistertitel in Berlin gerne verteidigen. Diese Pläne könnten wohl am ehesten von Johann Weber durchkreuzt werden.

Der Routinier vom Schliersee - Spitzname: Eishans - wurde zuletzt dreimal in Folge Vizemeister. Zudem geht er als einziger deutscher Permanentstarter bei der Einzel-Weltmeisterschaft im Eisspeedway an den Start. Kürzlich gelang ihm beim Grand Prix im russischen Shadrinsk mit dem vierten Platz ein Achtungserfolg. Für ihn ist das genügend Ansporn, um es dieses Jahr ganz nach oben im nationalen Vergleich zu schaffen.

Nationaler Titelkampf mit internationalem Anstrich

Chancen werden ebenso Max Niedermaier aus Edling (Deutscher Meister 2017, 2018) eingeräumt, der für die gastgebende Eisspeedwayunion Berlin e.V. antritt. Insgesamt besteht das Fahrerfeld aus 17 Sportlern. Davon sind lediglich neun aus Deutschland und somit für den Wettkampf wertungsberechtigt.

Die weiteren acht Fahrer stammen aus dem europäischen Ausland. Diese internationalen Fahrer fragen ihre Teilnahme bei den Veranstaltern an und sind vor allem auf der Suche nach Wettkampfpraxis. Für sie ist eine willkommene Gelegenheit, sich mit geübten Fahrern messen zu können, zumal der internationale Rennkalender in diesem Jahr aufgrund der Witterungsbedingungen schmal war.

Unser Ziel und unser Anspruch ist es, einen ähnlichen Erfolg wie den Bronzerang 2017 bei unserem damaligen Heimrennen in Inzell einzufahren.

Bernd Sagert, Teamchef des deutschen Mannschaft

Deutsche Auswahl hofft auf Bronze bei Team-WM

Am Freitag finden auf der 386 Meter langen und elf Meter breiten Eisbahn des Horst-Dohm-Eisstadions öffentliche Trainingseinheiten statt. Hier werden sich die hochkarätig besetzten Landesauswahlen mit den Gegebenheiten der Strecke vertraut machen. Von deren Wettkampfqualitäten wird sich das Berliner Publikum dann an den letzten zwei Renntagen ein Bild machen können.

Samstag und Sonntag fahren sieben Nationen um die Medaillen: Als absoluter Top-Favorit geht die russische Mannschaft ins Rennen. Kein Wunder: Schließlich konnten sie bisher 37 von 41 ausgetragenen Team-Weltmeisterschaften für sich entscheiden. Dahinter gelten die Schweden und Österreicher als stärkste Konkurrenz. Zudem gehen in Berlin noch Finnland, Kasachstan, Tschechien und die gastgebende deutsche Auswahl an den Start. 2018 und 2019 landete sie jeweils auf dem vierten Platz. Mit dem Trio um Markus Jell, Johann Weber und Max Niedermaier soll nun ein Platz auf dem Treppchen herausspringen.

"Es hat sich eine sehr schöne Fankultur hier entwickelt"

Teamchef Bernd Sagert erklärte dazu: "Unser Ziel und unser Anspruch ist es, einen ähnlichen Erfolg wie den Bronze-Rang 2017 bei unserem damaligen Heimrennen in Inzell einzufahren." Auch Olaf Ehrke, 1. Vorsitzender der Eisspeedwayunion Berlin e.V., blickt optimistisch auf die Titelkämpfe: "Meiner Meinung nach wird die deutsche Mannschaft unter den ersten drei sein." Am Samstag finden die ersten 21 Läufe des Wettbewerbs statt. Am Sonntag folgen weitere 21. Am Ende wird es ein Finale geben. Bei diesem duellieren sich die beiden bis dato punktbesten Landesauswahlen um den Team-WM Titel.

Olaf Ehrke freut sich bereits auf die Kulisse in Wilmersdorf: "Natürlich haben wir Fans, die jedes Jahr zu uns kommen und das schon sehr lange. Der Zusammenhalt bei den Eisspeedwayfreunden ist sehr stark. Es hat sich eine sehr schöne Fankultur hier in Deutschland entwickelt." Viele Fans reisen auch zu internationalen Wettbewerben, sind wind- und wetterfest. Das Wetter könnte dieses Jahr aber der Strecke zu schaffen machen. Neben der Renn- und Trainingsbelastung droht warmer Regen das strapazierte Eis in Mitleidenschaft zu ziehen.

Nur noch wenige regelmäßige Motorsport-Events in Berlin

Umso wichtiger ist, dass man sich auf das Netzwerk am Veranstaltungsort verlassen kann, sagt Ehrke: "Das Horst-Dohm-Eisstadion verfügt über sehr erfahrene und stresserprobte Mitarbeiter und Eismeister vor Ort." Ohne deren Expertise und den zahlreichen freiwilligen Helfern wäre eine Veranstaltung dieser Kategorie nur schwer durchzuführen. Der Eisspeedway Berlin ist eine der letzten regelmäßig stattfindenden Motorsportveranstaltungen der Hauptstadt. Im Sinne des Sports hoffen alle Beteiligten auf eine spektakuläre Rennwoche - und natürlich deutsche Medaillen.

Sendung: zibb, 26.02.20, 18:30 Uhr

Beitrag von Marius Dobers

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