Fredi Bobic bei einem Spiel von Eintracht Frankfurt. Quelle: imago images/Moritz Müller
Audio: Inforadio | 24.02.2020 | Thomas Kroh | Bild: imago images/Moritz Müller

Interview | Fredi Bobic - "Wir haben Spieler mit unbändigem Willen gesucht"

Ex-Hertha-Profi Fredi Bobic hat Eintracht Frankfurt als Manager zurück auf die große Bühne geführt. Im Interview verrät er, warum er sich in Berlin auch heute noch heimisch fühlt und welche Rolle Kevin-Prince Boateng für die Entwicklung der Hessen spielte.

Fredi Bobic stand von 2003 bis 2005 in 61 Spielen für Hertha BSC auf dem Platz. Im Anschluss an seine aktive Karriere wurde Bobic Manager und kam über Stationen in Bulgarien und beim VfB Stuttgart 2016 zu Eintracht Frankfurt. Der 48-Jährige stellte eine internationale Mannschaft zusammen, die 2018 den DFB-Pokal gewann und es in der letzten Saison bis ins Halbfinale der Europa League schaffte. Noch heute fühlt sich Fredi Bobic in Berlin heimisch und verbringt viel Zeit in der Hauptstadt, im Inforadio-Interview geht es aber auch um seine Herkunft aus Jugoslawien.

rbb|24: Fredi Bobic, Sie sind in Maribor im ehemaligen Jugoslawien und heutigen Slowenien geboren. Die kleinen Länder des ehemaligen Jugoslawien sind vor allem in den Ballsportarten nach wie vor sehr erfolgreich. Was ist das Geheimnis?

Bobic: Du kannst jemandem auf dem Balkan einen Ball zuwerfen und er wird schon etwas damit anfangen können. Egal, ob er Wasserball, Fußball, Tischtennis, Tennis oder Handball spielt. Bei der Handball-EM haben wir Kroatien im Finale und Slowenien auf Platz vier gesehen. Für so kleine Länder ist das schon außergewöhnlich. Der Hunger nach Sport und nach Erfolg ist sehr groß. Persönlicher Erfolg und über den Sport bekannt zu werden, treibt gerade viele Kinder im Balkan-Raum an.

Sie waren 20 Jahre alt, als in Slowenien der 10-Tage-Krieg ausbrach und den Beginn der Jugoslawien-Kriege markierte. Ihr Vater ist Slowene, Ihre Mutter Kroatin. Wie wurde in der Familie über den Konflikt gesprochen?

Es wurde schon sehr viel darüber geredet. Wir waren weit davon entfernt, emotional oder gar fanatisch zu werden, haben aber die Spannungen in unserem Umfeld gespürt. Ich war damals kurz vor dem 10-Tage-Krieg noch mit meiner damaligen Freundin und heutigen Frau in Slowenien. Ich wollte ihr Slowenien und Kroatien zeigen. Wir waren dort unterwegs und zwei Tage später sind die Flieger über den Grenzübergang geflogen. Mein Vater hat gesagt: Du musst da raus, da wird irgendwas passieren. Es war also schon ein Thema bei uns, zum Glück gab es aber keine großen Zerwürfnisse. Auch mit meinen Freunden gab es eine große Solidarität. Es war egal, ob der eine jetzt Serbe oder Kroate war, für mich waren wir alle irgendwie gleich.

Sie sind verheiratet und haben zwei Töchter. In Ihrer Zeit bei Hertha BSC sollen Sie regelmäßig Kunde im Spielwarengeschäft "Spielvogel" am Hohenzollerndamm gewesen sein. Stimmt das?

(lacht) Ja, natürlich! Ich liebe solche Läden, die ganz großen Kaufhäuser mag ich eigentlich nicht – obwohl ich in einem meine Lehre zum Einzelhandelskaufmann gemacht habe. Wenn ich heute dort vorbeifahre, denke ich noch oft daran zurück, wie oft ich mit meiner Frau im "Spielvogel" war und für unsere Töchter Geschenke gekauft habe. Das macht eine Riesenfreude, da bist du selbst nochmal Kind.

Die Frage, ob Sie ein Familienmensch sind, scheint man sich sparen zu können.

Ich liebe es, in der Familie zu leben. Das habe ich von meinen Eltern übernommen, wir haben eine sehr enge Bindung. Unsere Familie ist gerade auf der ganzen Welt zerstreut. Die eine Tochter lebt in Stuttgart, die andere studiert in den USA, ich arbeite in Frankfurt und meine Frau ist hier in Berlin. Eigentlich ist Berlin unsere Heimat und wir kommen immer wieder alle vier hier zusammen. Das ist immer etwas ganz Außergewöhnliches und Schönes.

Ihre Frau lebt in Berlin und auch Ihnen hängt die Stadt am Herzen. Wäre Hertha BSC nicht eine reizvolle Aufgabe für Sie?

(lacht) Vielleicht mal langfristig, das weiß man ja nie. Ich hoffe erstmal, dass sie ein neues Stadion bekommen – das wäre das Wichtigste. Für mich persönlich ändert sich erstmal gar nichts. Ich liebe es, in Berlin zu leben, ich fühle mich immer Zuhause, wenn ich hier hinkomme. Ich denke im Moment aber weniger an die Hertha und mehr an das, was ich zurzeit mache.

Fredi Bobic feiert mit den Trainer-Team um Niko Kovac (m.) den Sieg des DFB-Pokals. Quelle: imago images/Jan Huebner
Fredi Bobic feiert mit dem Trainer-Team um Niko Kovac (m.) den Sieg des DFB-Pokals in Berlin 2018. | Bild: imago images/Jan Huebner

Das ist die Position des Managers bei Eintracht Frankfurt. Im vergangenen Jahr haben Sie mit Frankfurt das Halbfinale der Europa League erreicht, der Verein war in aller Munde. Immer wieder wurde die Frage nach dem Erfolgsrezept gestellt. Sie haben unter anderem entgegnet, dass die Eintracht trotz weniger deutscher Spieler Fußball mit deutschen Tugenden spiele. Wie war das gemeint?

Wir haben in den letzten vier Jahren Typen gefunden - angefangen bei Kevin-Prince Boateng, der in Deutschland schon verschrien war und am Scheideweg stand - die eine wahnsinnige Mentalität mitbringen. Ich liebe es, wenn Spieler auf dem Platz alles aus sich herausholen. Das war der Anfang des Erfolgs und diesen Weg sind wir dann weitergegangen und haben Spieler gesucht, die einen unbändigen Willen haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Kroh, rbb Sport. Es handelt sich um die redigierte und gekürzte Fassung eines ausführlichen Vis à vis. Das gesamte Gespräch können Sie mit einem Klick ins Titelbild nachhören.

Sendung: Inforadio, 24.02.2020, 10:45 Uhr

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