Trainer Jürgen Klinsmann und Manager Michael Preetz am 21.12. 2019 beim Spiel Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach. (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 11.02.20202 | Thomas Kroh | Bild: imago images/Matthias Koch

Kommentar | Trainerbeben bei Hertha BSC - Klinsmann hinterlässt einen führungslosen Haufen

Hertha BSC kämpft gegen den Abstieg. In dieser Krisen-Situation schmeißt Trainer Jürgen Klinsmann hin. Dabei hatte der vermeintliche Heilsbringer das Team gerade erst für viel Geld verstärken lassen. Was bleibt, ist eine Lachnummer, kommentiert Thomas Kroh.

Big City Club. Champions League – darunter wollte es Jürgen Klinsmann nicht machen, natürlich nicht. Wer den FC Bayern München von links auf rechts krempelt, der wird doch wohl aus einem biederen Bundesligisten, der gerne der Klub der gesamten Hauptstadt wäre, eine Top-Adresse des europäischen Fußballs zaubern können; erst Recht, wenn ein Investor - egal, wie fragwürdig dessen Ruf auch sein mag - mit der fetten Asche um die Ecke kommt.

Nichts weiter als heiße Luft

Ich weiß nicht, was schwerer wiegt: die Ahnungslosigkeit des Sonnyboys aus Kalifornien oder die Unfähigkeit der Vereinsführung um Sportchef Michael Preetz. Ist aber auch egal. Denn fest steht: Neben dem Flughafen, der vor den Toren der Stadt im märkischen Sande vor sich hinschlummert, hat Hertha BSC sich den Ruf als zweite Berliner Lachnummer der Nation redlich verdient.

Der Trainer Klinsmann hat nichts weiter als heiße Luft produziert, die Mannschaft kickt keinen Deut besser als etwa unter Pal Dardai, der trotz schlechterer Personallage immerhin halbwegs erfolgreich war. Ein Spielsystem war auch nach rund drei Monaten Training nicht zu erkennen. Dafür hat der vermeintliche Retter die Hierarchie zertrümmert und einen führungslosen Haufen zurückgelassen. Muss man auch erstmal schaffen.

Neuer Trainer, neue Vorstellungen?

Jürgen Klinsmann will sich nun wieder seiner Aufgabe als Aufsichtsrat widmen. Er hat der Mannschaft alles Gute gewünscht. Die wird sich bedanken! Was wohl der feine Herr Aufsichtsrat zu einem Trainer sagen würde, der ein solches Desaster anrichtet?

Wenn ich wenigstens sagen könnte: 'Gott sei Dank, ein Ende mit Schrecken.' Aber nichts da: Sportchef Preetz, der bei seiner Trainer-Auswahl so oft daneben liegt wie die SPD mit ihren Parteichefs, hat gerade in Absprache mit dem Fahnenflüchtigen rund 80 Millionen Euro für neue Spieler rausgehauen. Ein neuer Übungsleiter hat möglicherweise völlig andere Vorstellungen. Was für ein Chaos!

Immerhin, das Gerede vom Big City Club dürfte sich erledigt haben. Sollte es allerdings ganz dumm laufen, macht im Sommer das Wort vom reichsten Zweitliga-Verein der Welt die Runde.

Sendung: Inforadio, 11.02.20, 14:15 Uhr

Beitrag von Thomas Kroh

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78 Kommentare

  1. 77.

    Nun, es hat wohl wenig mit Naivität zu zu tun, wenn ich davon ausgehe, dass die Medienpartnerschaft zwischen radioeins und Union Berlin keine Auswirkungen auf die Berichterstattung in Bezug auf die neutrale Einschätzung der Leistung aller Fussballclubs in der Region BB auf rbb24.de hat, Locke.

  2. 76.

    Kein Problem, Sie sollten halt nur dazu stehen, dass der rbb eben mit Union vertraglich zusammenhängt und somit doch einen Berliner Verein unterstützt. Nur darum ging es mir. Und meiner Meinung nach tangiert so etwas die Objektivität in der Berichterstattung. Das ist auch völlig normal, wenn man Union unterstützt. Solange es sachlich bleibt und sportlich fair, ist alles ok. Kommentare sind ohnehin persönliche Meinungen des jeweiligen Schreibers.

  3. 71.

    Unabhängiger Journalismus heißt auch, kritische Berichte über die eigene Region zu schreiben. Wir unterstützen keinen Verein in Berlin und Brandenburg, sondern berichten wertfrei über Sport.

  4. 70.

    Und damit liegt ihr, lieber RBB, komplett falsch.
    Also wer nicht ganz blind durch die Stadt läuft, einige Leute hier kennt, einige arbeitskollegen hat und so weiter dem ist ziemlich klar, das es leider nicht nur zu viele zugezogene gibt, sondern auch jede Menge Fans anderer Mannschaften.
    Und das ist nun mal ein sehr großer Unterschied zu solchen Ortschaften wie Dortmund z.b.
    Mit einer erfolgreichen Spielweise und einem neuen und damit besseren Stadion kann man hier sicher in Berlin auf 50 bis 60000 Leute maximal kommen, davon aber leider eine Menge Erfolgsfans.
    Und warum ihr euch als regionaler Anbieter nicht auch der Region verschreibt, ist mir nun überhaupt nicht klar.
    Schade, bei jedem anderen Anbieter wie WDR oder NDR wird immer die Region hervorgehoben und alle Vereine dort bestens unterstützt.

  5. 69.

    Entschuldigen Sie, aber dass z. B. zum Spiel gegen Mainz nur ca. 35.000 Zuschauer ins Stadion gekommen sind, liegt sicher nicht an den "Zugezogenen", sondern zum einen daran, dass der Gegner vllt. nicht unbedingt der attraktivste war - was er aber für die Fans als direkter Konkurrent hätte eigntl. sein müssen - und zum anderen natürlich an Hertha selbst.

    Der Club hat, nur mal die letzten 20 Jahre betrachtet, selten einen Zuschauerschnitt über 50Tsnd. Besucher gehabt; aktuell liegt er bei ca. 48.700 (inklu. des ausverk. BVB Spiels). Für des geplante Stadion sind m. W. etwa 50.000 Plätze angedacht und das auch das Potenzial, welches Hertha zu aktivieren imstande ist.

    Ich meine das nicht despektierlich, borninc_burg, aber selbst Mannschaften, die aktuell in der 2. Bl. spielen, wie Stuttgart oder der HSV, kommen auf ähnliche Werte.


    Und, dass Union Berlin eine "gehypte Dorfsau" ist, glauben Sie doch wohl selbst nicht?!

  6. 68.

    12 Punkte eines Abstiegskandidaten aus Spielen gegen Leverkusen, Gladbach, Frankfurt, Wolfsburg, Schalke und Freiburg, Niederlagen gegen Bayer und Dortmund - wenn das ein Desaster ist und nur heiße Luft, dann darf der Kommentar ebenfalls so bezeichnet werden.

  7. 67.

    Sobald sich Preetz endlich für das Wohl des Vereins einsetzt und nicht nur für sein eigenes (Preetz sollte freiwillig kündigen und auf Geld für nicht geleistete Arbeit verzichten), könnte die Hertha vielleicht noch gerettet werden. Mit Preetz gehts weiter den Bach runter!

  8. 66.

    Ich will ja nicht klugscheissern aber das war voraus zusehen .Da waren viele Fachkundige Leute unter anderem auch beim rbb info Radio die mit der Einschätzung von Anfang an richtig lagen .Geld macht nicht alles. Beispiel Union Berlin. Auch Herr Preetz sollte sich mal ernsthaft Hinterfragen.....

  9. 65.

    FEIGLING !!!!

  10. 64.

    Wer Klinsmann angagiert, hätte vorher wissen müssen, auf was er sich damit einlässt. Hatte er nicht Bayern München fast zu einem Kloster für Buddisten werden lassen wollen? Wer keine Ahnung von Psychologie hat braucht sich nicht zu wundern, wie die Folgen werden, wenn man so einen selbstherrlichen Menschen wie Jürgen Klinsmann als Trainer holt.

  11. 63.

    Bitte lassen Sie bei Ihrem nächsten Kommentar doch die Kirche im Dorf. Fußball und Zuzug haben doch nur ganz entfernt etwas miteinander zu tun. Die Redaktion dankt!

  12. 62.

    Guten Tag Herr Kroh,

    ich bin weder Hertha Fan noch regelmäßiger Leser auf dieser Seite. Trotzdem möchte ich Ihnen zu Ihrem sehr lesenswerten Kommentar zum Ende des Kommandounternehmens Klinsi in Berlin gratulieren.
    Der Aufmarsch Jürgen Klinsmanns im altehrwürdigen Berliner Olympiastadion erinnerte mehr an eine Invasion als an eine "Erweckung eines Hauptstadtclubs zum europäischen Spitzenverein".
    Mittels generösem Investor und dem Heilsbringer aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, also Baden Würtemberg, sollte das Aschenbrödel Hertha zur Prinzgemahlin aufgehübscht werden. Das Modell Leipzig stand da wohl Pate.
    Das Geld allein noch nicht erfolgreich macht haben auch schon andere schmerzlich erfahren müssen. Zudem ist es nicht so ganz einfach eine alte Dame wie die Hertha von Heute auf Morgen auf den Kopf zu stellen. Tonnentreter Jürgen hat das vermutlich unterschätzt. Eitelkeit, Ego und Arroganz sind keine guten Ratgeber für derartige Vorhaben.

  13. 61.

    Meinten Sie Peter Neururer? Den Neururer ohne H? Der hat diverse Jobs als Kommentator, Experte und ist bei Bochum im Geschäft.

  14. 60.

    Hat nicht unmittelbar mit Klinsmann zu tun aber sie erwähnen eines der großen Probleme:
    "Komme aus Worms. Daher wurde ich nie richtig warm mit Hertha"
    Zu wenig ECHTE Berliner in der Stadt und es werden immer weniger.
    Hertha interessiert damit immer weniger Menschen, denn jeder bringt seine eigenen Probleme mit und seinen Heimatverein.
    Ist halt das Schicksal dieser Stadt, ein Tummelplatz für Heimatvertriebene zu sein.
    Union ist gerade ein Hype, das aktuelle heiße Ding. Wird aber auch nur eine temporäre Erscheinung sein, wenn die Sau ausreichend durchs Dorf gejagt ist.

  15. 59.

    Schreibt also Herr Kroh? ein Hansafan?
    Naja dann würde ich sagen, keine Ahnung Herr Kroh. Klardas räume ich Ihnenunbelassen ein, es war ein bissle Zirkus hier bei uns, aber was ist passiert? Wir haben Spielerkäufe vorgezogen, deren Wert bleibt, hat sogar potenzial für mehr,bei jedem der 4 eingekauften.
    Der Trainer ist noch da, der Teamleiter ist nach Santa Monica abgedüst
    Und wir haben noch etwa das hundertfache wie Hansa auf dem Konto( ohne das ich Hansa seine Verhältnisse genau kenne aber um das generelle Verhältnis Bundesligaeinnahmen zu was? Dritte Liga?
    Naja uns gibt es auch schon etwas länger, hier in der Hauptstadt, mit etwas mehr Konkurenz als auf dem Dorf Rostock.
    Also so schlimm isses, nicht mal anders aus Herthasicht betrachtet oder Herr Kroh? Natürlich ist das was wir haben auch ein Dorfclub gegen ihre zweite Liebe Real Madrid. Aber naja Ich glaube jeder ist verwundert, und jeder ist etwas hämisch wenn man von anderen Clubs ist, aber das verträgt die BCC-Fangemeinde

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