Maximilian Mittelstädt in einem Spiel von Hertha BSC. Quelle: imago images/MIS
Bild: imago images/MIS

Porträt | Herthaner Maximilian Mittelstädt - "Ball, schieß, Tor"

Maximilian Mittelstädt ist ein Eigengewächs bei Hertha. Als 15-Jähriger kam er zu den Blauweißen, mittlerweile hat er sich fest im Profikader etabliert. Um Fußball drehte sich sich sein Leben schon früh. Von Jonas Bürgener

Viola Mittelstädt, Mutter von Hertha-Verteidiger Maximilian Mittelstädt, muss schmunzeln, wenn sie sich an die Kindheit ihres Sohnes erinnert. "Es hat sich bei ihm sehr schnell herauskristallisiert, dass ohne Ball nichts läuft", beschreibt sie die frühen Kindheitsjahre ihres Sohnes, den man schon mit eineinhalb Jahren "nur noch mit dem Ball gesehen" habe.

Als er alt genug ist, melden die Eltern ihr Kind beim SC Staaken an; nach einer kurzen Station bei Hertha Zehlendorf wechselt er 2012 in die Jugend von Hertha BSC. Mittlerweile gehört der heute 22-jährige Linksverteidiger zum festen Aufgebot der Profimannschaft.

"Ihr Kind spielt den ganzen Tag Fußball"

"Ball, schieß, Tor. Das waren immer seine Lieblingsworte", erinnert sich Mittelstädts Mutter an den ersten Wortschatz ihres Sohnes. In der Schule setzt sich die Leidenschaft Maximilians für den Fußball fort - zum Leidwesen der Mama. "Ich habe die Lehrer gefragt: Die anderen Eltern bekommen alle so schöne Bilder gemalt - was macht denn mein Sohn?". Zur Antwort bekommt sie: "Ihr Kind spielt den ganzen Tag Fußball."

Doch der Ehrgeiz von Maximilian Mittelstädt zahlt sich aus. Bereits als 13-Jähriger fällt er Ex-Hertha-Profi Axel Kruse in dessen Fußballschule auf, die Familie zögert zunächst noch mit dem Wechsel zu den Blau-Weißen, doch zwei Jahre später ist es dann soweit. Ein gewisser Ante Covic überzeugt Mittelstädt, zu Hertha BSC zu wechseln. Dessen Eltern setzen ihren Sohn dabei zu keiner Zeit unter Druck, lassen ihn seine Entscheidungen selbst treffen. "Wir haben ihn immer unterstützt und ihn von A nach B gefahren. Für uns war aber wichtig, dass er seinen Spaß und seine Freunde hat", stellt Viola Mittelstädt klar. Zwar hätten auch der VfL Wolfsburg und RB Leipzig großes Interesse an ihrem Sohn gehabt, es sei aber schnell klargewesen, dass Mittelstädt den ambitionierten Jugendabteilungen von Wolfsburg und Leipzig einen Wechsel zu Hertha vorziehen würde.

Dardai baut Mittelstädt auf

Maximilian Mittelstädt durchläuft die Nachwuchs-Mannschaften von Hertha BSC und wird Junioren-Nationalspieler. Im letzten Spiel seiner Amtszeit beruft Jos Luhukay den damals gerade einmal 17-Jährigen erstmals in den Profi-Kader der strauchelnden Hertha. Dessen Nachfolger Pal Dardai baut ihn hingegen behutsamer auf, verzichtet im Abstiegskampf der Saison 2014/15 auf Mittelstädt. Sein Debüt für die erste Mannschaft feiert dieser schließlich im März 2016 gegen Eintracht Frankfurt; in derselben Saison folgen noch zwei weitere Einsätze über 90 Minuten gegen Bayern München und den SV Darmstadt.

Spätestens in der Folgesaison, als Dardai ihn in zwölf Spielen in der Bundesliga aufbietet, kommt Mittelstädt in der Bundesliga an und schafft den Schritt zu den Profis. Mittlerweile lief er über 60 Mal in der höchsten deutschen Spielklasse auf und hat sich fest in Herthas Kader behauptet - auch nach den Trainerwechseln.

Familie stets an seiner Seite

Viola Mittelstädt verheimlicht aber nicht, dass ihr Sohn in seiner Profizeit auch schon schwierige Phasen hatte. Nach der U21-EM im vergangenen Sommer sei Mittelstädt in ein "Riesenloch gefallen", erklärt auch der damalige Trainer Ante Covic zu Beginn der laufenden Saison. Doch Mittelstädt arbeitet sich zurück und findet seinen Platz im Team. Auch unterstützt von der Familie: "Wir sprechen immer. Ich habe zu Maxi eine ganz enge Bindung und bin ihm, glaube ich, ein wertvoller Ratgeber", sagt Mutter Viola über das Verhältnis zu ihrem Sohn. Auch Mittelstädts Vater und sein jüngerer Bruder feuern ihn so oft wie möglich im Stadion an.

"Achte auf deinen Körper"

In Interviews betont der Linksfuß immer wieder, dass der Sprung in die A-Nationalmannschaft eines seiner größten Ziele sei. Viola Mittelstädt hofft hingegen vor allem, dass ihr Sohn verletzungsfrei bleibt. "Ich sage ihm immer: Achte auf dich und deinen Körper. Wenn du gesund bleibst, erreichst du deine Träume". Dass sich ihr Sohn daran hält, bezweifelt Viola Mittelstädt nicht. Bei der Silvesterfeier mit der Familie trinke der Linksfuß nur Mineralwasser, ein Dessert im Weihnachtsurlaub sei "ein Highlight".

Der Ehrgeiz in Maximilian Mittelstädt scheint noch lange nicht gestillt. "Weiter, immer weiter", beschrieb Oliver Kahn einst seinen unendlichen Eifer. Ganz so verbissen wie der ehemalige Nationaltorhüter wirkt Maximilian Mittelstädt nicht. Er begnügt sich wohl eher mit einem: "Ball, schieß, Tor".

Sendung: rbb Bolzplatz, 11.02.20, 19:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Leider ist bei Mittelstädt das Ende der Entwicklung mit nunmehr 22 absehbar. Viel mehr kommt nicht. Er ist ausreichend schnell, aber nicht sehr schnell. Er ist in der Defensive gut, aber nicht hervorragend. Seine Flanken sind eher Mittelmaß, mal besser, mal mangelhaft. So kann man viele Attribute weiter aufzählen. Torgefahr, taktisches Verständnis, Zweikampfstärke … usw. Sicher, er ist ein durchschnittlicher Bundesligaspieler geworden, aber nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Herthas Piatek und Darida jubeln nach dem Tor zum 2:0 (Quelle: dpa/Hannibal Hanschke)
dpa/Hannibal Hanschke

Labbadia rettet Hertha - Endlich ein echtes Team

Mit dem 2:0 gegen den FC Augsburg setzt Hertha BSC den überraschenden Aufschwung unter Bruno Labbadia fort. Erschöpfte Berliner wanken, aber brechen nicht zusammen. Weil der Trainer die Mannschaft in kurzer Zeit zu einer Einheit geformt hat. Von Till Oppermann

Herthas Javairo Dilrosun jubelt mit Teamkollegen nach seinem Tor zum 1:0 (Quelle: dpa/Hannibal Hanschke)
dpa/Hannibal Hanschke

2:0 gegen Augsburg - Hertha setzt Erfolgsserie unter Labbadia fort

Hertha BSC hat den dritten Sieg im vierten Spiel nach der Corona-Zwangspause gefeiert. Das Team von Bruno Labbadia besiegte den FC Augsburg am Samstag mit 2:0. Zwar mussten die Berliner in der zweiten Halbzeit zittern, doch ein Joker brachte die Entscheidung.