Vedad Ibisevic tröstet Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha. / imago images/Kolvenbach
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Große Solidarität von Kollegen - Torunarigha kann "Idioten in keinster Weise verstehen"

Jordan Torunarigha hat nach den rassistischen Beleidigungen, die es im Pokalspiel auf Schalke aus dem Publikum gegen ihn gegeben haben soll, in einem Instagram-Post Stellung bezogen. Darin findet er emotionale Worte - die auch zurück in seine Jugend führen.

Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha hat sich zwei Tage nach den Rassismus-Vorwürfen gegen Zuschauer im Pokalspiel auf Schalke erstmals zu Wort gemeldet - und sich in einem emotionalen Statement bei Instagram gegen Diskriminierung ausgesprochen.

"Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen", schrieb der 22-jährige frühere Junioren-Nationalspieler am Donnerstag auf seinem privaten Account.

Bei der Niederlage von Hertha BSC im DFB-Pokal-Achtelfinale war Torunarigha laut Aussagen der Berliner mehrfach rassistisch beleidigt worden. "Jordan hat mir erzählt, es gab rassistische Beleidigungen im Block, an dem er vorbei ist. Mit Affengeräuschen und sonst was", berichtete Teamkollege Niklas Stark nach Spielende im ARD-Interview. Der DFB-Kontrollausschuss leitete am Mittwoch eine Untersuchung ein. Die Polizei Gelsenkirchen nahm Ermittlungen auf.

"Habe das alles schon in meiner Jugendzeit durchlebt"

"Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt", schrieb Torunarigha nun. "Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert." In der Verlängerung war der 22-Jährige vom Platz geflogen, als er nach einem Foul an ihm direkt an der Bank der Schalker eine Getränkekiste wütend auf den Boden knallte.

"Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein", heißt es in dem Post weiter - und: "Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!"

Große Solidarität

Sein Club und zahlreiche Profis anderer Vereine hatten sich nach der Partie mit Torunarigha solidarisiert. "Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism", schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, bei Instagram. "Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!", twitterte Bayern Münchens Jérôme Boateng.

"#F%** Racism I am with you my man" (Ich bin bei dir), teilte dessen älterer Bruder Kevin-Prince mit. Er hat Rassismus selbst schon auf dem Platz erleben müssen. 2013 - in einem Testspiel mit seinem damaligen Verein AC Mailand beim Viertligisten Pro Patria, waren er und andere dunkelhäutige Spieler aus dem Team beleidigt worden. Boateng verließ den Platz. Seine Teamkollegen folgten.

Sendung: rbb UM6, 06.02.2020, 18 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Hertha BSC wird natürlich neidisch beäugt
    Und von allen gejagt. Sie müssen jetzt
    stabil werden. Da hilft Geld nur sehr bedingt. Ich Wuensch allen Beteiligten ein
    gutes Händchen und viel Kraft.

  2. 3.

    Kopf hoch Jordan !

    HaHoHe

  3. 2.

    Und über die ganze Diskussion geht die unsäglich unsensible Leistung des Herrn Osmers völlig unter. Viellicht sollte sich Herr Osmers die Ohren gründlich waschen vor dem nächsten Spiel, damit auch er hört, was andere hören können. Oder wollte er vielleicht gar nichts hören?!

  4. 1.

    Ich kann diese Idioten auch nicht verstehen. Sollte man diese Rassisten finden können, wäre ich für lebenslanges Stadionverbot.

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