Ex-Hertha-Trainer Klinsmann und Manager Michael Preetz (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 28.02.2020 | Jakob Rüger | Bild: imago images/Matthias Koch

Hertha vor dem Spiel in Düsseldorf - Die Geister, die ich rief

Auf Hertha BSC wartet am Freitagabend in Düsseldorf ein richtungsweisendes Spiel im Kampf um den Klassenerhalt. Doch die Vorbereitung wird gestört - durch einen alten Bekannten. Von Jakob Rüger

Herthas Trainer Alexander Nouri hatte die Frage kommen sehen und versuchte, nicht zwischen die Fronten zu geraten. "Ich habe von all dem nichts gewusst und war genauso überrascht wie alle anderen auch", sagte er. Nouri war von Jürgen Klinsmann als dessen Assistent zu Hertha BSC geholt worden. Nun hat ihm sein ehemaliger Chef zusätzliche Probleme eingebracht. In einem Tagesprotokoll hat Klinsmann mit Hertha BSC abgerechnet. In dem internen Papier, dass die "Sport Bild" veröffentlicht hat, werden dem Fußball-Bundesligisten unter anderem "Lügenkultur" und "katastrophale Versäumnisse" unterstellt. Klinsmann greift Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer direkt an.

Klinsmann statt Fußball

Die Trennung von Hoffnungsträger Jürgen Klinsmann, der selbst zurückgetreten war, entwickelt sich zu einer medialen Schlammschlacht. Herthas Manager Preetz versuchte, auf der Pressekonferenz vor dem Düsseldorf-Spiel gefasst auf die Vorwürfe seines Ex-Trainers zu reagieren. Ausgerechnet Preetz wollte Klinsmann unbedingt auf der Trainerbank haben. Eine Entscheidung, die er heute sicherlich bereut. Preetz hat Klinsmanns Vorwürfe als "perfide und ungehörig" zurückgewiesen. Ärger wie dieser hatte der abstiegsgefährdeten Hertha nach dem desaströsen 0:5 zuhause am vergangenen Samstag gegen den 1. FC Köln gerade noch gefehlt.

Erinnerungen an Paderborn

Hertha bräuchte Ruhe und Konzentration im Abstiegskampf. Nun kann niemand genau sagen, wie die angeschlagene Mannschaft mit den neuesten Meldungen um Klinsmann umgeht. "Wir hatten eine ähnliche Situation vor dem Paderborn-Spiel", erinnert sich Nouri. "Damals haben wir die richtige Antwort gegeben, darauf hoffen wir auch diesmal." Doch es wird schwer, sich auf Fußball zu konzentrieren. Das Medienaufkommen und das Interesse an der Klinsmann-Geschichte waren groß vor dem Düsseldorf-Spiel. Ungewöhnlich viele Kamerateams waren auf der Spieltags-Pressekonferenz, die sich hauptsächlich mit Herthas ehemaligen Cheftrainer beschäftigte.

Die Hauptdarsteller des Relegationsdramas 2012

Blick nach oben oder nach unten

Nouri versuchte trotzdem den Fokus zu behalten und warnte vor den Düsseldorfern: "Sie haben ihr Flügelspiel verbessert, sind unglaublich schnell und trotzdem kompakt." Die Fortuna würde mit einem Sieg bis auf 3 Punkte an Hertha BSC in der Tabelle heranrücken und die Berliner tiefer in den Abstiegskampf hineinziehen. Dafür muss aber eine Saisonpremiere her, denn zwei Siege in Folge gelangen den Düsseldorfern in dieser Bundesliga-Spielzeit noch nicht. Was Hertha noch Hoffnung macht, ist die gute Auswärtsbilanz. In der Fremde fühlt sich Hertha diese Saison wohl und hat die letzten drei Auswärtspartien alle gewonnen. Nicht schlecht für ein Team, das laut Klinsmann weder fit noch gut zusammengestellt ist.

Alexander Nouri muss mit dem, was ihm sein Chef Jürgen Klinsmann hinterlassen hat, arbeiten. Viele Leistungsträger sind außer Form. Die kleinsten Rückschläge verhindern eine Stabilität, Hertha ist nervlich angeschlagen. Jürgen Klinsmann hat noch Kontakt zu seinem ehemaligen Assistenten Alexander Nouri. Zuletzt gab es eine Nachricht vor dem Heimspiel gegen Köln. Klinsmann wollte Nouri und dem Team viel Glück wünschen. Das kann er sich nun sicherlich sparen, der Ex-Trainer hat der Hertha einen Bärendienst erwiesen.

Sendung: Inforadio, 26.02.2020, 16:15 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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5 Kommentare

  1. 5.

    Eine Niederlage heute und ab Montag brennt bei Hertha der Tannenbaum, denn dann steht Bremen, Hoffenheim und .......Union......vor der Tür

  2. 4.

    Man hätte Klinsi machen lassen sollen. Solange wie Preetz und auch Gegenbauer da sind, wird die Hertha Mittelklasse bleiben. Beste Beispiel Frankfurt. Man hat Bobic geholt, ihn machen lassen und? Frankfurt kämpft nicht mehr um den Erhalt in der 1. Liga.
    Fakt ist, Hertha steigt diese Saison ab. Danke Herr Preetz

  3. 1.

    Hertha war (leider) schon immer Mittelmaß. Wir Berliner liebten sie trotzdem, oder vllt deshalb?
    Seitdem Herr Preetz das sportliche Sagen an sich gerissen hatte, vergiftete sich zusätzlich das Klima immer mehr. Mittlerweile müßte auch ein Herr Windhorst das mitbekommen haben... Hatte er deshalb Herrn Klinsmann in den Aufsichtsrat geholt und ihn als seinen persönlichen sportlichen Berater gebraucht?
    Ja, einen Bärendienst hat sich der Mäzen selbst erwiesen, indem er sich die Hertha zur vermeintlichen Investition nahm. Warum eigentlich? Gier kann es wohl kaum gewesen sein bei den damaligen Einstiegsvoraussetzungen.

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