Christopher Trimmel nach einem Spiel von Union Berlin. Quelle: imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 29.02.2020 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Matthias Koch

Union vor Wolfsburg - Bodenständiges Selbstbewusstsein

Gegen Wolfsburg kann Union Berlin am Sonntag die Punkte 30 bis 32 holen und damit einen weiteren großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen. Die Stimmung ist gut, der Trend passt - und trotzdem gilt eine Devise: bodenständig bleiben. Von Johannes Mohren

Die Stimmung rund ums Stadion an der Alten Försterei könnte derzeit kaum besser sein. "Wir sind wirklich im Soll. Und ich glaube, wir machen auch Spaß. Jeder ist zufrieden mit uns", sagt Christopher Trimmel unter der Woche. Da steht der Kapitän der Köpenicker gerade sichtbar gut gelaunt in einem Berliner Einkaufsmarkt in Friedrichshain zwischen Keksregal und Kühltruhen. Noch ein kurzes Interview mit dem rbb - dann warten unzählige Fans in Rot und Weiß schon auf den Beginn der Autogrammstunde. Die Schlange reicht bis weit aus dem Laden hinaus.

Aus der Pole Position

Es ist Ende Februar - und die Köpenicker gehen aus der Pole Position in die heiße Phase um dem Klassenerhalt. Als Zehnter sind sie Spitzenreiter der zweiten Tabellenhälfte. 29 Punkte sind neun mehr, als die Düsseldorfer auf dem Relegationsrang auf dem Konto haben. Und der Trend passt. Zuletzt gelangen dem Team von Urs Fischer in der Liga drei Siege aus fünf Spielen. Zwei davon sogar auswärts - deshalb eine Extra-Erwähnung wert, weil Union über weite Strecken der Saison in der Fremde nicht allzu viel holte.

Viele Gründe also für eisernes Strahlen. Die klare Botschaft: Selbstbewusstsein ja, Übermut nein. "Es ist auch eine gefährliche Situation. Vermeintlich meint jeder, wir haben mit dem Abstieg nichts zu tun. Doch uns fehlen noch ein paar Punkte. Und die wollen wir so schnell wie möglich holen", sagt Trimmel. Die nächsten drei sollen es am liebsten schon am Sonntag (13:30 Uhr) gegen den VfL Wolfsburg werden. Der Kapitän selbst darf dann nach seiner Gelb-Sperre zuletzt gegen Frankfurt wieder mitmischen - und hat eine genaue Vorstellung, wie es laufen soll: "Ich bin überzeugt, dass wir sehr gut auftreten werden. Wir spielen zuhause und wollen natürlich gewinnen."

Wolfsburg hat Europa League wieder im Visier

Dass das alles andere als leicht wird, wissen sie. Der Gegner ist - ähnlich wie Union - in starker Form. Vier Pflichtspiele in Folge haben die Wolfsburger zuletzt gewonnen. Zwei im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Malmö, zwei in der Bundesliga. Und so schielen die Niedersachsen wieder auf die internationalen Plätze. Aktuell fehlen zwei Punkte auf Schalke und damit auf den sechsten Platz. "Die haben ihre letzten Aufgaben wirklich souverän gelöst", sagt auch Union-Trainer Urs Fischer - und betont: "Es sind eine Menge Qualitäten, die sie mitbringen."

Wir unterhalten uns vor allem über seine Leistung. Aber natürlich: Wenn er uns den ein oder anderen Tipp über Wolfsburg gibt, nehmen wir den sehr gerne mit. Ob uns das hilft, werden wir am Sonntag sehen.

Urs Fischer über Yunus Malli

Einer, der sie bestens kennt, ist Yunus Malli. Der Deutsch-Türke - in dieser Woche 28 Jahre alt geworden - ist seit der Winterpause aus Wolfsburg nach Köpenick ausgeliehen, sprich: mit einer Menge Insider-Wissen ausgestattet. "Wir unterhalten uns vor allem über seine Leistung", sagt Fischer - fügt aber grinsend hinzu: "Natürlich, wenn er uns den ein oder anderen Tipp über Wolfsburg gibt, nehmen wir den sehr gerne mit. Ob uns das hilft, werden wir am Sonntag sehen." Malli darf dabei, im Gegensatz zu manch anderem Bundesliga-Spieler zuletzt, gegen seinen ehemaligen und vielleicht ja auch wieder künftigen Verein mitwirken.

Trimmel: "Noch mehr wert als der Aufstieg"

Die Eisernen wollen aber ohnehin auf sich selbst schauen. Ihr eigenen Stärken ausspielen. "Wir müssen wieder unser Gesicht zeigen", sagt der Trainer gleich mehrfach. Sein Kurz-Einblick in das Maßnahmen-Paket: Kompaktheit, gute defensive und offensive Organisation, Durchsetzungsstärke in Eins-gegen-Eins-Situationen und "Räume zu schließen, aber eben auch zu öffnen". Und das alles mit der perfekten Köpenicker Mischung aus Selbstvertrauen und Bodenhaftung. "Die Mannschaft ist in ihrem Verhalten sehr klar. Auch nach guten Spielen ist sie immer selbstkritisch. Ich habe nicht das Gefühl, dass jemand abhebt. Überhaupt gar nicht", sagt Fischer.

Spiel für Spiel - bis zum großen Ziel. Mit der Nüchternheit, die der Schweizer Coach so wie kein anderer vorlebt und verkörpert, wollen sie gegen die Wölfe die Punkte 30 bis 32 einfahren - und damit dem Klassenerhalt noch näher kommen. "Der ist für mich noch ein Stück mehr wert als der Aufstieg. Es ist mega anstrengend und eine mega Herausforderung", sagt Trimmel. Und lächelt das Lächeln eines mächtig stolzen Kapitäns.

Sendung: rbb UM6, 29.02.2020, 18.00 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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