Union-Trainer Urs Fischer. / imago images/Jan Huebner
Audio: Inforadio | 07.02.2020 | Simon Wenzel | Bild: imago images/Jan Huebner

Union gegen Werder - Fischers Fritzen bei bissigen Bremern

Zum Abschluss der Auswärtsspiel-Woche reist der 1. FC Union Berlin nach Bremen, ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf. Für Fußballpragmatiker Urs Fischer ist das direkte Duell aber kein Grund, sich Rechenspielen hinzugeben. Von Simon Wenzel

Von den internationalen Trainergrößen Pep Guardiola und Thomas Tuchel gibt es Geschichten, wie sie enthusiastisch Salzstreuer und andere kulinarische Utensilien über Restauranttische schieben und sich stundenlang über Fußball unterhalten. "Taktik-Nerds" oder "Fußballverrückte" werden die Trainer von Manchester City und Paris Saint-Germain in diesem Zusammenhang meist genannt. Ihr Fußball-Hipster-Status bringt ihnen sogar Foto-Shootings für "GQ" oder das "Zeit-Magazin" ein - im eleganten Zwirn und elitär verkopft wirkend.

Unions Trainer Urs Fischer ist von solchen Fotos oder Anekdoten weit entfernt. Dabei ist auch der tiefenentspannte Schweizer mit ziemlicher Sicherheit ein absolut enthusiastischer Fußballlehrer. Er ist allerdings weniger "GQ"-Cover und mehr Sepp Herberger. Denn hätte der ehemalige Bundestrainer den Satz "nach dem Spiel ist vor dem Spiel" nicht schon vor Jahrzehnten geprägt, Urs Fischer würde es jetzt tun.

Tabellarisch ist Union der Favorit

Nach Unions 1:0-Erfolg im Pokal beim SC Verl zum Beispiel saß der Lehrmeister der Eisernen noch bis Mitternacht mit seinem Trainerteam im Hotel zusammen - die Nach- und Vorbesprechung stand an. Nach Verl ist eben vor Bremen.

Nichts Geringeres werden seine Spieler von ihm erwartet haben. Torwart Rafal Gikiewicz sagte schon vor Wochen, in der Hinrunde, einmal: "Mit Urs Fischer haben wir immer einen Plan." Und der wird wieder nötig sein. Denn das Momentum vor diesem Spiel im Bremer Weserstadion hat sich in den letzten Tagen verändert: Tabellarisch sieht die Situation für Union noch immer komfortabel aus. Sechs Punkte Vorsprung haben die Berliner im Moment auf die kriselnden Bremer in der Liga. Punktet Union, könnten sie einen Konkurrenten im Abstiegskampf auf Abstand halten.

Bremen hat Selbstvertrauen gewonnen

Aber Bremen kommt mit einem positiven Gefühl aus der Pokalwoche: Die kaum vorhandene Chance im Pokal hat Werder genutzt und Borussia Dortmund mit 3:2 besiegt - das ersehnte Erfolgserlebnis. "Sie werden den Schwung vom Sieg gegen Dortmund mit ins Spiel nehmen", sagt Fischer und stellt fest: "Man hat in den Spielen zuvor gesehen, dass sie bereit für die Aufgabe sind, gegen den Abstieg zu spielen." Etwas, was nicht selbstverständlich ist für ein Team, das zu Saisonbeginn noch um die Europa League mitspielen wollte.

Auch Fischers Bremer Kollege Florian Kohfeld - übrigens ebenfalls keiner, den man in absehbarer Zeit auf einem Hochglanz-Cover finden wird - ist sich sicher, dass sein Team vom Pokalsieg profitieren kann. "Das war schon was Besonderes", gibt Kohfeld zu. Vielleicht auch deshalb, weil das Wort "Heimvorteil" im Bremer Wortschatz bis zum Dienstag eigentlich kaum vorkam. In der Liga sind die Grün-Weißen mit gerade einmal fünf Punkten das heimschwächste Team. Union allerdings ist mit genauso wenigen Punkten die zweitschwächste Auswärtsmannschaft - wer bösartig sein will könnte also sagen: Es bahnt sich ein Spiel auf niedriger Augenhöhe an.

Zerfahrenes Hinspiel mit drei Elfmetern

"Wir wollen es jetzt auch auswärts beweisen", sagt deshalb Unions Kapitän Christopher Trimmel. Auch wenn er findet, dass die Bilanz schlechter aussieht, als sie müsste. "Wir haben insgesamt auch auswärts keine schlechten Spiele gemacht." Wie das Spiel gegen "bissige" Bremer (Fischer) aussehen kann, davon haben die Köpenicker im Hinspiel einen Vorgeschmack bekommen. "Das war eines der nervigsten Spiele bisher", erinnert sich Michael Parensen an die 1:2-Niederlage im Stadion An der Alten Försterei. Mit drei Elfmetern und zwei Platzverweisen bot die Hinrundenpartie zwar einigen Gesprächsbedarf, aber wenige fußballerische Glanzpunkte.  

Damit dürfte auch jetzt nicht zu rechnen sein. Und das wird Urs Fischer völlig in Ordnung finden. Denn der Schweizer sieht das Ganze wie üblich sehr pragmatisch. Von einer besonderen Bedeutung dieses Spiels gegen den direkten Konkurrenten will er nichts wissen - auch wenn danach mit Leverkusen und Frankfurt die nächsten vermeintlich schwereren Gegner auf sein Team warten. "Natürlich ist das Spiel in Bremen ein wichtiges, aber das nächste gegen Leverkusen wird wiederum ein wichtiges sein und das darauf gegen Frankfurt wird auch wichtig. Das ist unsere Denkweise", stellt Fischer klar - und er meint das auch genau so. Schließlich wusste schon Sepp Herberger, sein Trainerkollege im Geiste: Das nächste Spiel ist immer das schwerste.

Sendung: rbb UM6, 06.02.2020, 18:15 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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