Marius Wolf tröstet Hertha-Teamkollegen Jordan Torunarigha. / imago images/Jörg Schüler
Audio: Inforadio | 05.02.2020 | Jan Wochner | Bild: imago images/Jörg Schüler

Pokalspiel auf Schalke - Zuschauer sollen Jordan Torunarigha rassistisch beleidigt haben

Es sind Vorfälle, die schwerer wiegen als das Pokal-Aus von Hertha BSC auf Schalke: Jordan Torunarigha soll aus dem Publikum rassistisch beleidigt worden sein. Das berichten Mitspieler. Demnach flossen Tränen beim Verteidiger - und er wollte das Feld verlassen.

Hertha-Verteidiger Jordan Torunarigha soll beim Pokalspiel der Berliner am Dienstagabend bei Schalke 04 rassistisch aus dem Publikum beleidigt worden sein. "Jordan hat mir erzählt, es gab rassistische Beleidigungen im Block, an dem er vorbei ist. Mit Affengeräuschen und sonst was", sagte Teamkollege Niklas Stark im ARD-Interview. Auch Trainer Jürgen Klinsmann äußerte gegenüber dem TV-Sender "Sky", es sei "mehrfach" dazu gekommen. "Das geht gar nicht."

Torunarigha wollte das Feld wohl verlassen

Demnach wollte Torunarigha Ende der zweiten Halbzeit den Platz verlassen. Das sagte Schalke-Stürmer Benito Raman. Der 22-Jährige habe "Rotz und Wasser geweint", berichtete Stark - und: "Egal in welchem Stadion, sowas geht gar nicht. Da stehen wir als Mannschaft, als Verein hinter Jordan."

"Jordan ist ein sehr emotionaler Spieler, das ist vielen bekannt", wurde Stark am Mittwoch auf der Webseite von Hertha BSC zitiert. "Aber was da auch aus den Rängen kommt, an Affengeräuschen und rassistischen Beleidigungen - tut mir leid, aber ich kann mir das nicht vorstellen. Wenn ich mich da auch nur ein bisschen hineinversetze, kommt mir schon alles hoch und ihn trifft es noch viel mehr", so Stark. Die ganze Bundesliga müsse hinter ihm stehen, sagte der 24-Jährige weiter.

Hertha sprach die Beleidigungen offenbar auch bei den Schiedsrichtern an. "Wir haben den Schiedsrichtern gesagt, dass sie ihn schützen müssen", sagte Klinsmann. In der Verlängerung - nach den Vorfällen - hatte Torunarigha dann nach einem unglücklichen Zusammenstoß mit Schalke-Trainer David Wagner die Gelb-Rote Karte gesehen (101.). Er hatte dabei eine Getränkekiste beim Aufstehen auf den Boden gefeuert. "Jordan ist ein emotionaler Spieler. Und das steigt ihm dann irgendwann zu Kopf", sagte Stark.

Schalke-Coach Wagner entschuldigt sich

"Wenn so Äußerungen getätigt werden, dass der Junge rassistisch beleidigt wurde, dann ist da in der Regel auch etwas dran", sagte Schalke-Coach David Wagner. "Ich selbst habe es nicht gehört, das muss ich ganz klar sagen. Nichtsdestotrotz möchte ich mich im Namen des FC Schalke 04 bei dem Jungen und auch bei Berlin dafür entschuldigen - weil wir alle wissen: Das gehört sich nicht."

Sendung: rbb UM6, 05.02.2020, 18:15 Uhr

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18 Kommentare

  1. 17.

    Jordan lass dich auf keinen Fall unterkriegen, die Herthaner werden immer geschlossen hinter dir stehen!
    Scheint wohl eine grundstimmung in diesem NRW Verein zu sein, siehe Tönnies.
    Schlimm dass es hier für Berlin keine Unterstützung gibt, bei jeder anderen Mannschaft wäre da sofort unterbrochen worden.
    Hoffentlich legt Hertha Protest ein und lässt das Spiel wiederholen.

  2. 15.

    Es gab im Nachgang zur Fußballübertragung die gezielte Frage an einen Journalisten, ob er bestätigen könnte, das es rassistische Äußerungen gegeben hätte. Die Antwort war klar und deutlich, weder er noch seine Kollegen die rund um das Fußballfeld verteilt waren konnten es bestätigen. Das bedeutet sicherlich nicht, das es nicht statt gefunden hat, aber auch nicht, das ein kompletter Fanblock dafür verantwortlich ist und nur dann kann der Unparteiische einschreiten. Die Zwischenrufe einzelner Idioten, die ich genauso verurteile, lassen sich aber leider nicht verhindern, da sind Fußballfans egal welcher Farbe, nichts anderes als ein Spiegelbild der Geselschaft.

  3. 14.
    Antwort auf [D. Schneider] vom 05.02.2020 um 14:02

    Nur, weil Oliver Kahn früher ähnliches passiert ist, heißt es nicht, dass es heutzutage okay ist, oder? Es war früher scheiße, es ist heute scheiße und wird auch in Zukunft scheiße sein. Was sich vielleicht gewandelt hat, ist die Empörung darüber. Und dass diese größer geworden ist, ist gut!!

  4. 13.

    Hinterher ist das Geschrei immer groß. Aber wenn alle dabei sind, macht keiner das Maul auf. Ist auch gefährlich, kriegt man von den Ultras sonst selber was auf die Kiemen. Wo sind da Ordnungsdienst und Polizei? Aber die schaffen es noch nicht mal ein Plakat zu kassieren, wenn Dortmunder mal wieder Hopp beleidigen usw..
    Insgesamt ein Problem aller Vereine, dass 50 % der sogenannten Fans genauso viel Luft im Kopf haben wie der Ball!

  5. 12.

    Das diese Beleidigungen stattfinden ist doch allen bekannt. Hört mit dieser gespielten Entrüstung auf. In jeder Kneipe in Berlin kann man diese Kommentare hören und in den Stadien mit zigtausend Leuten sowieso. Die Frage ist, was man in so einer Situation tut, wenn man anwesend ist und da kann man nur an die überwältigende Mehrheit von vernünftigen Menschen appellieren, sich zu positionieren und nicht wegzuhören oder gar zuzustimmen.
    Der eigentliche Skandal an der Geschichte mit Toru ist doch wohl der Schiedsrichter. Der wurde nämlich von den Herthaverantwortlichen schon vor Torus roter Karte informiert und gebeten, den Spieler zu schützen. 5 Minuten später gibt er dem Spieler Rot. Zuvor konnte man schon selbst im Fernsehen die Flut an Feuerzeugen sehen, die bei jeder Gelegenheit auf die Herthaner geschmissen wurden, auch das hat niemanden interessiert, trotz Anzeige beim Schiri. So wird man den Schiris niemals mehr Respekt entgegenbringen, weder bei den Profis noch sonstwo.

  6. 11.

    es gab Augen- und „Ohren“zeugen, die diese Vorfälle bezeugen. Der Schiri war von Hertha-Offiziellen informiert worden, hielt es erstaunlicherweise nicht für erforderlich, angemessen einzuschreiten. Hören Sie bitte auf, diesen Vorfall mit Ihren Aussagen zu verharmlosen.

  7. 10.

    Ja, klasse, Matthias!
    Ihnen und auch (Nr. 3) Andreas aus Berlin kann ich nur zu 100% zustimmen. Einfach widerlich solche Typen, im Sport, in der Öffentlichkeit und ggf. schlimmstenfalls im weiteren Bekanntenkreis - echt ekelhafte, eindimensionale Waschbretthirne.
    Nee, 'tschulljung! Waschbrett hat ja wesentlich mehr Profil / Windungen ;-)

  8. 9.

    Solche Äußerungen von Zuschauern sind verachtenswert und gehören bestraft. Zum Vergleich: in der National Football League gibt es so etwas nicht. Auch sind Ausschreitungen von Hooligans dort unbekannt. Die USA scheinen darin Europa weit voraus zu sein.
    Man sieht es geht auch anders!

  9. 8.

    @cosmopolitan..sehr gut beschrieben wie man das Problem lösen könnte..nämlich durch die Fans die daneben stehen und so etwas zulassen bzw eben nicht zulassen...schade nur weil Sie hier nur von Schalke sprechen denn als Stadionbesucher und Fan sehe und höre ich diese rassistischen Ausgrenzungen bei allen Buli Vereinen....und das ist doch das wirklich Traurige..die gesellschaftlich zunehmende Legitimation durch Wegsehen bzw Weghören derer die eigentlich anderer Meinung sind...rassistische Dummköpfe gibt es überall..traurig wenn keiner mehr Stopp sagt...und damit nonverbal mitsingt...Zustimmung durch Unterlassung.

  10. 7.

    Herr Osmers macht sich mitschuldig. Wer schweigt stimmt zu. Den Gelsenkirchener Anhang scheint das nicht zu berühren. Absolut unmöglich diese Leute hätten sofort herausgezogen werden müssen oder sollten sie von der schweigenden Mehrheit des FC Meineid gedeckt werden? Wir stehen hinter Dir Jordan: HAHOHE!!!

  11. 6.

    Unfassbar, leider hab ich das auch in der Ostkurve kürzlich erlebt beim Spiel Hertha-Dresden in der vorigen Pokalrunde, gegenüber Javairo Dilrosun, dem entgegengerufen wurde: "Steht auf du Neger", worauf ich dieser Person beinahe an die Wäsche gegangen wäre, was sicher auch keine sinnvolle Reaktion ist.
    Sinnvoll wären m.E. drakonische Strafen, die die Fans und den Verein hart treffen, dass die gezwungen werden ganz massiv gegen Rassismus präventiv vorzugehen, z.B. geeignetes Personal direkt in den Blöcken platzieren, Überwachung ausweiten, sofort Leute aus dem Block ziehen und bis auf weiteres sperren...und ja, das betrifft nicht nur Rassismus, sondern z.B. auch das Fehlverhalten einiger Personen im Herthablock beim Unionspiel in der Hinrunde. Sofort rausziehen und abstrafen.

  12. 5.

    Lächerlich was Sie hier verkünden, waren Sie dabei oder woher haben Sie Ihre Erkenntnisse? Sollten Sie tatsächlich vor Ort gewesen sein,warum sind Sie dann nicht eingeschritten?

  13. 4.

    Irgendwie mutet es schon sehr merkwürdig an, dass ausgerechnet Berliner Clubs aller Leistungsklassen von sogenannten Rassismus Skandalen betroffen sind. Gehen andere Vereine anders damit um oder ist die Hemmschwelle in Berlin niedriger als bei allen anderen Clubs?

  14. 3.

    Fußball interessiert mich nicht die Bohne und von Jordan Torunarigha hatte ich bis heute noch nie gehört...

    ...aber sowas geht gar nicht. An Jordan (falls er hier mitliest): Das ist ein krimineller Bodensatz der Gesellschaft, der nicht für die Mehrheit spricht. Bitte lass' Dich von solchen Faschisten nicht runtermachen. Die sind es nicht wert! (Auch wenn ich verstehe, dass es schwierig sein muss, mit einer solchen Anfeindung umzugehen.)

  15. 2.

    Es ist bezeichnend, dass offenbar ein ganzer Schalke-Block es zulässt, wenn mittendrin Rassisten den Ton angeben.
    Das ist so ziemlich der hässlichste Geruch, der einem Fußballverein anhaften kann:
    Auf Schalke werden schwarze Spieler und Athleten rassistisch beleidigt.

  16. 1.

    Ich weiß leider nicht mehr, in welcher Spielminute das war, aber in der zweiten Halbzeit gab es unter anderem eine Szene bei Sky zu sehen, wie ein Gelsenkirchen Zuschauer hinter dem Tor eine Handbewegung unterhalb des Kopfes macht, welche eindeutig aussieht wie Kopf ab...könnte ja vielleicht jemand mal bei Gelegenheit überprüfen. Ich kann mir leider derzeit keine Komplettwiederholung ansehen um herauszufinden in welcher Spielminute das war. Das empfinde ich schon irgendwie als Morddrohung... Da sollte man evtl. auch gegen vorgehen.

    Und für Jordan alles erdenklich Gute

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