Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann © dpa/Andreas Gora
Video: rbb spezial | 11.02.2020 | Christian Dexne, Dennis Wiese und Philipp Büchner | Bild: dpa/Andreas Gora

Verein von Entscheidung überrascht - Jürgen Klinsmann tritt als Trainer von Hertha BSC zurück

Jürgen Klinsmann ist als Cheftrainer von Hertha BSC zurückgetreten und hat damit am Dienstag sowohl den Verein als auch die Fans überrascht. Seine Entscheidung begründete er auch mit dem Wunsch nach mehr Kompetenzen.

Trainer Jürgen Klinsmann ist mit sofortiger Wirkung als Cheftrainer von Hertha BSC zurückgetreten. Die Nachricht hatte der 55-Jährige am Dienstag zunächst selbst auf seiner Facebook-Seite verbreitet, daraufhin bestätigten auch der Verein und Klinsmanns Management den Rücktritt. Klinsmann hatte das Amt des Cheftrainers erst im November übernommen - und war nur 76 Tage im Amt.

Hertha BSC äußerte sich etwa eine Stunde nach den ersten Meldungen um den Rücktritt auf der Vereinswebsite [herthabsc.de]. "Wir sind von dieser Entwicklung am Morgen überrascht worden. Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen. Über die weiteren Entwicklungen werden wir zu gegebener Zeit informieren", wird Manager Michael Preetz zitiert. Für weitere Stellungnahmen stand der Verein zunächst nicht zur Verfügung.  

In seinem Facebook-Statement bedankte sich Klinsmann zunächst bei den "Spielern, Fans, Zuschauern, Betreuern und Mitarbeitern von Hertha BSC für die Unterstützung". Allerdings benötige er als Cheftrainer das "Vertrauen der handelnden Personen". Dieses scheint der Weltmeister von 1990 zuletzt nicht mehr gespürt zu haben. "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente", heißt es in dem Statement weiter.  

Klinsmann wollte mehr Kompetenzen

"Es war keine Spontan-Entscheidung von mir. Ich habe schon länger das Gefühl, dass es in dieser Form nicht funktioniert", sagte Klinsmann in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. "Wir haben in den vergangenen Tagen deutliche Reaktionen und Anzeichen bekommen, dass
sich die angesprochene Situation nicht verbessert, sondern eher noch verschlechtert."

Der 55-Jährige begründete seinen Rücktritt unter anderem damit, dass er sich mehr Kompetenzen gewünscht hätte. "Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer - nach dem englischen Modell - die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power", sagte der frühere Bundestrainer.

"Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen"

Er werde Berlin verlassen, bleibe dem Klub aber als sportlicher Berater von Investor Lars Windhorst und als Mitglied des Aufsichtsrates erhalten.

Auf seine sportliche Bilanz blickt der gebürtige Göppinger positiv. "Ich habe ein Himmelfahrtskommando übernommen und habe nur in einem Spiel schlechter abgeschnitten als gehofft", sagte Klinsmann. "Dem Trainerteam ist gelungen, die Mannschaft zu stabilisieren und von der Abstiegszone wegzubringen. Ich bin sicher, die Jungs schaffen den Klassenerhalt. Und zwar souverän."

Performance-Manager Friedrich: "Es zieht ein Sturm über Berlin"

Vorerst soll Co-Trainer Alexander Nouri das Amt von Klinsmann übernehmen. Der 40-Jährige leitete am Dienstagmorgen bereits die erste Trainingseinheit. Performance-Manager und Ex-Hertha-Profi Arne Friedrich kommentierte die Entwicklungen am Rande der Einheit mit einem Lächeln: "Es zieht ein Sturm über Berlin." Noch am Montag hatte sich Jürgen Klinsmann in einem Facebook-Livestream den Fragen der Hertha-Fans gestellt.

Wollte Klinsmann einen neuen Vertrag?

Es verdichten sich die Informationen, Klinsmann habe trotz der anhaltenden Krisensituation in Berlin schnell auf einen langfristigen Vertrag gedrängt. Die Verantwortlichen von Hertha BSC wollten dagegen offenbar erst die Entwicklungen der kommenden Wochen abwarten.

Nach dem Training äußerte sich auch Mittelfeldspieler Marko Grujic zu Klinsmanns Entscheidung. "Er sagte, dass er nicht länger der Trainer sein wird. Wir waren alle verwundert", erklärte der 23-Jährige. "Er sagte, dass es für ihn eine tolle Aufgabe war und dass er diese Entscheidung treffen musste. Nach den zwei freien Tagen hatten wir Spieler uns eigentlich auf eine neue Trainingswoche vorbereitet", machte auch Grujic die Überraschung über den plötzlichen Abgang des Trainers deutlich.

Klinsmann als engster Windhorst-Vertrauter

Klinsmann stand in neun Bundesliga-Partien als Trainer der Blau-Weißen an der Seitenlinie, in denen er zwölf Punkte holte. Er hatte das Amt von Ante Covic übernommen, der trotz großer Ambitionen zu Saisonbeginn mit der Mannschaft in den Abstiegskampf der Bundesliga gerutscht war. Doch auch Klinsmann konnte den Verein nicht in ruhigere Gefilde führen - auch trotz fast 80 Millionen Euro Ausgaben für Wintertransfers.

Klinsmann gilt im Verein als engster Vertrauter von Investor Lars Windhorst, der im Juni letzten Jahres bei Hertha eingestiegen war. Windhorst äußerte sich gegenüber der "Bild"-Zeitung enttäuscht über Klinsmanns Entscheidung: "Ich habe am Montag von der Entscheidung erfahren. Ich bedauere diesen Schritt von Jürgen Klinsmann sehr." Der 43-jährige Unternehmer möchte den Hauptstadtverein als "Big City Club" durch seine Zahlungen mittelfristig in die Champions League führen.

Die aktuelle Realität sieht hingegen anders aus: Nach 21 Spieltagen findet sich Hertha mit nur sechs Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz auf dem 14. Rang in der Tabelle wieder - am Wochenende gab es eine ernüchternde 1:3-Heimniederlage gegen den 1. FSV Mainz 05. Zuletzt war der Verein zudem im Achtelfinale des DFB-Pokals beim FC Schalke 04 (2:3 n.V.) ausgeschieden.

Sendung: Inforadio, 11.02.20, 11:15 Uhr

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95 Kommentare

  1. 95.

    Es ist unglaublich wie sich dieser Klinsmann ,egal wo er als Trainer verpflichtet wurde,benimmt.
    Er will immer die gesamte Macht,am liebsten ohne das es ein Kontrollorgan gibt und er machen kann was er will,nur genügend Geld muß für ihn bereitgestellt werden,für seine mehr als merkwürdigen Ideen.
    Als Trainer hat er noch nie etwas gerissen,da er nur für die Gespräche und nicht für das Training verantwortlich ist.
    Als er seinen sturen und fordernden Willen nicht durchsetzen konnte,hat er gestern hingeschmissen und man muß froh sein,da dieser Mann sonst noch viel mehr Schaden angerichtet hätte.

  2. 93.

    um eine feindliche Übernahme zu verhindern, gibt es glücklicherweise die 50+1 Regelung. Daher kann der Investor bei Hertha auch nur weniger als 50% der Anteile halten. Insofern Glück gehabt Hertha.

  3. 92.

    um eine feindliche Übernahme zu verhindern, gibt es glücklicherweise die 50+1 Regelung. Daher kann der Investor bei Hertha auch nur weniger als 50% der Anteile halten. Insofern Glück gehabt Hertha.

  4. 91.

    Nun hat der FCB ja doch die direkte Chance ,sich den zweiten Polen mit ins Boot zu holen ,lange wird der sicher nicht bei Hertha bleiben ,als gut (teuerer Einkauf von Klinnsi) verdienender ,...hmm

    Irgendwie waren die ja mal scharf auf den ?

  5. 90.

    Ein Schelm wer Böses dabei denkt, mal eben in ein paar Tagen 80 Mio ausgegeben, um eine noch größere Abhängigkeit zum Investor herzustellen. Eine mögliche Loslösung seitens des Vereins vom Investor wird nicht oder nur schwer möglich sein, denn dieses Geld kann ja gar nicht zurückgezahlt werden! Ich glaube an einen Versuch der handelnden Personen, eine schnelle Übernahme des Vereins zu realisieren. Augen auf und konzentriert Gegenhalten. Ohne diese 80 Mio Ausgaben, wäre der Jürgen bestimmt noch hier......

  6. 89.

    Warum überrascht mich das jetzt nicht mit dem Rücktritt? Erst alles umkrempeln wollen, Sunnyboy , und dann,wenn es nicht läuft, davonrennen oder einer möglichen Talfahrt und Kündigung vorwegnehmen. In der Nationalmannschaft musste ernichts beweisen bzw. hatte Jogi Löw und bei Bayern kennen wir den Ablauf und das Endergebnis auch.... Bin mal gespannt, ob er im Aufsichtsrat sein Mütchen an allen kühlt. Gottseidank ist er als Trainer weg. Ich vermisse ihn nicht.

  7. 88.

    Berlin ist eben doch nur Provinz und Hertha der Provinz-Klub. Nur das Olympiastadion ist ein paar Nummern zu groß, für die Provinz. Und nicht, das noch der letzte Hertha-Fan abhaut.

  8. 87.

    Grüß Gott. Weshalb Sie den FCB nun als größenwahnsinnig bezeichnen ist mir unklar, außer Sie sind ein Blauer... Der FCB ist der einzige Verein der BL, der international mithalten kann. Und finanziell im Verhältnis zu anderen Vereinen hervorragend dasteht. Grüße an meine Heimat aus Berlin.

  9. 86.

    Der Macher Preetz sollte den „Pelé“ Wollwitz aus Magdeburg holen. Ich Cottbus war der arme Kerl unterfordert und Hertha-Sohn Maik Franz hat ihn geholt um die dritte Liga zu rocken. Ergebnisse: Kicker. Das ist eine Suppe..... Sport frei!

  10. 85.

    Ob der Größenwahnsinn bei den Bayern noch ausgeprägter ist, sei mal dahingestellt. Sicher ist aber, dass er bedeutend erfolgreicher ist.

  11. 84.

    Statt Klinsmann hätte lieber der Provinztrainer Preetz seine Koffer nehmen sollen und der restliche Provinzvorstand gleich mit.

  12. 83.

    Wenn Klinsmann jetzt schon einen "führungslosen Haufen" hinterlässt dann muss man sich schon fragen, was wäre passiert, wenn er einmal ein paar Wochen ausgefallen wäre. Sein Anspruch ist konträr zu seinem Können als Trainer. Er wird den deutschen BL- Fussball nicht so reformieren können, wie er das gerne hätte. Er ist eben ein Träumer.

  13. 82.

    Klinsmann & Windhorst = feindliche Übernahme eines Bundesligaclubs!!! Du willst Aufsichtsrat mitglied bleiben... Berliner sind direkt: hau ab! Berlin braucht Dich nicht, für dieses Geld kommen 100 Berater aus Wedding! Windhorst Club boykottieren!

  14. 80.

    Gut das Berlin Eisern Union hat !!!

  15. 79.

    Hallo,
    die Ratten verlassen das sinkende Schiff !!! Schade , die Millionen für neue Spieler sind wohl aus dem Fenster geworfen worden. Warum müssen auch diese jungen Leute tausende von € im Monat verdienen ???
    Die sind ja noch zu blöd um einen Nagel in die wand zu bekommen ! Schmeißt diesen Herrn K. auch aus dem Aufsichtsrat. Was will der eigentlich bei Hertha und in Berlin ? Nur absahnen ! Berlin hat ihn doch sonst auch nicht interessiert .

    Hertha braucht einen Trainer , der diese Millionärsspieler mal wirklich in den noch so jungen Hintern tritt !!!
    MfG
    Werner MV

  16. 78.

    Solange der Sumpf bei der Hertha nicht aus getrocknet wird, Hat in Berlin der Fußball keine Chance bestes Beispiel
    1860 München. Das heißt im Klartext, Herr Preetz, Manager und das ganze Präsidium in die Wüste schicken. Und ganz handwerklich neu anfangen. Hört sich für die Fans am Anfang bescheiden an macht aber für den Verein wie Hertha BSC
    Sinn.
    Schöne Grüße aus Bayern da ist der Größen Wahnsinn noch aus geprägter. (FC Bayern)
    Wünsche euch ein gutes Gelingen.

  17. 77.

    Schau Euch die Herren - Mitglieder des Aufsichtsrates an, was für Lebensläufe und Mitgliedschaften, dazu noch Gegenbauer und Klinsmann, das muss Misserfolg bringen, BSC ein Mogelpackung und das seit vielen Jahren.... aber Gelder und Provisionen fließen....

  18. 76.

    Glück gehabt Hertha. Der FCB war schon mit einem guten Kader einfach zu viel für Klinsmann. Bei Hertha war er noch mehr gefordert... bzw. überfordert.

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