Jürgen Klinsmann geht die Treppen zum Olympiastadion hinauf (Quelle: imago images/ActionPictures)
Video: rbb spezial | 11.02.2020 | Christian Dexne, Dennis Wiese und Philipp Büchner | Bild: imago images/ActionPictures

Reaktionen auf Klinsmann-Rücktritt - "Jürgen Klinsmann wollte zu viel zu schnell"

Mit seinem Rücktritt hat Jürgen Klinsmann am Dienstag den Verein, die Fans und die Fußballwelt überrascht. Hertha-Urgestein Axel Kruse und Abwehrspieler Maximilian Mittelstädt äußerten sich im rbb Fernsehen. Besonders Kruse zeigte wenig Verständnis.

Die Nachricht von Jürgen Klinsmanns Rücktritt als Hertha-Cheftrainer am Dienstagvormittag kam unerwartet. Noch am Montagabend hatte sich der 55-Jährige in einem Facebook-Livechat den Fragen der Hertha-Fans gestellt und sich insgesamt zufrieden mit der Entwicklung der letzten Wochen gezeigt.

Kruse kann plötzlichen Rücktritt nicht nachvollziehen

"Gestern hat er bei Facebook noch alles gelobt und ist total zufrieden und heute heißt es, 'nach langer Überlegung, habe ich mich entschieden, aufzuhören'. Das passt für mich alles nicht zusammen", sagte Ex-Herthaner Axel Kruse im rbb spezial - und vermutet eine "Kurzschluss-Reaktion" bei Klinsmann.

Er könne Klinsmanns Entscheidung nicht nachvollziehen, schließlich habe man ihm mit den vielen teuren Winterneuzugängen "jeden Wunsch erfüllt". Im Hintergrund habe man allerdings gehört, "dass es um einen neuen Vertrag und um neue Kompetenzen ging", erklärte Kruse. "Die Vereinsführung hat gesagt 'Da warten wir erstmal ein bisschen ab und gucken, wie die Entwicklung ist', was ja völlig normal ist."

"Ich kann doch nicht mitten in der Rückrunde einfach nach Hause gehen"

Klinsmann habe offenbar mehr Kompetenzen und Vertrauen von Seiten der Vereinsführung gewollt. Aber: "Selbst wenn es irgendwelche Unstimmigkeiten gegeben hat im Hintergrund, dann kann ich doch nicht mitten in der Rückrunde einfach mal nach Hause gehen. Das ist unverständlich. Ich war heute Morgen so schockiert und kann das Ganze überhaupt nicht nachvollziehen", so Kruse.

Auch Hertha-Spieler Maximilian Mittelstädt zeigte sich am Dienstag im rbb Bolzplatz noch immer überrascht von der Entscheidung Klinsmanns. "Ich glaube, keiner hat heute Morgen beim Aufstehen damit gerechnet, dass der Trainer ein paar Stunden später seinen Rücktritt bekannt gibt", sagte Mittelstädt. "Das ist für uns natürlich auch keine einfache Situation. Es ist natürlich seine Entscheidung gewesen. Wir Spieler haben auch nicht wirklich mitbekommen, was da jetzt im Hintergrund noch passiert ist."

"Aus der Sicht von heute war es sicherlich ein Fehlgriff"

"Aus der Sicht von heute war es sicherlich ein Fehlgriff", äußert sich Kruse rückblickend zu der Verpflichtung von Klinsmann Ende November. "Aber ich habe es eigentlich nicht so gesehen. Ich habe mich eigentlich gefreut: Die Strahlkraft von Jürgen Klinsmann und die Kompetenz von Michael Preetz – ich habe gedacht, das könnte gut zusammenpassen." Die Fülle der Veränderungen habe seiner Meinung nach mit zu seinem Rücktritt beigetragen. "Jürgen Klinsmann wollte zu viel zu schnell. Ich glaube, er hat auch ein bisschen die Hierarchie in der Mannschaft zerhackt."

Dass Jürgen Klinsmann "charakterlich so daneben liegt, einfach die Flinte ins Korn schmeißt und sagt 'Ich geh jetzt mal nach Kalifornien, das war‘s jetzt für mich1", das habe aber auch Preetz nicht wissen können, sagte Kruse.

Sendung: rbb spezial, 11.02.2020, 18 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Ich kann es nicht mehr hören man kann ja auch alles und jeden meckern, aber warum wird nicht auf den Spielern rumgehackt?
    Die sind dafür hauptsächlich verantwortlich verdienen sehr gutes Geld, von den Personalkosten her sind wir da beim 8. besten Kader der Liga und rumpeln solch einen Fußball zusammen, sollten sich echt schämen die Spieler.
    Und Druck haben alle Vereine, das sollte jetzt keine Ausrede mehr sein!

  2. 10.

    Ich bin ganz Ihrer Meinung! Die Führung erkennt dies leider nicht, wie lange soll der Prozess dauern? Der Unterschied ist deutlich auf dem Platz zu erkennen. Aktuell kann der Verein leider das Niveau nicht halten...auch in der Zukunft nicht.

  3. 9.

    Klinsmann hatte erkannt, dass sich bei Hertha schnellstmöglich radikal vieles ändern muss, will man a) die Klasse halten und b) eine erfolgreiche Zukunft angehen. Das Vereinsmanagement und die Spieler haben das nicht. Daraus ergab sich sein Schritt als logische Konsequenz. Es zeichnet eine Persönlichkeit wie Jürgen Klinsmann aus, diesen offensichtlich unlösbaren Konflikt rasch erkannt zu haben.

  4. 8.

    Wer so selbstverliebt ist, kann das Chaos, dass er selber zu verantworten hat, nicht überblicken.
    Freuen wir uns auf neue Perspektiven, die zu diesem Verein, dieser Stadt und vorallen zu unseren Spielern passen.

  5. 7.

    Die gekauften Spieler bleiben ja. Klinsmann nimmt sie nicht mit. Insofern wird die Mannschaft nicht absteigen. Alles andere ist Blödsinn. Bleibt die Trainerfrage als Problem. Preetz hat sicher eine gehörige Mitverantwortung in selbiger. Der Gedanke an Dardai, der mit einer schlechteren Qualität im Kader, respektable Ergebnisse geliefert hat, erscheint jetzt in noch glänzenden Licht. Man denke er hätte den aktuellen Kader zur Verfügung. Was wäre da möglich. Doch diese Option ist allein schon durch Preetz verbaut. Kovac wird nicht kommen und einen starken Trainer zu finden, wird nicht leicht. Gerade deswegen, weil der dann noch die zukünftigen Ansprüche bedienen soll. Jetzt schlagen natürlich alle drauf. Aber, da muss man jetzt durch und aus dieser Erfahrung tatsächlich auch lernen. Dann kann man stärker daraus hervorkommen , als zuvor. Nur jetzt nicht wieder in die Belanglosigkeit zurückziehen, sondern vorwärts verteidigen. Dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn .. Hahohe

  6. 6.

    Ich habe mich schon gewundert dass er den Job angenommen hat. Wohnort Kalifornien und finanziell unabhängig ?
    Da kommt der " große Zampano " und alle müssen nach seiner Pfeife tanzen. So geht es nicht !
    Und so einfach nach sehr kurzer Zeit hinzuwerfen ist peinlich und völlig unsportlich.

  7. 5.

    So wie unter Covic? Ach, bei dem hat er ja auch nicht gespielt. ;-) Man kann Klinsmann sicher einiges vorwerfen und krisieren, aber Kalou und Duda waren vor Klinsmanns Engagement schon keine Leistungsträger mehr.

  8. 4.

    "Die Strahlkraft von Jürgen Klinsmann und die Kompetenz von Michael Preetz"
    Jetzt gilt grinse schon als Strahlkraft und debil gucken als Kompetenz, interessant

  9. 3.

    Na ja,

    interessiere mich noch nie für Fußball und andere Spießer-Sachen.

    Aber irgendwie sieht er wie ein Langweiler aus.
    Also nicht Schade.

    Berlin braucht dich nicht.



  10. 2.

    Hupsi, den Elfer verstolpert.... wie blöd ist das denn?
    Pssst.... das geht KanzlerkandidatInnen bisweilen auch so ;-) kurz vorm Tor abbiegen...

  11. 1.

    Vielleicht darf jetzt Kalou auch wieder glänzen.

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