Helmut Recknagel bei den Olympischen Spielen 1964 (Quelle: imago images/Horstmüller)
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Helmut Recknagel feiert 60-jähriges Jubiläum - In Superman-Pose zum Olympiasieg

Mit den Armen voraus flog Helmut Recknagel 1960 bei den Olympischen Spielen in Squaw Valley zu Gold. Der inzwischen 82-Jährige war der erste deutsche Olympiasieger von der Schanze. Nun jährt sich sein historischer Erfolg zum 60. Mal.

Wenn Helmut Recknagel von seinem Olympiasieg im Skispringen erzählt, blüht der mittlerweile 82-Jährige mit den kurzen weißgrauen Haaren auf. Ja, es sprudelt förmlich aus ihm heraus. Als wäre es gestern gewesen, berichtet er von jenem 28. Februar 1960.

"Wir haben natürlich angestrebt, eine Olympische Medaille zu erkämpfen. Wir hatten einen herrlichen Tag, Sonnenschein, die Schanze war gut präpariert", erinnert er sich. "Ich habe mir als Ziel gesetzt, in die Phalanx der Nordländer einzudringen und möglichst die Vormachtstellung der Norweger zu brechen", sagt Recknagel.

"Stehe ich den Sprung, gewinne ich"

Eine riesige Aufgabe. Denn die ersten sechs Olympiasiege gingen alle nach Norwegen, 1956 siegte ein Finne. "Es war mein Ziel, einmal bei Olympischen Spielen einen großen Sieg zu erreichen." Mit der Startnummer 44 nahm der damals 22-Jährige dann Anlauf. Mit den Armen voraus, fast schon in einer Art Superman-Pose, flog Recknagel im ersten Durchgang auf 93,5 Meter.

Den neuartigen Flugstil hatte der junge Deutsche perfektioniert. Und so wusste er vor dem entscheidenden Sprung: "Stehe ich den Sprung, gewinne ich, weil er weit war. Stehe ich den Sprung nicht, habe ich verloren." Doch Recknagel setzte einen sauberen Telemark in den Schnee von Squaw Valley und krönte sich zum Olympiasieger.

Punktabzug, wenn die Mütze fliegt

Für viele war das eine Sensation und zugleich Recknagels größter Erfolg - wenn auch nicht der einzige. "Ich habe fünf Mal ein Skifliegen gewonnen. Das wird nicht erwähnt, weil das in Vergessenheit geraten ist. Aber wenn man so will, hat das noch keiner gemacht", erzählt er. Auch die Vierschanzentournee, einer der prestigeträchtigsten Wettbewerbe im Skispringen, gewann er drei Mal. 

Helm? Brille? Gummierter Anzug? All das gab es damals noch nicht. Im Baumwollhemd stürzten sich die Skispringer die Schanze hinunter. Doch Recknagel beschäftigte ein ganz anderes Accessoire. "Ich bin manchmal ohne Kopfbedeckung, also ohne Mütze gesprungen, denn wenn man eine Mütze verliert, gab es von jedem Kampfrichter einen halben Punkt Minus. Heute ist das alles moderner", sagt er.

Helmut Recknagel (Quelle: rbb)Helmut Recknagel wurde vor 60 Jahren erster deutscher Olympiasieger im Skispringen.

Skispringen begeistert ihn noch heute

Heute lebt Recknagel in Berlin und noch immer lässt ihn der Sport nicht los. Er verfolgt die Wettkämpfe, kennt die heutigen Überflieger - und auch ihre Schwachstellen. "Der heutige Ski ist, wenn man so will, zu lebhaft, zu leicht. Bei der Landung ist die Druckverteilung auf die volle Skilänge nicht gegeben. Deswegen gibt es auch gehäuft Kreuzbandrupturen", analysiert er. Da kommt bei Recknagel der Veterinärmediziner durch. Nach seiner Karriere arbeitete er in Fürstenwalde, eröffnete später ein Sanitätshaus im Prenzlauer Berg. Und noch heute hält sich der ehemalige Amateursportler täglich mit morgendlicher Gymnastik fit. Denn die Leidenschaft für den Sport ist auch 60 Jahre nach seinem Olympiasieg ungebrochen.

Sendung: rbb UM6, 28.02.2020, 18 Uhr

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