Im Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha 2012 grätscht Peter Niemeyer gegen Düsseldorfs Thomas Bröker (Quelle: imago/Zimmermann).
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Interview | Ex-Herthaner Peter Niemeyer - "Das war die schwärzeste Stunde meiner Karriere"

Bengalos, Platzsturm, Tumulte: Peter Niemeyer war mittendrin, als Hertha BSC 2012 mit dem Abstieg in Düsseldorf einen bitteren Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte erlebte. Vor dem erneuten Duell der beiden Teams erinnert sich der Ex-Herthaner.

rbb|24: Hallo Herr Niemeyer, wir erreichen Sie gerade in einem Zug in London. Was machen Sie denn aktuell?

Peter Niemeyer: Ja, ich bin gerade unterwegs zum FC Arsenal und schaue mir dort die Akademie an. Und ich scoute auch und nehme ein paar Spieler unter die Lupe. Zurzeit bin ich bei Twente Enschede Leiter der Nachwuchsakademie und Assistenztrainer bei den Profis in Doppelfunktion.

Am Freitag spielt Ihr Ex-Klub Hertha bei Fortuna Düsseldorf, klingelt da was?

(atmet tief aus) Ja, das war ganz sicher die schwärzeste Stunde meiner Karriere. Nicht unbedingt das Spiel an sich, sondern das ganze Nachspiel. Das war schon extrem. Diese 90 Minuten und besonders das Nachspiel hatten es in sich.

Sie standen nach einer verkorksten Saison mit Hertha in der Relegation. Wie groß war der Druck?

Unheimlich groß! Jeder, der mal einen Abstiegskampf erlebt hat, weiß, was das für einen selbst, aber auch für die Leute drumherum bedeutet. Wenn man sich mit dem Verein identifiziert, weiß man, was da auf dem Spiel stand. Man muss dann versuchen, dem standzuhalten – das haben wir leider nur bedingt geschafft.  

Das Rückspiel bleibt mit diversen Unterbrechungen und dem chaotischen Ende mit einem verfrühten Platzsturm von feiernden Düsseldorfer Fans eher als Skandalspiel in Erinnerung. Wie sehen Sie aus heutiger Sicht auf diesen 15. Mai 2012?

Das war der Schlusspunkt einer komplett verkorksten Saison. Wir hatten im Jahr zuvor eine Mannschaft, die grandios aufgestiegen ist in die Bundesliga, obwohl da auch ein enormer Druck war. Aber in dem Jahr danach ist ganz viel schiefgegangen. Es fing mit Kleinigkeiten an, dann kamen mehrere Trainer und man kommt in einen Strudel, aus dem man sich nicht so richtig befreien kann.

Die Hauptdarsteller des Relegationsdramas 2012

Bei Hertha geht es aktuell wieder ziemlich turbulent zu. Wie intensiv verfolgen sie die Bundesliga und Hertha ganz konkret noch?

Total, weil Hertha bei mir im Herzen ist und mir die Bundesliga ganz viel gegeben hat. Ich freue mich immer, wenn ich die Zeit habe, mir die Bundesliga-Spiele anzuschauen. Und in Holland ist das natürlich auch total angesagt.

Haben Sie denn das 0:5 gegen Köln sehen können?

Ja, aber da wollen wir nicht mehr drüber reden oder? Natürlich ist das total bitter. Auch da merkt man einfach, wie Kleinigkeiten dazu führen, dass eine Mannschaft verunsichert ist und in einen gewissen Abwärtsstrudel gerät.

Gibt es denn etwas, das Sie der Mannschaft mit auf den Weg geben wollen?

Die Qualität bei Hertha ist da. Ich glaube, wenn man zusammensteht und versucht, sich von außen nicht groß beeinflussen zu lassen, bin ich davon überzeugt, dass man aus diesem Strudel auch wieder rauskommt.

Auf den nächsten Gegner Düsseldorf hat Hertha sechs Punkte Abstand, sollten sie das Spiel verlieren, wären es nur noch drei. Umgekehrt könnte Düsseldorf auch rechnerisch zu einem Befreiungsschlag werden. Kann Hertha da vielleicht eine Art "neue Düsseldorfer Geschichte" schreiben - oder ist das übertrieben?

Der Bogen wäre ein bisschen zu weit gespannt. Aus dem damaligen Kader ist jetzt nur noch Thomas Kraft dabei. Wir haben unsere Genugtuung, wenn man das so sagen darf, schon in dem Jahr danach gehabt, als Düsseldorf wieder ab- und wir aufgestiegen sind. Ich glaube, das Kapitel muss man auch irgendwann mal abschließen. Natürlich ziehen da jetzt viele Vergleiche zu früher, aber man kann es auch als Chance sehen.

Als Sie 2015 nach Darmstadt gewechselt sind, haben Sie eine Rückkehr-Option für die Zeit nach dem Karriereende vereinbart. Gilt die noch?

Ja, die gilt noch. Ich habe mit Michael Preetz darüber gesprochen und wir haben vereinbart, dass ich vorerst im Ausland in unterschiedlichen Positionen Erfahrungen sammle und mein Profil dadurch enorm schärfe. Diese Möglichkeit gibt mir Twente Enschede gerade, aber ich freue mich schon auf eine spannende Aufgabe bei Hertha.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Philipp Büchner, rbb Sport.

 

Sendung: rbb UM6, 28.02.2020, 18 Uhr

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