Union-Spieler Christian Gentner (Quelle: imago images/Camera 4)
Audio: Inforadio | 28.02.2020 | Stephanie Baczyk | Bild: imago images/Camera 4

Interview | Union-Spieler Christian Gentner - "Dass es 400 Spiele werden, war damals nicht abzusehen"

Christian Gentner feiert bei Unions Heimspiel am Sonntag gegen Wolfsburg ein Jubiläum: Der Mittelfeldspieler bestreitet sein 400. Bundesliga-Spiel. In Feierlaune gerät er deshalb nicht, erinnert sich aber an einen ganz besonderen Anruf zurück.

rbb|24: Christian Gentner, wie hart erkämpft war dieser Sieg in Frankfurt am Montagabend?

Christian Gentner: So wie jeder Punkt, den man in der Bundesliga holen will, erkämpft sein muss, war es auch gegen Frankfurt. Wir waren sehr gut vorbereitet und haben das auf den Platz gebracht, was uns in den letzten Wochen und Monaten ausgezeichnet hat. Und wir haben die Chancen, die sich uns durch Fehler oder Missverständnisse des Gegners geboten haben, effektiv genutzt.

Dann schauen wir jetzt mal nach vorne. Wie sehr sind Sie denn schon in Jubiläumslaune?

(lacht) Ja, noch gar nicht. Ich weiß, dass das in den letzten Tagen ein bisschen aufgekommen ist, weil das 400. Bundesliga-Spiel von mir ansteht, sofern ich am Sonntag auflaufe. Ich bin gar nicht in Feierstimmung und bin auch keiner, der Bilanz ziehen möchte, weil ich ja am Sonntag auch nicht aufhören möchte mit dem Fußballspielen.

Trotzdem erinnert man sich vielleicht auch ein bisschen zurück. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Einsatz? Das war 2005 für den VfB Stuttgart gegen Hertha BSC. Was ist da hängengeblieben?

Ja, eine ganze Menge. Der erste Bundesliga-Einsatz ist, glaube ich, schon etwas, wo du doch ein paar Momente im Kopf behältst. Es war für mich total unerwartet an dem Tag, weil ich ursprünglich gar nicht für den Kader vorgesehen war. Matthieu Delpierre hatte sich am Spieltag krankgemeldet und der damalige Co-Trainer unter Matthias Sammer, Günther Schäfer, hatte mich angerufen beziehungsweise meine Eltern, weil ich noch zu Hause gewohnt habe.

Die haben mich dann geweckt und gesagt, ich sollte doch bitte zum Mittagessen rechtzeitig im Mannschaftshotel sein. Da ist es dann trotzdem so, dass du nicht davon ausgehst, dass du ein paar Stunden später deinen ersten Bundesliga-Einsatz machst. Dann weiß ich gar nicht mehr, ob Cacau angeschlagen war. Auf jeden Fall war es dann so, dass ich ungefähr in der 80. Minute an die Bank gerufen wurde. Dann geht es natürlich schon schnell. Du realisierst ein paar Tage später, dass damit ein erster wichtiger Schritt gemacht ist. Dass es dann 400 Spiele werden, war damals natürlich noch nicht abzusehen.

Mittlerweile zählen Sie zu den erfahrenen Spielern im Team. Erinnern Sie sich noch, wie es am Anfang war, als junger Spieler in eine Mannschaft zu kommen?

Ich weiß noch, dass wir einen Zeugwart hatten, der sich um alles und jeden immer gekümmert hat, so gut es geht. Man hat mir und generell den jungen Spielern schon versucht, das Eingewöhnen so leicht wie möglich zu machen - ohne, dass man irgendetwas geschenkt bekommt. Es gab schon eine klare Hierarchie. Dass ich da in die Kabine kam und gleich angefangen habe mit Scherzen, das war bei mir nicht der Fall.

Christian gentner und Mario Gomez bei der Meisterfeier des VfB Stuttgart (Quelle: imago images/Pressefoto Baumann)
Christian Gentner (links) und Mario Gomez feiern 2007 gemeinsam die Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart. | Bild: imago images/Pressefoto Baumann

Ich habe ein Bild mitgebracht, auf dem Sie zu sehen sind mit Mario Gomez nachdem Sie mit Stuttgart Meister geworden sind.

Das ist 2007 nach dem letzten Spiel der Autokorso vom Stadion in die Stadt. Der hat glaube ich vier Stunden gedauert. In den ersten zwei Stunden sind wir vielleicht 800 Meter weit gekommen. Das war unglaublich. Mario und ich hatten da zusammen ein Auto. Er ist nach wie vor ein Begleiter, ein guter Freund. Es sind ein paar Freundschaften entstanden, die über den Fußball hinaus gehen.

Zwei sicherlich ganz besondere Momente Ihrer Karriere waren die Meisterschaften, einmal mit Stuttgart und einmal mit Wolfsburg. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Die Deutsche Meisterschaft, vor allem die mit dem VfL Wolfsburg, hat für mich einen absolut hohen Stellenwert. Ich habe in der Saison nahezu alle Spiele gemacht. Dadurch hast du als Spieler in der Wahrnehmung auch eine besondere Wertigkeit. Auch in Stuttgart war es eine total überraschende Meisterschaft. Mit 19 Jahren war das für mich etwas ganz Spezielles, das so zu erleben. Da ist einfach auch eine Dankbarkeit, in solchen Mannschaften gespielt zu haben, die so Großes erreicht haben.

Christian Gentner feiert mit Wolfsburg die Meisterschaft (Quelle: imago images/Fishing 4)
Bierdusche und Meisterschale: Christian Gentner feiert den Titelgewinn mit Wolfsburg 2009. | Bild: imago images/Fishing 4

Was muss passieren, dass am Sonntag in Ihrem 400. Spiel drei Punkte obendrauf kommen und der 1. FC Union am Ende des Sonntags 32 Zähler auf dem Konto hat.

Wir müssen daran anknüpfen, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben. Das letzte Heimspiel gegen Leverkusen war glaube ich auch eine sehr, sehr gute Leistung der Mannschaft. Da haben wir uns nicht belohnt. Das ist schon was, was selbst nach dem Sieg in Frankfurt noch in den Köpfen ist. Das wollen wir zeigen, dass wir nicht nur uns, sondern auch die Fans mit einem Heimsieg wieder belohnen. Auch wenn wir wissen, dass Wolfsburg, obwohl sie in Malmö sind am Donnerstag (in der Europaleague, Anm. d. Red.), eine Mannschaft ist, die eine sehr gute Qualität hat und noch deutlich höher stehen könnte, als sie es momentan tut.

Viele Fans sagen, diese 29 Punkte, die Union schon hat, sind schon ziemlich krass. Das hätten viele nicht gedacht, dass es zu diesem Zeitpunkt so aussieht in der Tabelle. Was sind diese 29 Punkte gerade wert?

Ja, eine Menge, weil es eine super Ausgangsposition für die kommenden Wochen darstellt. Aber das Ziel ist noch nicht erreicht, das ist ganz klar. 29 Punkte sind sicherlich mehr, als wir vor der Saison zu dem jetzigen Zeitpunkt erwartet haben. Trotzdem wissen wir, wie schwer es ist, Woche für Woche einen oder drei Punkte zu holen. Es gilt einfach an dem festzuhalten, was wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben. Jetzt nichts zu verschenken, sondern weiter harte Arbeit reinzustecken und dann wollen wir am Schluss über dem Strich stehen. Die Richtung ist die Richtige.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stephanie Baczyk, rbb Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung.

Sendung: Inforadio, 28.02.2020, 12:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Gratuliere Ch. Gentner !!!
    Gehörte vor der Saison auch zu den vielen Skeptikern, die ihm solche Leistungen nicht mehr zugetraut hatten.
    Stand jetzt ,ist er aus unserem Spiel nicht mehr wegzudenken. Vielen Dank für das bisher geleistete und weiter so!

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