Jürgen Klinsmann, damaliger Trainer von Hertha, steht vor Spielbeginn im Stadion. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: rbb 88,8 | 26.02.2020 | Dennis Wiese | Bild: dpa/Soeren Stache

Internes Protokoll - "Lügenkultur": Ex-Trainer Klinsmann rechnet mit Hertha BSC ab

Nach dem überraschenden Rücktritt als Hertha-Trainer und Vorwürfen gegen die Vereinsführung teilt Jürgen Klinsmann weiter aus: In einem Protokoll, das der "Sport Bild" vorliegt, wirft er unter anderem Manager Preetz "katastrophale Versäumnisse" vor.

Eine Art Tagebuch über das Kurzzeit-Engagement von Jürgen Klinsmann rechnet in beispielloser Weise mit Hertha BSC ab. In dem internen Protokoll, das die "Sport Bild" in gekürzter Form abdruckte, werden massive Vorwürfe gegen den Club erhoben. Praktisch Tag für Tag wird darin geschildert, welche angeblichen Fehlleistungen sich die Hertha-Verantwortlichen in der kurzen Klinsmann-Ära leisteten.

"Katastrophale Versäumnisse"

Darin steht unter anderem: "Der Klub hat keine Leistungskultur, nur Besitzstandsdenken und es fehlt jegliches Charisma in der Geschäftsleitung." Zu den Beziehungen der Profis zu Manager Michael Preetz zitiert die "Sport Bild": "Es gibt eine Lügenkultur, die auch das Vertrauensverhältnis der Spieler mit Preetz zerstört hat." Zudem werden "jahrelange katastrophale Versäumnisse von Michael Preetz in allen Bereichen, die mit Leistungssport zusammenhängen" kritisiert. Auch berichtet Klinsmann, dass er in seiner damaligen Funktion im Aufsichtsrat eigentlich den ehemaligen RB-Leipzig-Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick für den Trainerposten im Auge gehabt hätte. Der hätte allerdings unmissverständlich mitgeteilt, dass es dazu in einer Konstellation mit Michael Preetz als sein Vorgesetzter niemals kommen würde.

Klinsmann ohne Selbstkritik

Fehler, die Klinsmann in seiner kurzen Zeit gemacht haben könnte, werden in dem Schreiben nicht thematisiert. Dagegen steht unter der Überschrift: "Was muss passieren, um diesen Klub wirklich nach oben zu bringen? Die Geschäftsleitung müsse sofort (fettgedruckt und
unterstrichen) komplett ausgetauscht werden."

Inwiefern der 55 Jahre alte ehemalige Fußball-Bundestrainer das Protokoll in Auftrag gegeben oder autorisiert hat, blieb zunächst unklar. Es soll sich um ein internes Papier für den Ex-Coach und dessen Partner handeln, das geleakt worden sein soll. Die Klinsmann-Seite wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochmorgen nicht weiter dazu äußern.

Präsident Gegenbauer weist Vorwürfe zurück

Präsident Werner Gegenbauer von Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat die Vorwürfe von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann unterdessen mit aller Schärfe zurückgewiesen. "Für uns sind weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Jürgen Klinsmann und seiner Berater Andre Gross und Roland Eitel nachvollziehbar", schrieb Gegenbauer in einer Mail an die Hertha-Mitglieder über das Dokument. Nahezu sämtliche darin enthaltende Vorwürfe würden "nicht der Wahrheit entsprechen", betonte Gegenbauer.

Der Präsident des Bundesligisten erklärte, dass man nun Zeuge werde, wie der ehemalige Trainer Klinsmann "abermals versucht, mit absurden Behauptungen seinen Rücktritt zu rechtfertigen". Ein Punkt des Rundumschlages von Klinsmanns ärgerte Gegenbauer besonders: "Die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen
Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück."

Herthas Manager Michael Preetz, der in dem Papier besonders häufig kritisiert wurde, kündigte am Mittwochmittag an, dass der Verein rechtliche Schritte prüfen werde.

Klinsmanns kurze Zeit bei Hertha

Hertha-Investor Lars Windhorst hatte den Stil Klinsmanns bei dessen Abschied mit deutlichen Worten kritisiert: "Das kann man als Jugendlicher vielleicht machen, aber im Geschäftsleben, wo man ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte man das nicht machen."

Klinsmann kassierte in der Liga mit der Mannschaft drei Niederlagen, schaffte drei Unentschieden und feierte drei Siege. Im DFB-Pokal schied er im Achtelfinale mit den Berlinern gegen den FC Schalke 04 aus. Am 11. Februar erklärte Klinsmann sein Engagement völlig überraschend wieder für beendet und stürzte den Verein nach ohnehin schon turbulenten Wochen und Monaten ins Chaos.

Hertha reagierte und sah auch keine Grundlage mehr für eine Zusammenarbeit mit Klinsmann im Aufsichtsrat. Dort hatte Investor Lars Windhorst Klinsmann zunächst installiert, ehe die Trennung von Covic den Weg auf die Trainerbank frei gemacht hatte. Seinen Rücktritt hatte Klinsmann bei Facebook erklärt und seinen Entschluss mit fehlendem Vertrauen begründet.

Sendung: Inforadio, 26.02.2020, 9:15 Uhr

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32 Kommentare

  1. 32.

    So was schäbiges wie die Art von Herr Klinsmann übertrifft ja vieles. Klein Club in Deutschland hat so etwas verdient.

  2. 31.

    Was hat eigentlich Lüge mit Kultur zu tun?

  3. 30.

    Kann die unsachliche Kritik an der Vereinsführung nicht verstehen. Wer was macht, macht auch Fehler. Wer nichts macht ...
    Wo waren die Kritiker als der Club in der BL vorn mitspielte? Also Ball mal flach halten.
    Zum Thema Klinsmann ist nichts mehr zu sagen. Da brauchte ICH keine 10 s für eine Meinung. So kam es dann auch.
    ... und es gibt noch so einen Herrn, der war mir in
    den 90 er schon unangenehm. Also liebe Tante lieber Erfolg durch ehrliche Arbeit und aufhören zu träumen.

  4. 28.

    Sicherlich haben Preetz und Gegenbauer Fehler gemacht, und sicherlich gibt es bei Herthas Altgedienten Verbesserungspotential. Aber nach der Nummer, die Klinsmann mit seinem Abgang abgezogen hat, ist er der Allerletzte, der das jetzt noch kritisieren darf. Er mag sich mal schön selber an seiner eigenen Nase spielen und sich vor allem Gedanken darüber machen, warum er sich nicht vorher informiert hat, auf wen und auf was er sich da einlässt.

  5. 27.

    Ich kann mir auch bessere Manager als Preetz vorstellen, aber Klinsmann gehört sicher nicht dazu. Und Preetz wird nicht der einzige sein unter dem Hr. Rangnick nicht arbeiten will. Lügenkultur? Da ist Klinsmann wohl der letzte, der sich dazu äußern sollte. Bei Hertha ist viel Luft nach oben. Aber bei Klinsmann ist kaum Luft nach unten. Weder fachlich noch menschlich ist dieser Typ ein Verlust.

  6. 26.

    Dedryck Boyata ist ein echter Gewinn für Hertha, bravo hierfür Michael Preetz. Hatte Klinsmann bestätigt und betont (einer der besten Verteidiger in Europa). Javairo Dilrosun ist heut schon 18 Millionen wert, er kam quasi für umme. Es gibt weitere Beispiele, Lazaro usw. Heute gibt es Anzeichen von Alzheimer bei Klinsmann, weiß wohl nix mehr von allem. Schon Irre was da so abläuft. Es gab sicher auch ein paar überflüssige Einkäufe, aber der ganz große Fehler von Michael Preetz war, Ante Covic zu installieren. So leid es mir tut, das wusste ich nach 10 Sekunden, dass das keine vernünftige Lösung nach Dardai für die Hertha ist. Ab da nahm alles sein lauf. Ich kann jetzt aber nicht verstehen, warum man Alex Nouri noch im Amt hält. Es geht überhaupt nicht darum, ob er gute oder weniger gute Arbeit macht. Es geht ausschließlich darum, Nouri und Preetz zu schützen. Sie müssten den vertrag - freundlich und im Einvernehmen - sofort beenden. Das ist eine sehr komplexe, unhaltbare Situation.

  7. 25.

    Klinsmann mag man werten wie man möchte, aber er hat mehr Erfahrungen im internationalen Fußball als das Gegenbauer/Preetz Ensemble, das die Grenzen Charlottenburgs nie verlassen hat. Es ist echt beschämend, was hier in Berlin durch die Vereinsleitung geleistet wird. Ich plädiere für einen Austausch des altgedienten Ensembles.

  8. 24.

    Ick steh seit 22 Jahren in der Ostkurve, und zwar ziemlich weit vorne. Aber was die Herren Klinsmann, Preetz und Gegenbauer hier abziehen, geht gar nicht. Ein Großteil von uns wünscht sich den Abgang vom “Familienclan Gegenbauer/Preetz. Der Verein jehört euch nicht alleine. Wir hoffen mal, dass der Windhorst bald seriöse und fähige Leute an Bord holt. Ansonsten gibt es ein fette Protestaktion. Was macht ihr Manager eigentlich, wenn wir in der Ostkurve beim Derby alle ROT anziehen. Langsam sehn wir nämlich rot.

  9. 22.

    Sie finden etwa 1 Prozent der Einwohnerzahl Berlins viel? Wenn man davon noch die tausenden anreisenden Gästefans, die Zugezogenen & Touristen die mal wieder ihren alten Heimatverein sehen wollen und die Alteingefleischten Nordwestberliner die da schon seit Jahrzehnten hingehen abzieht, kann man das Interesse am Club aus Charlottenburg bezogen auf ganz Berlin im niedrigen Promillebereich messen. Tendenz fallend.

  10. 21.

    Es ist auch wahrscheinlich besser, dass die Fans keine Ahnung haben.... sonst hätten Sie bestimmt nicht 50 € für eine Karte bezahlt. Viele Präsidenten und sg Manager sind nur Egomannen und verfolgen nur eigene Interessen und dann die sportliche Seite sieht so aus wie in Berlin Charlottenburg!

  11. 20.

    Dass der Klinsmann auch, allein schon mit seinem Abgang Fehler, gemacht hat ist klar. Aber mit seiner Meinung über Preetz hat er recht.Der Preetz hat doch seine Lebendsanstellung als Manager, von dem er keine Ahnung hat, doch nur erhalten da er damals als Spieler nicht den Verein verlassen hat. Wenn man ihn schon nicht rausschmeissen kann so sollte er doch, aus der angeblichen Liebe zum Verein, selbst zurücktreten. Mit ihm wird weiterhin Hertha weiterhin im Abstiegskampf da wird kein vernünftiger guter Trainer zu finden sein. Ich werde deshalb ein Eiserne Union Fan werden. Da ist bis im Vorstand Kampf- und Spielwille vorhanden.Diese Schlafpille Preetz nützt Hertha gar nichts.

  12. 19.

    Klinsmann = knallharte Geschäftsman mit Lächeln... aber, dass BSC wenig Struktur hat sehen die Fans seit Jahren, viel Geld wurde sinnlos ausgegeben, Spielerberater sind sehr willkommen aber eine Strategie was mit jungen Spielern aus Berlin und Brandenburg zu entwickeln fehlt. Private Interessen sind viel wichtiger als die blau - weiße Dame, der harte Ami - Schwabe hat nicht Unrecht....

  13. 18.

    Vielleicht weil sie Bundesliga mal live erleben wollen und bei Union kein Reinkommen ist. Das Interesse dort ist so groß, das bekanntlich eine Mitgliedschaft UND Losglück notwendig sind um ein Ticket zu ergattern.

  14. 17.

    Auch wenn der Abgang von Klinsmann schäbig war...ein Aufwachen bei der Hertha ist mehr als angebracht und ein überdenken ob die richtigen Person am Ruder sind ebenfalls. Ein „Weitermachen wie bisher“ kann und darf es nicht geben...

  15. 16.

    "Nun man hört aus internen Kreisen bei Hertha"

    Das klingt nach billiger Polemik.
    Da weiß jemand angeblich mehr als die Presse, die quasi erst heute die Info erhalten hat. Und dann hat er auch noch interne Informationen. Wer so viel Einblick in interne Kreise hat, sollte in den Aufsichtsrat wechseln oder bei der Presse anheuern.

  16. 15.

    In Mainz hetzen die Kommentatoren unqualifiziert über Trainer und Manager Schröder. Meistens sind die Fans und Kommentatoren aus dem gleichen Holz geschnitzt. Ich gehe davon aus, dass auch die meisten Hertha-Hetzer keine profunde Ahnung von Vereinsführung und Sport haben. Und wahrscheinlich noch nicht einmal selbst eine kurze Hose getragen haben.

  17. 14.

    Die Show, die Klinsmann da abzieht, ist m.E. schäbig. Wenn es Probleme zwischen Personen gibt, dann liegt die Wahrheit meist in der Mitte. Sich selbst von Schuld freizusprechen ist arrogant. Ich vermute, dass sich Klinsmann die Allüren eines selbstherrlichen Autokraten während seiner Zeit als Coach der US-Nationalmanschaft angeeignet hat. Dort hat er als Alleinherrscher versucht, den Verband auf den Kopf zu stellen. Klinsmann hatte sich damals allen vorhandenen Strukturen widersetzt.
    PS:
    Charisma kann man nicht verordnen. Charisma entwickelt sich im Laufe eines Wirkens. Welche Person mit Charisma hätte denn Klinsmann gerne eingestellt? Keine Angaben!

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