Jürgen Klinsmann sitzt vor der Webcam und erzählt. (Quelle: Facebook/Jürgen Klinsmann)
Bild: Facebook/Jürgen Klinsmann

Zurückgetretener Hertha-Trainer im Livechat - Klinsmann: "Das betrifft in erster Linie mich und Michael Preetz"

Ex-Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann hat auf seiner Facebook-Seite über seinen Rücktritt gesprochen. Er begründet ihn mit Meinungsunterschieden über die Aufteilung der Kompetenzen - und äußert sich selbstkritisch. Auf die Fragen der Fans ging er nicht ein.

Es waren gerade einmal 13 Minuten, in denen Jürgen Klinsmann in einem langen Monolog auf seiner Facebook-Seite seinen Rücktritt erklärte. Die Art und Weise seines Rücktritts sei "fragwürdig" gewesen, räumte der 55-Jährige gleich zu Beginn ein. Und entschuldigte sich dafür bei den Fans.

"Ich hätte mir mehr Zeit lassen, mehr mit der Hertha-Führung reden und das Ganze nochmal aufarbeiten  sollen. Dann wäre es gestern früh vielleicht nicht zu dieser Aktion gekommen."

"Ich bin bis heute im vertragslosen Zustand."

Die Entscheidung für seinen Rücktritt habe sich allerdings schon "über ein paar Wochen hinweg entwickelt", sagte Klinsmann. Im Trainingslager in Florida habe er der Vereinsführung mitgeteilt, dass er sich einen längeren Verbleib in Berlin vorstellen könne.

"Aber ich bin bis heute im Prinzip im vertragslosen Zustand. Wir haben es leider nicht geschafft, einen Vertrag zu entwickeln, wo eine genaue Aufgaben- und Kompetenztrennung drin ist. Es ging um klare Kompetenzaufteilungen, und die haben wir nicht hinbekommen. Das betrifft in erster Linie mich und Michael Preetz." Dass Preetz als Manager ebenso nah dran gewesen sei an der Mannschaft, sei Klinsmann nicht mehr gewohnt gewesen. Ihm sei "unglaublich aufgestoßen", dass der Manager auf der Bank sitze und seine Kommentare abgebe.

"Das Geld war nie ein Thema und nie ein Problem."

In der Nacht vor der Bekanntgabe seines Rücktritt habe Klinsmann so gut wie nicht geschlafen, erzählte er. Noch angefressen von der Niederlage gegen Mainz habe er dann seinen Entschluss verkündet.

Die Gerüchte, dass auch Geld bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt hätte, dementierte Klinsmann. "Das Geld war nie ein Thema und nie ein Problem." Auch mit anderen Berichten, wie etwa den Problemen rund um seine Trainerlizenz, räumte er auf. "Meine Fußballlehrer-Lizenz war nie abgelaufen." Bei der kurzzeitigen Veränderung des Trainings in nicht öffentliche Einheiten fühlte er sich missverstanden. "Ich habe nur gesagt, dass sie nach 20 Minuten mal die Kameras einpacken sollen. Sonst ist unser Training immer live übertragen worden im Fernsehen."

Klinsmann überlässt persönliche Zukunft bei Hertha dem Verein

Von seiner Arbeit in den elf Wochen als Hertha-Trainer ist Klinsmann nach wie vor überzeugt. "Viele von Euch haben gesagt, ich hinterlasse jetzt ein Chaos. Das stimmt absolut nicht", so der 55-Jährige. Die Mannschaft habe sich stabilisiert und sei körperlich jetzt in einer ganz anderen Verfassung. "Ich bin absolut überzeugt, dass in drei, vier Wochen noch mehr Abstand ist auf den Relegationsplatz."

Wie seine persönliche Zukunft bei Hertha BSC aussehe, sei den Verantwortlichen des Vereins überlassen.

Auf die Fragen der Fans ging Klinsmann während der Live-Übertragung nicht ein.

Nouri übernimmt erstmal

"Dass es eine Menge Unklarheit und auch Unmut gibt, verstehe ich voll und ganz. Dem will ich mich stellen", hatte Klinsmann vor seinem Videochat in einem Facebook-Post angekündigt.

Bei der Bundesliga-Partie gegen den SC Paderborn am Samstag (15:30 Uhr) wird sein früherer Assistenztrainer Alexander Nouri auf der Trainer-Bank sitzen.

Sendung: Inforadio, 12.02.2020, 15:00 Uhr

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Bin Herthaner und Unioner (ja, gibt es). Im Moment würde ich echt sagen, wenn Sie guten Fußball wollen, gucken Sie bitte lieber nach Schottland... :(

  2. 16.

    Preetz hat mehrfach gesagt, dass er die Idee hatte, Klinsmann zum Trainer zu machen. Wenn man sich Klinsmann auf die Trainerbank holt, könnte man eigentlich wissen, was einen erwartet. Oder Preetz hätte mal bei Uli Hoeneß anrufen sollen. Daher war Preetz auch verantwortlich, nur wird er wieder an seinem Posten kleben. Wie immer. Favre, Skibbe, Funkel, Rehhagel, Babbel, Luhukay, etc haben ja noch nicht gereicht.

  3. 15.

    Herr Karl A.H. sie sprechen mir aus der Seele, ich verstehe das auch nicht, warum dieser Herr Preetz nicht mals zurecht gewiesen wird.

  4. 14.

    Dieses Verhalten nennt man unreif. Herr Klinsmann hat nur als Bundestrainer überzeugt. Da bekommt man von allen Klubs nach eigenem Gusto die Besten und muss nicht kämpfen. Als Ligatrainer völlig ungeeignet und enttäuschend. Schon beim FCB.
    Leider passt das Verhalten in unsere Zeit: Große Sprüche, nix dahinter - aber nebenher noch Absahnen, daß dem Durchschnittsfan das Konto platzt.

  5. 13.

    Klinsmann statt Preetz wäre vielleicht besser gewesen. Heißt jetzt nicht, dass Klinsmann unbedingt Trainer sein müsste.

  6. 12.

    Ich bin schon 76 Tage bei meinem neuen Arbeitgeber und habe immer noch nicht das Alleinige sagen. Klar, dass man da hinschmeißt.

  7. 11.

    Von Preetz mag man halten was man will. Aber das Klinsmann so eine traurige Figur macht, liegt nicht an ihm.
    Sein Abgang ist an Peinlichkeit und Gleichgültigkeit nicht zu überbieten! Hoffentlich hat er nicht zu viel Kohle abgezogen!
    Würde mich freuen, Herrn Klinsmann bald als verarmten D-Promi im Dschungel-Camp zu sehen.
    1. Aufgabe: 10 blaue Frösche essen. Hahohe, lecker!

  8. 10.

    Ich frage mich oft, hat Herr Preetz etwas in der Hand, dass die, die ihn entlassen könnten, es nicht tun? Die Hertha wird niemals einen kompetenten Trainer (auf längere Zeit) finden, wenn dieser nicht auf Dauer nach seinen Plänen arbeiten kann. Die daraus entstehenden Differenzen vergiften das Klima. Wie oft haben wir das in der Vergangenheit bereits gespürt und auf dem Platz erleben können. Hier wird ein Trainer nach dem nächsten verraucht, ohne Konsequenzen für den Sportdirektor. Das ist doch ein Unding!

  9. 9.

    Klinsmann ist abgehauen und Preetz ist schuld? Der hat wohl ein paar Clowns zuviel gefrühstückt! (Wieviel Tage war Bayern München eigentlich Tabellenerster, als Klinsmann dort Trainer war?)

  10. 8.

    Herr Preetz ist einfach eine Fehlbesetzung, so lange er da ist, wird sich Hertha nicht entwickeln.
    Allein der Wintertransfer vom Zweitligisten aus Stuttgart für 10 Millionen, Ascaibar oder wie der heißt, zeigt die Inkompetenz des Herrn Preetz. Genau auf dieser Position hat Hertha kein Problem.....der Fisch stinkt vom Kopf, das merkt man bei Hertha ganz deutlich.

  11. 7.

    Schon merkwürdig, das immer wenn es um negative Sachen und Planungen bei diesem Verein geht, der Name Preetz fällt. Unangenehm dieser Typ und das schon immer.

  12. 6.

    Ich bin der gleichen Meinung. Wenn die Personalie Michael Preetz nicht gelöst wird,ist es schwer Hertha wieder ins richtige Fahrwasser zu bekommen. Wie jeder weiß ist der Kopf des Fisches das Problem!

  13. 5.

    Bin Hertha Fan seit "Geburt". Habe mich NICHT gefreut wo Klinsmann Trainer geworden ist und bin nicht überrascht über der Art seine Ausscheidung.
    Von seine Trainerfähigkeiten war ich nie überzeugt. Von seine Verhalten jetzt? Er wäre als Trainer der F-Jugend bei uns nicht angenommen worden.
    Totale Fehlbesetzung und als Aufsichtsrat erst Recht.
    Schade für die Hertha.

  14. 4.

    Meines Erachtens hat JK sich wieder als das gezeigt, was er schon wiederholt getan hat: Ein großer Schaumschläger!
    Verbrennt viel Geld, um wenig Erfolg zu erreichen.
    Und Platz drei bei der WM 2006 hätte mit der Mannschaft jeder halbwegs gute Trainer erreicht.

  15. 3.

    Bei Hertha lag es nie am Trainer. Es lag immer an den Spielern bzw. an der Kaderzusammenstellung. Langsam macht Hertha Hamburg nach. So ein Verein ist gut in der zweiten Liga aufgehoben. Die Herren „daoben“ haben es noch nicht kapiert. Träume und Wirklichkeit.
    Herr Preetz sollte auch Platz für einen Neuanfang machen

  16. 2.

    Und jetzt noch Preetz weg, und man kann endlich mal wie Profis arbeiten.

  17. 1.

    Ich bin der Meinung Herr Michael Preetz hatte Angst um sein Posten.
    Er Sitz bei Hertha seit Jahren, er glaubt der ist unverzichtbar.
    Ich bin der Meinung er konnte nicht mit Jurgen Klinsmann zusammen arbeiten.
    JK wollte ein gute Mannschaft aus Hertha machen, aber Herr Preetz hat ihm nicht gelassen.
    Ich lebe in Berlin seit 1981 und war immer ein Hertha Fan. Ich komme aus Schottland und bei
    uns Sitzt der „Manager nie auf der Trainerbank. Aber Herr Preetz wollte sich nicht in den Karten gucken.
    Mit freundlichen Grüßen

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