Kai Haase fliegt mit seinem Motorrad durch die Luft. Bild: imago/Steve Bauerschmidt
Video: rbb UM6 | 20.02.2020 | Torsten Michels | Bild: imago/Steve Bauerschmidt

Motocross-Freestyler Kai Haase - "Nur ein bisschen verrückt"

Am Freitag fliegen in der Arena am Ostbahnhof die Motorräder - die "Night of the Jumps"-Tour gastiert in Berlin. Für Motocross-Freestyler Kai Haase ist das ein spezieller Tag. In seiner Heimatstadt will er überzeugen, auch wenn er seinen eigenen Trick anpassen muss.

Wenn alles klappt, läuft es so: Kai Haase fährt mit seinem Motorrad schwungvoll auf die hohe Rampe zu, katapultiert sich in die Höhe, segelt zehn Meter über dem Boden durch die Luft auf eine hochgefahrene Hebebühne zu. Mit dem Vorderrad landet er auf der Bühne, die Vorderbremse gezogen - das Motorrad beginnt vornüber zu kippen. Auf dem Weg hinunter machen Haase und sein Motorrad einen Vorwärtssalto, dann landet er auf dem Hang. 

"Früh angefangen, irgendwelche Faxen zu machen"

"Bonk Frontflip" nennt sich dieser Sprung und Kai Haase hat ihn erfunden. Der 28-jährige Berliner fährt seit seiner Kindheit Motocross. Er selbst schätzt, dass er schon im Alter von zweieinhalb Jahren Motocross gefahren ist - sein Vater war ebenfalls ein leidenschaftlicher Hobbyfahrer. "Ich habe dann recht früh angefangen, irgendwelche Faxen zu machen", beschreibt Haase seine Anfänge. "Ob es nun so war, eine Hand vom Lenker zu nehmen, oder beide Beine wegzustrecken - irgendwas habe ich immer gemacht." Jetzt springt er 20 Meter weit durch die Luft und dreht sich mit seinem Motorrad dabei kopfüber um sich selbst.

So funktioniert der "Bonk Frontflip"

Lebensmüde? - "Nur ein bisschen verrückt"

"Ich weiß nicht, ob das lebensmüde ist", sagt Haase auf seinen riskanten Beruf angesprochen. Denn auch ihm ist klar: Ganz normal sind er und seine Kollegen nicht. "Wir wollen auf jeden Fall was erleben und sind ein bisschen verrückt", gibt er zu. Geld verdienen kann man damit auch ganz gut. Internationale Branchengrößen werden von Firmen wie Red Bull gesponsert und sollen auf Hunderttausende Euro Einnahmen pro Jahr kommen. Kai Haase bezeichnet sich immerhin selbst seit 2013 als "Profi" - er kann davon leben. Wichtiger für ihn ist aber: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Das bedeutet auch, viel unterwegs zu sein. "Ich hasse es, zu überlegen, wie viel ich manchmal reise. Wenn ich zum Beispiel zu den "Night of the Jumps" nach China fliege, sind das schnell 30 bis 40 Stunden Reisezeit, um dann nur eine Stunde Motorrad zu fahren", rechnet Haase vor. "Auf der anderen Seite ist es aber auch schön, weil man andere Kulturen kennenlernt, andere Länder sieht, Leute und Plätze - das ist ein Bonus."

Freestyle-Motocross entwickelt sich stetig weiter

Die Disziplin Freestyle-Motocross hat sich in den 90er-Jahren aus dem Unterhaltungsprogramm gewöhnlicher Motocross-Rennen entwickelt, um die Zuschauer in den Pausen zu unterhalten. Die spektakulären Sprünge kamen so gut an, dass sich einige Fahrer nur noch darauf konzentrierten. Dadurch, dass die Sportart noch relativ jung ist, arbeiten die Fahrer an immer kreativeren, aber auch riskanteren Sprüngen, um die Grenzen auszutesten oder wie Kai Haase sagt: "die physikalischen Kräfte auseinanderzubrechen".

"Vor 15 Jahren hat man gesagt, dass ein Rückwärtssalto mit einem Motorrad nicht möglich ist, heutzutage gibt es einen Typen, der drei Salti in einer Flugphase hintereinander macht. Da hat sich schon einiges verändert und ich habe auch noch ein paar verrückte Sachen im Kopf", sagt der Extremsportler grinsend. Dafür trainiert der 1,80 Meter große Mann drei Mal in der Woche. Am Wochende tritt er dann weltweit bei renommierten Freestyle-Veranstaltungen wie den "Night of the Jumps an" an.

"Frontflip" statt "Bonk Frontflip"

Am Freitag werden die Zuschauer Haases "Signature"-Trick, den "Bonk Frontflip", aber nicht zu sehen bekommen. Die Rampenlandschaft in der Arena am Ostbahnhof lasse das nicht zu. "Dafür habe ich einen normalen Frontflip trainiert und hoffe, dass ich den am Wochenende ausfahren kann." Sein spektakuläres Programm wird aber auch so sicherlich für einige gefühlte Herzstillstände bei den Zuschauern sorgen.

Sendung: Inforadio, 21.02.2020, 21:15 Uhr

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