Archivbild: Der Vorsitzende des SV Babelsberg 03, Archibald Horlitz. (Quelle: imago-images/Sebastian Wells)
Audio: Radioeins | 01.02.2020 | Interview mit Archibald Horlitz | Bild: imago-images/Sebastian Wells

Interview | Babelsberg-Präsident zu Daniel Frahn - "Klar müssen wir mit Reaktionen rechnen"

Daniel Frahn kehrt zum SV Babelsberg 03 zurück. Der Stürmer, dem der Chemnitzer FC wegen angeblicher Nähe zur rechten Fanszene gekündigt hatte, spielt nun beim politisch engagierten, linken Kiezverein. Präsident Archibald Horlitz erklärt die Beweggründe. 

rbb: Daniel Frahn ist gebürtiger Babelsberger und hat hier ein paar entscheidende Jahre seiner Karriere verbracht. In der Presseerklärung des Vereins heißt es, man habe sich die Verpflichtung nicht leicht gemacht. Warum haben Sie sich am Ende dafür entschieden?

Archibald Horlitz: Einen Grund haben Sie schon genannt. Er ist Babelsberger, ist hier groß geworden, hat in dem Verein gespielt und zu maßgeblichen Erfolgen beigetragen. Das ist erstmal die Ausgangssituation. Daniel Frahn ist bereits Mitte letzten Jahres, nachdem ihm bei Chemnitz gekündigt wurde, an uns herangetreten und hat gefragt, ob er sich bei uns fit halten darf. Wir haben das aufgrund der Vorkommnisse in Chemnitz abgelehnt, die wir damals nur aus der Ferne beurteilen konnten.

Er ist dann zum Jahreswechsel nochmal auf uns zugekommen. Ein halbes Jahr war vergangen, es hat sich nichts ereignet. Man konnte sich eine Meinung bilden und vielleicht auch ein paar Hintergründe erfahren, so dass wir gesagt haben: So wie er an uns herangetreten ist, mit dem klaren Bekenntnis zu den Werten des Vereins, mit der klaren Erklärung 'Ich bin kein Nazi, trage kein rechtes Gedankengut in mir und bin bereit, der Mannschaft in der sehr schwierigen Situation gerne zu helfen, ohne Wenn und Aber, habe keinerlei finanzielle Forderungen oder Ähnliches' geben wir ihm eine Chance.

In den sozialen Medien wollen viele das gar nicht so teilen mit der zweiten Chance. Können Sie die Empörung mancher Babelsberg-Fans nachvollziehen?

Absolut. Uns war klar: Egal wie wir uns entscheiden, wir werden immer einen nicht unerheblichen Teil der Fanszene gegen uns haben. Ich kann das quantitativ nur bedingt sagen, aber ich schätze mal, ein Drittel sagt: Jungs, habt ihr sie nicht mehr alle? Ein Drittel sagt: Das ist ein Babelsberger Jung. Der war nie rechts, der war nie Nazi. Den kennen wir seit Kindesbeinen. Natürlich gehört der hier in die Mannschaft, seid froh, dass er zurückkommt. Und ein Drittel hat eine gesunde, differenzierte Skepsis gehabt und gesagt: Bevor man so einen Schritt geht, sollte man aber auch wirklich sicher sein, dass man sich nicht die Pest ins Haus holt. Das heißt, das eine Drittel was eher dafür oder stark dagegen ist, hätten wir in jedem Fall enttäuscht.

Gerade hier in Babelsberg vor Ort und von den Leuten, die Frahn und vielleicht auch die Familie und sein Umfeld kennen, habe ich keinen einzigen getroffen, der gesagt hat: Daniel Frahn ist ein Nazi oder er ist schon mal in diese Richtung auffällig geworden.

Archibald Horlitz

Am Sonntag spielen Sie gegen Chemie Leipzig. Das ist ein Verein, der eine ähnliche Haltung hat wie Babelsberg, vor allem was Anti-Faschismus und Anti-Rassismus angeht. Fürchten Sie da nicht, dass Daniel Frahn am Ende vom gesamten Stadion ausgebuht wird?

Klar müssen wir mit Reaktionen rechnen. Gerade hier in Babelsberg vor Ort und von den Leuten, die Frahn und vielleicht auch die Familie und sein Umfeld kennen, habe ich keinen einzigen getroffen, der gesagt hat: Daniel Frahn ist ein Nazi, oder er ist schon mal in diese Richtung auffällig geworden. Das wird nicht unterstellt. Was unterstellt wird ist, dass er sich dort megamäßig dumm verhalten hat. Das sagt er auch selber und steht dazu, ist da auch selbstkritisch an der Stelle. Nichtsdestotrotz muss man das, was in Chemnitz vorgefallen ist und das, wofür der SV Babelsberg 03 steht irgendwie übereinander bringen. Da reichen auch ein paar verbale Ankündigungen nicht. Das muss gelebt und bewiesen werden. Die Zeit müssen wir durchhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten Meili Scheidemann und Andreas Ulrich für Radioeins. Es handelt sich um eine gekürzte und redigierte Fassung. Das gesamte Gespräch hören Sie beim Klick auf den Play-Button im Titelbild.

Sendung: Radioeins, 01.02.2020, 14:35 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Interessant fände ich wie die Reaktionen der User hier oder der Babelsberger wären, wenn der Hr. Frahn nach Cottbus gewechselt wäre ......

  2. 6.

    Ja. Zu Recht. Weil das Arbeitsrecht eben eine andere Sache ist.
    Seine Nähe zu den Rechten und Nazis ist doch aber unbestritten und nicht wegzureden.

  3. 5.

    Mal zur Erinnerung, die Kündigung des Chemnitzer FC wegen angeblicher Nähe zur rechten Fanszene hat das Arbeitsgericht kassiert.

  4. 4.

    Natürlich muss man Jemandem eine zweite Chance geben! Wenn nicht in Babelsberg, wo dann? Bei der blauen Partei?

    Alles richtig gemacht, Babelsberg!

  5. 3.

    Keine Bange, Spätestens wenn Spieler Frahn für Babelsberg mit seinen Toren den Klassenerhalt sichert, jubeln die Zuschauer Ihn zu! Das war schon immer so! Warum soll das dort anders sein!

  6. 2.

    Frahn zeigte den Chemnitzer Fans ein Shirt mit der Aufschrift "Support our local Hools".
    Aber wenn er sagt, dass er kein Nazi ist....
    Frahn saß mit den in Chemnitz mit Stadionverboten belegten Fans von Chaotic Chemnitz im Hallenser Stadion.
    Aber er sagt ja, dass er kein rechts Gedankengut in sich hat...

  7. 1.

    Alles nur dumm gewesen ? Wer es glaubt.
    Die Aktion mit dem T-Shirt (support your local hools) beim Jubel war nicht spontan und unüberlegt.......
    Gib Nazis kein Chance !

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