Daniel Frahn im Trikot des SV Babelsberg 03. / imago images/foto2press
imago images/foto2press
Video: rbb UM6 | 17.02.2020 | Torsten Michels | Bild: imago images/foto2press

Babelsberg-Stürmer Daniel Frahn - "Ich bin kein Nazi und war nie einer"

Die Rückkehr von Daniel Frahn zum SV Babelsberg sorgte für große Aufregung. In Chemnitz wurde er wegen angeblicher Nähe zur rechten Fanszene fristlos entlassen. Vor Journalisten wählte der 32-Jährige nun deutliche Worte - zur Entschuldigung und Distanzierung.

Da sitzt er nun im dunkelgrauen Hoodie auf dem Podium. Sichtbar angespannt. Der Presseraum des SV Babelsberg 03 ist deutlich voller als vor und nach Fußballspielen der Nulldreier in der Regionalliga Nordost. Auch überregionale Zeitungsjournalisten haben Platz genommen. Den Fans hat sich Mittelstürmer Daniel Frahn - umstritten aufgrund seiner angeblichen Nähe zur rechten Szene - in der vergangenen Woche bereits erklärt. Da waren die Medien noch ausgeschlossen.

Nun stellt sich der 32-Jährige ihren Fragen. Mehr als eine Stunde lang, in der der gebürtige Potsdamer vor allem eins immer wieder tut: Fehler eingestehen - und sich distanzieren. "Was ich ganz klar sagen möchte: Ich bin kein Nazi und war nie ein Nazi. Ich war auch kein Sympathisant einer rechten Gesinnung, war nie in einer Gruppe oder habe mit einer Gruppe sympathisiert", betont Frahn gleich in seinem ersten Statement. Und er sagt auch: "Die T-Shirt-Aktion ist der größte Fehler meines Lebens gewesen."

T-Shirt-Aufdruck: "Support your local Hools"

Genau diese T-Shirt-Aktion ist es, mit der Frahn sich begann, ins Abseits zu schießen. Es ist im März 2019, sein damaliger Verein - der Chemnitzer FC - spielt gegen die VSG Altglienicke. Und Frahn hält nach einem Treffer ein schwarzes T-Shirt mit der weißen Aufschrift "Support your local Hools" hoch. Übersetzt: Unterstütze deine örtlichen Hooligans.

Ein Slogan, der tief verankert ist in der Neonazi-Szene. Vor dem Spiel hat es unter den Anhängern des CFC Trauerbekundungen für den verstorbenen Thomas H. gegeben - einen Rechtsextremen, der unter anderen die Fangruppe "Hooligans Nazis Rassisten" (HooNaRa) gegründet hat.

Frahn: "Riesige Scheiße gebaut"

Wie es dazu kommen konnte? "Ich habe mich in dem Augenblick nicht ausreichend informiert, habe nicht hinterfragt und in dem Spiel riesige Scheiße gebaut", sagt er nun zu den Journalisten im Karl-Liebknecht-Stadion. Er sei naiv gewesen, ja: dumm. Im Rückblick, sagt er, könne er es selbst kaum verstehen, wieso ihm die Problematik nicht aufgefallen sei: "Da hätte ich schon ohne nachzublättern begreifen müssen: Das darfst du niemals im Leben annehmen und im Stadion irgendwo zeigen. Das hätte mir nicht passieren dürfen."

Er tut es dennoch. Er wird bestraft - und bekommt unmissverständliche Reaktionen. Auch aus Babelsberg. "Einer meiner besten Freunde ist hier im Verein sehr aktiv, hat mich über die gesamte Situation um Thomas Haller aufgeklärt und mich gefragt, ob ich Drogen genommen oder irgendetwas anderes zu dem Zeitpunkt gemacht hätte."

Da hätte ich schon ohne nachzublättern begreifen müssen: Das darfst du niemals im Leben annehmen und im Stadion irgendwo zeigen. Das hätte mir nicht passieren dürfen.

Daniel Frahn

Gemeinsam gezockt und gefeiert

Umso unverständlicher: Es bleibt nicht der letzte Vorfall. Im Gegenteil. Im Herbst kommt es zum Eklat. Nun steht die Personalie Chris J. im Mittelpunkt, mit dem der gerade verletzte Frahn zu einem Auswärtsspiel des CFC nach Halle reist. Er erzählt an diesem Montagmittag, wie er den Mann beim Online-Zocken mit der Playstation kennenlernt. Auch vor besagtem Duell spielen sie. "Dann sind wir auf die dumme Idee gekommen: Ich möchte nach Halle fahren. Er möchte nach Halle fahren. Und damit niemand alleine fahren muss, fahren wir zusammen."

Was Frahn - nach eigener Darstellung zu diesem Zeitpunkt - nicht weiß: Chris J. steckt mittendrin im rechtsextremen Kern der Fanszene der Sachsen. Frahn kennt ihn nicht nur von der Playstation. Als Chemnitz aus der Regionalliga in die dritte Liga aufsteigt, soll er mit in der Kabine gefeiert haben. "Wir Spieler haben ihn nicht dazugeholt. Wir waren selbst überrascht, wie es sein kann, dass Fans bei der Aufstiegsfeier im Stadion - wo ja Sicherheitsdienst und Polizei sind - auftauchen können", sagt der 32-Jährige. "Wir haben da keine Tür geöffnet."

Rausschmiss bei Chemnitz

Man habe das auf mehreren Ebenen verifiziert, sagt Babelsberg-Präsident Archibald Horlitz, der neben Frahn auf dem Podium sitzt. "Es ging nicht um einen Kurzbesuch, sondern man hat gemeinsam 'Hoch die Tassen!' gemacht. Die Sache scheint sich in jeder Beziehung so zugetragen zu haben", sagt er. Frahn sitzt also im Auto mit einem Mann, den er durchaus kennt, der im Verein offenbar ein- und ausgehen durfte. Er weiß von dessen Zeit bei "Kaotic Chemnitz", aber hält die Aktivitäten der rechten Hooligangruppe - so Frahn - mit deren offizieller Auflösung im April 2019 für beendet. Zur Beziehung sagt der 32-Jährige heute: "Es war nicht so, dass wir ein freundschaftliches Verhältnis hatten."

Für Frahn bedeutet die Halle-Fahrt das Aus. Der CFC kündigt ihm. Die Begründung: Er habe sich durch die "offenkundig zur Schau gestellte Sympathie zu führenden Köpfen der rechts gesinnten Gruppierung 'Kaotic Chemnitz' und der aufgelösten Gruppe 'NS-Boys' massiv vereinsschädigend" verhalten.

Frahn will sein vermeintliches Unwissen nicht als Rechtfertigung nutzen. Er hätte sich "das Spiel von zuhause oder der Haupttribüne angucken sollen", sagt er - und: "Ich bin dort hingefahren als Kapitän, Spieler, Mensch und Fußballfan Daniel Frahn. Ich wollte mich nicht mit irgendwem zeigen oder sympathisieren, sondern vermitteln, was ich auch in anderen Vereinen schon vermittelt habe: einen Zusammenhalt zwischen Mannschaft, Verein und Fans. Deshalb bin ich an dem Tag fälschlicherweise mit in den Gästeblock gegangen."

Horlitz: "Niemand, der sich auf dem rechten Flügel bewegt"

Gegen die Kündigung klagt er, mit Erfolg. Am Trainings- und Spielbetrieb des Drittligisten nimmt er aber dennoch nicht wieder teil. Erst hält er sich in Babelsberg fit, dann - nach Auflösung seines Vertrages beim CFC - wechselt er zu den Nulldreiern. Im Verein sind intensive Diskussionen vorausgegangen. "Daniel ist niemand, der in irgendeiner Form der Nazi-Szene zugehörig ist oder sich auf dem rechten Flügel bewegt", sagt nun Horlitz. Das sei entscheidend. Auch wenn sie weit davon entfernt seien, die Fehler einfach unter den Teppich zu kehren.

"Solche Fehler werden mir nie wieder passieren. Sie tun mir unfassbar leid. Ich werden die Dinge jetzt deutlicher hinterfragen und mich nicht mehr in diese Situationen begeben", sagt Frahn. Ihm sei erst im vergangenen halben Jahr "so richtig klar geworden, was ich eigentlich dadurch fabriziert habe." Nun sei er Babelsberg dankbar für die Chance. Er werde - so kündigt er an - sich besser informieren. Auch mithilfe der vielen Projekte, die der Verein habe. "Das, was in Chemnitz passiert ist, sind nicht meine Werte. Sondern es sind die, die ich hier kennengelernt habe, mit denen ich aufgewachsen bin und die ich auch wieder leben und erleben möchte." Frahn muss genau das nun beweisen. Und er weiß das.

Sendung: rbb UM6, 17.02.2020, 18 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

2 Kommentare

  1. 2.

    "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."
    Johann Wolfgang von Goethe

  2. 1.

    Ja, ja. Opa war auch kein Nazi.... Wir haben nichts gewusst... Dummheit ist keine Entschuldigung.

Das könnte Sie auch interessieren