Die leere Trainerbank von Hertha BSC im Olympiastadion. Bild: imago/Matthias Koch
Bild: imago/Matthias Koch

Trainer-Kandidaten für Hertha - Hat hier jemand Rehhagel gesagt?

Jürgen Klinsmann ist weg, und nun? Im Chaos, das der ehemalige Bundestrainer hinterlassen hat, muss Hertha einen Nachfolger suchen. Wir stellen die (natürlich allesamt völlig ernst gemeinten) Kandidaten vor - von Favorit Labbadia bis Außenseiter Rehhagel.

Nachdem Jürgen Klinsmann den digitalsten Trainer-Rücktritt in der Bundesligageschichte hingelegt hat, leitet vorerst sein ehemaliger Assistent Alexander Nouri das Training. Die Frage ist: Wie lange? Denn bisher wollte Hertha sich nicht festlegen, ob Nouri bis zum Ende der Saison im Amt bleibt. Die Wunschlösung der Fans ist weiterhin Niko Kovac, aber der will wohl noch nicht sofort. Deshalb sondieren wir den Trainermarkt und schauen - mal ernst, mal weniger - wer Hertha sofort in dieser brisanten Lage helfen könnte.

Bruno Labbadia wird von seinen Spielern beim VfL Wolfsburg in die Höhe geworfen. Bild: imago/regios24
Der Favorit? Bruno Labbadia wurde schon mehrfach bei Hertha gehandelt.Bild: imago/regios24

Die echten Kandidaten

Bruno Labbadia

Der Favorit, zumindest bei den Buchmachern. Bruno Labbadia wird mit einer Quote von 2,25 als "nächster Hertha-Trainer" gelistet. Sein Name wurde bereits gehandelt, als Dardai und Covic ihre Posten räumen mussten. Aus Fan-Perspektive wäre der "schöne Bruno" sicher keine Wunschlösung. Er ist aber fachlich besser als sein Ruf. Bei seinem letzten Job in Wolfsburg beschenkte er die skeptischen Anhänger zunächst mit dem Klassenerhalt und in der Folgesaison mit der Europa League Teilnahme. Damit könnte man sogar in Berlin vorerst leben. Für die Champions League kann dann ja nochmal aufgerüstet werden.

Roger Schmidt

Der 52-Jährige war ebenfalls als Covic-Nachfolger im Gespräch und hatte zuletzt Beijing Guoan in die Spitzengruppe der chinesischen Liga geführt. Unter anderem, weil er seinen Vertrag nicht vorzeitig verlängern wollte, musste er im August 2019 in Peking gehen. Jetzt könnte er bereit sein für die Aufgabe beim nächsten Hauptstadtclub und seine Vorliebe für kurzfristige Verträge könnte ja Gerüchten zufolge sogar ganz hilfreich sein bei Hertha BSC.

Mark van Bommel

Der staatlich geprüfte Experte des körperbetonten Spiels stand bis Dezember noch beim niederländischen Spitzenteam PSV Eindhoven an der Seitenlinie. Im vergangenen Sommer wurde er sogar mal Bayern-Trainer gehandelt, die Ambitionen und das gewünschte Format des Big City Clubs sollte van Bommel also vorerst erfüllen.

Pal Dardai zeigt mit dem Finger und lächelt, im Hintergrund steht Hertha-Maskottchen Hertinho. Bild: imago/Sven Simon
BSC = Berliner Super Comeback? Pal Dardai könnte unbürokratisch übernehmen.Bild: imago/Sven Simon

Die interne Lösung

Zecke Neuendorf

Back to the roots. Als langjähriger Jugendtrainer der Hertha kennt Zecke schließlich fast alle talentierten Kicker, die den Verantwortlichen nun zeigen wollen, dass ihnen die Zukunft gehört. Er könnte das Bindeglied zwischen Unterbau und Ambitionen darstellen. Um die Akzeptanz bei den Fans müsste sich der 45-jährige Berliner sicher keine Sorgen machen. Aus Berlin für Berlin. Das schreit nach einer Neuauflage der alten Hertha-Kampagne!  

Pal Dardai

Im Chaos der vergangenen Monate wurden die Fanstimmen lauter, die sich wieder eine gewisse Konstanz wünschten. Und in Berlin ist das Synonym für Konstanz Dardai. Die unaufgeregte Klubikone wäre der absolute Gegenentwurf zum Revoluzzer Klinsmann. Zwar war Dardai am Ende seiner Trainerära bei den Profis nicht unumstritten, angesichts der aktuellen Probleme wünschen sich dennoch viele eine Rückkehr des Ungarn. Dardai steht übrigens immer noch bei Hertha unter Vertrag, das hat er Klinsmann also - wenn man dessen Aussagen Glauben schenken darf - schon länger voraus.

Alexander Nouri

Nouri übernimmt derzeit die Aufgaben des Cheftrainers. Manche mutmaßen, dass er auch unter Klinsmanns Regentschaft eigentlich hauptverantwortlich für Spielidee und Taktik war. Ein Argument für seine Weiterbeschäftigung ist das eher nicht. Genauso wenig, wie die Tatsache, dass er erst auf Ruf von Klinsmann zur Hertha kam. Vorteil: Der 40-jährige brachte Werder Bremen als Cheftrainer immerhin schonmal aus dem Abstiegskampf nach oben. Nachteil: Als er einige Monate später wieder im Abstiegskampf angekommen war, musste er gehen. In Ingolstadt blieb er während seiner Mini-Amtszeit (acht Spiele) komplett ohne Sieg. Viele vermuten, dass seine Amtszeit bei Hertha sogar noch kürzer wird, egal, ob ihm diesmal ein Sieg gelingt, oder nicht.

Peter Neururer sitzt auf einer hölzernen Trainerbank. Bild: imago/Norbert Schmidt
Wartet auf Anrufe: Peter Neururer bringt sich auch gerne mal selbst ins Gespräch.Bild: imago/Norbert Schmidt

Die üblichen Verdächtigen

Peter Neururer

Die Legende, der Mythos, der Evergreen. Gibt es einen Job im deutschen Profifußball, dann wird Neururer mindestens scherzhaft gehandelt. Die 64-jährige Trainerlegende warf übrigens Klinsmann vor, für ein bisher nie dagewesenes Chaos im deutschen Fußball gesorgt zu haben. Wieso sollte also nicht er derjenige sein, der es eigenhändig beseitigt. Was einige vielleicht schon nichtmehr wissen: Es wäre auch die Chance seine desaströse Bilanz als Hertha Trainer aufzubessern. Schließlich holte er 1991 lediglich zwei Punkte aus 12 Spielen. 

Mirko Slomka

Slomka kennt die Höhen und Tiefen des Geschäfts wie kein Zweiter. Bei seiner alten Liebe 96 lief es zuletzt mal wieder nicht wie gewünscht. Im zweiten Anlauf könnte er in Berlin endlich mal sein ganzes Können zeigen. Vor knapp zwanzig Jahren wurde Slomka nämlich mal bei Tennis Borussia von seinen Aufgaben als Trainer entbunden. Hertha wäre seine Chance unter Beweis zu stellen, dass er in der Lage ist einen Hauptstadtklub zu leiten.

Friedhelm Funkel

Klar, offiziell gab Funkel nach der Demission in Düsseldorf sein Karriereende bekannt. Aber der Altmeister äußerte sich im Anschluss ziemlich kritisch über die verantwortliche Personen bei der Fortuna und bei Hertha hätte er die wohl schnellste Chance, Rache zu nehmen: Schon am 28.02. trifft Hertha auf Düsseldorf. Die besten Voraussetzungen für eine "Geschichte, die nur der Fußball schreibt". Müssen wir noch schreiben, dass auch er schonmal da war?

Arsene Wenger untersichtig beim Einlaufen in ein Stadion. Bild: imago/Joachim Sielski
Fußball-Schwergewicht: Arsène Wenger krempelte einst Arsenal um. Bild: imago/Joachim Sielski

Die (zu) großen Lösungen

Mauricio Pocchetino

Der von den Fans liebevoll „Poch“ genannte Argentinier könnte genau der Richtige für die großen Ambitionen der Herthaner sein. Als Tottenham-Trainer führte er sein Team in das erste Champions League Finale der Klubhistorie und das mit einer besonnenen Transferpolitik und Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Der Mann vereint Klinsmanns Visionen und das Preetz'sche Kaufmannsdenken, das lädt zum Träumen ein. Aus der Hauptstadt Englands in die Hauptstadt Deutschlands - A different kind of Brexit.

Massimiliano Allegri

Massimiliano Allegri kennt das Olympiastadion noch vom verlorenen Champions League Finale aus dem Jahr 2015 (Sie merken schon, er hat also auch Königsklassen-Format). Trotz der Niederlage dürfte dem langjährigen Juve- und Milan-Trainer die Magie der Hauptstadt nicht entgangen sein. Das einzige Problem könnte die Sprachbarriere darstellen. Allegri spricht angeblich nur italienisch. Aber, wo ein Problem ist, gibt es auch eine Lösung: Im Gespann mit Hertha-Legende Nello di Martino könnte er die Blau-Weißen auf das nächste Level bringen und in der nächsten Transferperiode würde Manager Preetz dann eben in Bella Italia auf Shopping Tour gehen.

Arsène Wenger

Der Mann ohne Sprachbarriere. Wenger ist als Elsässer französischer und deutscher Muttersprachler, kann außerdem fließend Englisch aus seiner Zeit bei Arsenal. Als gebürtiger Straßburger taugt er sicher auch den Anhängern als Identifikationsfigur, denn Hertha pflegt eine Fanfreundschaft mit den Fans vom RC Straßburg. Klar, 22 Jahre in London haben ihre Spuren hinterlassen und bisher hat der Mann alle weiteren Jobs abgelehnt. Aber wir sagen: Mit 70 Jahren hat Wenger noch eine Ära im Tank!

Otto Rehhagel mit Michael Preetz auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC. Bild: imago/Contrast
Offenes Ohr für den Manager: Otto Rehhagel (links) im Gespräch mit Michael Preetz.Bild: imago/Contrast

Die wildesten Gerüchte

Otto Rehhagel

Wir können es uns schon bildlich vorstellen: Auf Herthas Facebook Account erscheint ein Video, der Rapper Eminem rappt "Guess who's back? Back again?" Und es erscheint: Otto "Rehakles" Rehhagel. Der deutsch-griechische König ist zurück und das ist seine Chance, sein Karriereende umzuschreiben. Schließlich steht da aktuell der Abstieg mit Hertha 2012. Auch Theofanis Gekas könnte ja die Chance nutzen, sich bei Hertha zu rehabilitieren – als Co-Trainer. Der Chancentod früherer Tage hat mittlerweile nämlich eine UEFA-Pro-Lizenz.

Lothar Matthäus

Loddar kritisierte zuletzt Klinsmanns Machtmenschentum auf schärfste Weise. Der Fachmann für TV-Anfragen ist zumindest in der Analyse ein erstklassiger "Dagdigger" (Anm. d. Red.: Taktiker) und ausgebildet sogar ein Didaktiker – dass Lothar einen Trainerschein besitzt, vergisst man ja gerne mal. Ehrgeizig wie er ist, will der Rekordnationalspieler sicher direkt unter Beweis stellen, dass er den Job besser ausfüllen kann als Klinsmann. Weiterer Pluspunkt: Unter Matthäus hätte Neuzugang Matheus Cunha direkt einen Stammplatz sicher. Denn keiner ist ein größerer Fan von Matheus als Matthäus.

Jogi Löw

Egal was man zuletzt über Jogi Löw gesagt hat – er weiß, wie man Klinsmann-Nachfolger wird und den Job dann besser macht. Einzig bei Marvin Plattenhardt dürfte eine Ernennung Löws für gemischte Gefühle sorgen. Sollte Jogi noch im Besitz seiner Berliner Immobilie sein, wäre die Wohnungsfrage zumindest mal geklärt. Ein weiteres Argument Pro-Jogi auf dem umkämpften Berliner Wohnungs- und Trainermarkt.  

Sendung: rbb UM6, 12.02.2020  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

10 Kommentare

  1. 9.

    Preetz sollte auch gleich zurück treten. Was hat er die letzten Jahre geleistet...???

  2. 7.

    Köstlich!

    Hertha war schon immer die größte Lachnummer Berlins. Daran hat sich nichts verändert.
    Ist auch OK so. Fußball gucken kann man ja anderswo.

  3. 6.

    kein großer Trainer kommt zu Hertha. dass ist nicht nur lächerlich sondern sogar vermessen!

    Auch Kloppo würde lieber wieder zurück zu seiner Liebe Mainz gehen, als sich Hertha unter Preetz/Gegenbauer anzutun!

    Alle Startrainer sind Machtmenschen, also werden sie auch dasselbe fordern wie Klinsmann!

  4. 5.

    Oder Lucien Favre, die 2. :-) frei nach Borussia Dortmund oder Berlin, Hauptsache Hauptstadt....

  5. 3.

    Einen haben Sie vergessen: Mario Basler! :))

  6. 2.

    Lustig die Vorschläge. Amüsant und unterhaltend. Am besten ist das Foto Rehagel- Preetz, wo letzterer dem Fachmann erklärt, wo der Hammer hängt. Rehagels Mimik zeigt bei Weitem kein Verständnis für dessen Vortrag.
    Kann mir auch beim besten Willen keinen kompetenten Trainer vorstellen, welcher sich sagen lassen will, wie er zu arbeiten hat.
    Wann kommt das endlich bei Hertha ganz oben an?
    Wenn das nicht gelingt, wird wohl auch der Sponsor bald die Notbremse ziehen und Hertha reicht sich selbst durch in die unteren Ligen.

    Könnte mir aber auch einen Herrn "Poch" vorstellen - selbstbewusst stark genug, um einen Manager in ausschließlich dessen kaufmänn. Schranken zu halten....

  7. 1.

    Rehhagel! Oder vielleicht doch.......

    Jupp Heynckes!

    Die sind jedenfalls gerade frei ;-)

    Zu diesem Verein will einfach keiner so richtig passen. Schwierig. Mehr als 11 Individualisten, das ist ne heftige Aufgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Cheftrainer Sebastian Abt von Energie Cottbus (imago images/Steffen Beyer)
imago images/Steffen Beyer

Cottbus empfängt Rathenow - Sieg oder Krise

Drei Spiele, zwei Punkte: Cottbus-Trainer Sebastian Abt hat sich einen besseren Einstand gewünscht. Jetzt aber steht seine Mannschaft vor dem Heimspiel gegen Optik Rathenow unter Druck. Und dann fällt auch noch ein Leistungsträger aus. Von Andreas Friebel