Andre Rankel (Quelle: imago/Nordphoto)
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Interview | André Rankel über Eisbären-Abschied - "Etwas hinterlassen zu haben, macht mich extrem stolz"

17 Jahre, 865 Ligaspiele, 246 Tore, acht Jahre lang Kapitän: Das ist die Bilanz von André Rankel bei den Eisbären Berlin. Jetzt geht er. Im Interview spricht Rankel über schwierige Anfänge, große Erfolge und über Abschiedsschmerz in Corona-Zeiten.

rbb|24: Herr Rankel, das können Sie in diesen ohnehin schon schweren Zeiten doch nicht machen. Ihr Abschied nach 17 Jahren bei den Eisbären ist ein zusätzlicher Schock für alle Fans.

Rankel: Ja, das stimmt. Ich hätte gerne ein anderes Ende gehabt bei den Eisbären. Aber im Endeffekt ist es so gelaufen, dass der Klub mir für die neue Saison keinen Vertrag mehr angeboten hat. Deswegen werde ich in der nächsten Spielzeit leider nicht mehr im Trikot der Eisbären auflaufen.

Wenn man das richtig verstanden hat, war es Ihnen auch ein bisschen zu viel, so viel für die Defensive tun zu müssen - oder ist das falsch interpretiert?

Nein, im Endefffekt ist es so, dass meine Rolle vor allem in diesem Jahr sehr defensiv ausgerichtet und meine Spielzeit dadurch auch nicht mehr ganz so viel war, wie davor. Das ist meiner Spielweise nicht ideal entgegengekommen. Klar musste ich in diesem Jahr sehr viel defensiv spielen, aber wir waren als Mannschaft so erfolgreich, dass ich gesagt habe, ich mache das gerne. Aber ich kann auch ehrlich sagen, dass es nicht immer zufriedenstellend für mich war, die Rolle auszufüllen, die ich in diesem Jahr hatte.

Wie schlimm ist es, den Verein, der für Sie ein halbes Leben lang Heimat bedeutete, auf diese Art und Weise verlassen zu müssen? Die Saison wurde wegen des Coronavirus vorzeitig abgebrochen.

Es ist extrem schade. Wir hatten in diesem Jahr eine super Mannschaft. Der Charakter hat gepasst, wir haben uns untereinander super verstanden und uns in der Saison stark gesteigert. Es ist echt schade, dass wir nicht gucken konnten, wie weit es uns gebracht hätte. Das ist das Bitterste daran - dass man nicht weiß, wo die Reise hingegangen wäre.

Jetzt ist nur noch Frank Hördler aus dem goldenen 1985er Jahrgang übrig geblieben. Wie schwer ist es Ihnen da ums Herz?

Ja klar, es ist schade. Das war eine besondere Generation und eine besondere Zeit, die wir zusammen verbracht haben. Wir 85er sind alle im gleichen Jahr gekommen und haben alles miteinander erlebt, deshalb ist es natürlich echt schade, dass die Zeit jetzt zu Ende geht. Aber uns war allen klar, dass es irgendwann mal so kommen wird und wir nicht ewig bei den Eisbären spielen. Der Verein will eine neue Generation aufbauen, die hoffentlich genauso erfolgreich sein kann wie wir.

Andre Rankel in jungen Jahren (Quelle: imago images/Höhne)
Mit 17 Jahren wechselte Andre Rankel zu den Eisbären - und blieb ganze 17 Jahre. | Bild: imago images/Höhne

2003 ging es für Sie von West-Berlin in den Osten - von den Capitals zu den Eisbären. Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, dass ein solcher Wechsel damals eigentlich undenkbar war. Was war denn daran das Problem?

Die Rivalität war einfach riesengroß. Wer damals die Möglichkeit hatte, eines der Derbys mitzuerleben, hat gesehen, dass diese Partien mehr waren als nur Eishockeyspiele. Da ging es wirklich um Ost gegen West. Damals war es so, dass bei den Preußen niemand etwas mit den Eisbären zutun haben wollte und andersherum. Von daher war er für mich sehr schwer, mir einen Wechsel vorzustellen. Im Endeffekt war es aber die beste Entscheidung, die ich je gemacht habe. Ich konnte weiter in Berlin bleiben, wir waren extrem erfolgreich und haben eine Ära geprägt bei den Eisbären. 

Sie waren damals 17 Jahre alt. Haben Sie sich alleine zu dem Wechsel entschieden oder haben die Eltern bei der Entscheidung geholfen?

Es war definitiv schwer, ich hätte ja auch bei den Preußen in der Oberliga weiterspielen können. Dann kam das Angebot der Eisbären und ich habe eigentlich nicht daran geglaubt, im ersten Jahr direkt bei den Profis mitspielen zu dürfen. Mein Vater hat aber schon auf mich eingeredet und gesagt: Mach das, vielleicht ist es eine Chance, die du nie wieder bekommst.

Der SC Dynamo - der Vorgängerverein der Eisbären - war damals ein legendärer Klub mit vielen Ausnahme-Athleten. Wie war es für Sie als Jungspund, dort aktiv zu sein?

Als 17-Jähriger begreift man gar nicht, was in diesem Verein alles passiert ist. Ich war damals einfach froh über die Möglichkeit, die ich bekam. Natürlich war ich mir aber über die lange Tradition des Sportforum Hohenschönhausen bewusst. Der gesamte Umfang, mit allem was dort schon erlebt und erreicht wurde, ist mir aber erst später klar geworden. Das Sportforum war und ist mein zweites Zuhause. 

Andre Rankel küsst den Pokal für die Deutsche Meisterschaft (Quelle: imago images/Contrast)
Deutscher Meister 2013: Andre Rankel prägte eine erfolgreiche Ära bei den Eisbären. | Bild: imago images/Contrast

Sie werden dort und auch bei den Eisbären ein gern gesehener Gast bleiben. Jetzt geht es für Sie in Ihrer Karriere aber woanders weiter - das Ziel steht noch nicht fest. Oder können Sie etwa doch schon etwas verraten?

Nein, das kann ich noch nicht. Es gibt noch einige Dinge zu klären. Sportlich wie auch gesellschaftlich stehen im Moment ein paar Sachen an, die alles andere als normal sind. Es hat auch mit der derzeitigen Situation um das Coronavirus zutun, dass ich den Verein, zu dem ich wechseln möchte, noch nicht bekanntgeben kann. Ich muss aber auch schauen, wie es mit der Familie vereinbar ist, nochmal in einer anderen Stadt Eishockey zu spielen. Ich, meine Frau und auch meine Kinder sind Berliner. Da stellt sich natürlich die Frage, ob wir nochmal weggehen oder die Karriere doch beenden. 

Was werden Sie bei den Eisbären vermissen?

Die ganzen Mitarbeiter, meine Mitspieler, die Fans und wie schon erwähnt das Sportforum. Da bin ich jeden Tag hingefahren, das wird schon komisch sein, wenn ich das nicht mehr mache. Außerdem ist die Leidenschaft der Fans wirklich besonders. Jedes Mal in der Arena am Ostbahnhof aufzulaufen, den Eisbären-Song zu hören - Dinge die bislang alltäglich waren -, wird man dann vermissen. Es ist definitiv eine besondere Ehre, dass meine Rückennummer 24 nicht mehr vergeben werden soll. Das zeigt mir, dass ich wirklich etwas bewegt, erreicht und geprägt habe. Etwas hinterlassen zu haben, macht mich extrem stolz.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Thomas Kroh, rbb Inforadio. Der Text ist eine redigierte Fassung. 

Sendung: Inforadio, 22.03.20, 16:15 Uhr

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