Maximilian Schachmann feiert seinen Triumph bei der Fernfahrt Paris-Nizza. Quelle: imago images/Panoramic International
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Interview | Schachmann nach Sieg bei Paris-Nizza - "Meinen Namen in die Siegerliste einzutragen, macht mich stolz"

Der Sieg bei der Fernfahrt Paris-Nizza ist für den Berliner Radprofi Maximilian Schachmann der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere. Worüber er sich am meisten freut und wie es in der wegen des Coronavirus ungewissen Zukunft für ihn weiter geht, erzählt er im Interview.

rbb|24: Maximilian Schachmann, bevor wir über Ihren großen Triumph bei der Fernfahrt Paris-Nizza sprechen, müssen wir über das bestimmende Thema dieser Tage reden. Sie leben in der Schweiz, inwiefern sind Sie vom Coronavirus betroffen?

Maximilian Schachmann: Auch in der Schweiz wird mittlerweile überlegt, einen "Shutdown" vorzunehmen. Mir geht es bis jetzt gut. Man merkt es aber zum Beispiel in den Supermärkten. Es ist deutlich voller und die Regale sind dafür leerer. Für mich war es jetzt nach dem Rennen in Frankreich echt schwierig. Wir Sportler haben sowieso nie allzu große Vorräte, weil wir viel unterwegs sind. Ich habe aber nach meiner Rückkehr alles bekommen - das passt also. Auch sonst herrscht hier noch das normale Leben. Wir müssen jetzt aber wirklich solidarisch denken. Die Regierung hat versichert, dass es genug Vorräte gibt. Keiner muss also Klopapier bunkern, es sollte lieber an die Mitmenschen gedacht werden, damit alle genug haben.

Kommen wir zu Ihrem Sieg beim Rennen Paris-Nizza. Was bedeutet der Erfolg für Ihre Karriere?

Das hat eine große Bedeutung. Die Fahrt ist eines der traditionsreichsten Etappenrennen. Das zu gewinnen und dabei bei dieser abwechslungsreichen Fahrt von der ersten Etappe bis zum Ende das gelbe Trikot zu tragen, ist schon toll. Auf den ersten Etappen hatten wir viel Wind und insgesamt schlechtes Wetter. Dann gab es eine Etappe mit einem kurzen Ziel-Anstieg, also eher etwas für Fahrer, die richtig schnell über einen Hügel fahren können. Im Anschluss kam noch das Einzel-Zeitfahren und zum Schluss eine über 16 Kilometer lange Bergankunft. Dass ich in der Lage war, das gelbe Trikot dabei die gesamte Tour zu verteidigen, macht mich schon stolz. Das ist eine Riesenerfolg für mich und das Team.

Der bisher größter Erfolg Ihrer Karriere?

Die deutsche Meisterschaft war sicherlich auch schon ein großer Triumph. Aber Paris-Nizza ist ein internationales Rennen - noch dazu top besetzt. Das ist dann schon nochmal besonders, gerade wenn man sich die Siegerliste in der Vergangenheit anschaut. Da macht es mich stolz, in die Siegerliste meinen Namen eintragen zu dürfen.

Wir wollen Ihren außergewöhnlichen Erfolg in keinster Weise schmälern. Dennoch haben bereits vor dem Rennen einige Fahrer wegen des Coronavirus' abgesagt. Hat das für Sie eine Bedeutung?

Nein, auch sonst wären Fahrer auf anderen Touren unterwegs gewesen, die zeitgleich stattgefunden hätten. Die Teams teilen ihren Kader also ohnehin auf die verschiedenen Rennen auf. Auch vor Paris-Nizza wurden die Kader nochmal umgestellt, die Teams haben dann ihre besten Fahrer zum Rennen bestellt. Das hat es natürlich in keinster Weise leichter gemacht.

Ähnlich wie bei der Tour de France sind sie dieses Mal erneut gestürzt. Bei Paris-Nizza mussten Sie das Rennen aber nicht abbrechen.

Ja, auf der vorletzten Etappe gab es wirklich eine sehr gefährliche Schlussankunft mit einer sehr schmalen, steilen und verwinkelten Abfahrt. Es ging da schon fast um den Rundfahrtssieg. Die Gruppe war nur noch klein und es wurde sehr schnell da runtergefahren. Zwar studieren wir die Abfahrten vor dem Rennen auf dem Papier, befahren sie aber nicht. Es gibt also ein "Roadbook" des Veranstalters mit der Strecke. Da wurden zwei Kurven als gefährlich gekennzeichnet. Die habe ich eigentlich auch ganz gut hinter mich gebracht. Die nächste Kurve wurde nicht als gefährlich gekennzeichnet. Auch die Fahrer vor mir wurden von ihr bereits überrascht, ich kam aber mit mehr Geschwindigkeit und habe es dann nicht geschafft. Ich habe es dann aber zum Glück noch ganz gut aussteuern können. 

Wie geht es bei Ihnen jetzt weiter - auch mit Hinblick auf die Beeinträchtigung durch das Coronavirus?

Das ist derzeit eine Frage, mit der sich alle Teams auseinandersetzen. Der Rennkalender ist schon ziemlich ausgedünnt worden. Die Rennen bis zum 10. April sind bereits abgesagt worden. Wir müssen einfach schauen, wie sich die Lage entwickelt und ob abzusehen ist, wann die Normalität wieder eintritt. Bis dahin heißt es für uns, fit zu bleiben - allerdings mit einer ungewissen Zukunft. Wir wissen nicht, wann das nächste Rennen ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jens-Christian Gußmann, rbb Sportredaktion. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung. 

Sendung: Inforadio, 16.03.20, 14:15 Uhr

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