Thomas Kraft jubelt in Frankfurt. Quelle: imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 06.03.20 | 10:15 Uhr | Dennis Wiese | Bild: imago images/Matthias Koch

Hertha vor Abstiegsduell gegen Bremen - Eier, sie brauchen Eier

Hertha gehört zu den schwächsten Heimteams der Liga. Zuletzt gab es eine peinliche Niederlage und ein Debakel. Gegen Bremen wird Thomas Kraft im Tor stehen. Der frühere Bayern-Torhüter soll der kriselnden Mannschaft helfen - mit seiner Persönlichkeit. Von Dennis Wiese

"Eier, wir brauchen Eier". Als Bayern-Torwart Oliver Kahn im November 2003 diesen ebenso weisen wie legendären Fußballsatz sprach, spielte Thomas Kraft noch in der A-Jugend. Bei der SG Betzdorf in Rheinland-Pfalz. Ein halbes Jahr später wechselte der junge Kraft dann zum großen FC Bayern. In insgesamt sieben Jahren erarbeitete er sich beim Rekordmeister diese ganz spezielle Mentalität, Louis van Gaal sah in Kraft einst einen würdigen Kahn-Nachfolger.

Kraft als Torwart und als Mensch wichtig

Der wurde der heute 31-Jährige bekanntlich nicht. Als langjährige Nummer eins von Hertha BSC hat Kraft aber bewiesen, wie wichtig er sein kann. Als Torwart und als Mensch. Obwohl Kraft seit vier Jahren Ersatz hinter Rune Jarstein ist, sieht das auch sein aktueller Trainer Alexander Nouri so: "Thomas kann der Mannschaft helfen. Mit seiner Persönlichkeit. Er kann das Spiel von hinten führen", so Nouri bei der Pressekonferenz am Donnerstagmittag.

Auch wenn er seinen Stammplatz lange verloren hat: In den K.O.-Spielen im DFB-Pokal durfte Kraft in den letzten Jahren oft ran. Und konnte seine Nervenstärke unter Beweis stellen. So auch im aufregenden Spiel gegen Dynamo Dresden, als Kraft zwei Elfmeter hielt. Diese Mentalität will Trainer Nouri auch im Abstiegskampf sehen.

Kraft wird, wie schon in Düsseldorf, auch am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen Bremen das Tor hüten. Das hätte das Trainerteam, vor allen Dingen nach intensiven Gesprächen mit Torwarttrainer Zsolt Petry entschieden.

Nouri klärt mit Mannschaftsrat "mögliche offene Fragen"

Dass Herthas Mannschaft in diesen bewegten und sportlich enttäuschenden Zeiten Orientierung braucht, wurde vor allen Dingen in den Heimspielen gegen Köln (0:5) und der folgenden ersten Hälfte in Düsseldorf (Halbzeitstand 0:3) zu deutlich. Trainer Nouri hat am Dienstag den Mannschaftsrat zu sich gebeten, das sind Vedad Ibisevic, Niklas Stark, Per Skjelbred, Salomon Kalou und Arne Maier.

"Ich habe gesagt, dass wir Mitarbeiter im Stab von Jürgen Klinsmann waren. Und ihm 100% loyal. Das hat sich verändert, als er hier rausgegangen ist. Wir sind 100% loyal dem Verein und der Mannschaft gegenüber. Es war wichtig, sich von der Situation freizumachen und davon zu lösen." Es ist bekannt, dass Nouri eher ein ruhig-sachlicher Typ ist. Laut werden andere.

Wie beispielsweise Thomas Kraft. In der Halbzeitpause in Düsseldorf soll das eindrucksvoll geschehen sein. Es folgte ein stark verbesserter zweiter Durchgang, bei dem auch Neuzugang Matheus Cunha zeigte, dass er ein Leader sein kann. Und bei seinem Torjubel demonstrierte der Brasilianer auch, dass ihm der Eier-Spruch von Oliver Kahn wohl auch bestens vertraut ist.

Fanproteste und Coronavirus

Hertha erwartet gegen Bremen etwa 55.000 Zuschauer. Gut möglich, dass sich einige von ihnen den Protesten gegen Dietmar Hopp und den DFB anschließen. Manager Michael Preetz hofft auf das richtige Maß der Kurve: "Kritik und freie Meinungsäußerung ist überhaupt kein Problem. Alles, was grenzüberschreitend ist, nicht." 

Erstmals seit dem das Coronavirus Berlin auch offiziell erreicht hat, spielt Hertha im Olympiastadion. Der Verein erlaubt das Mitbringen von Desinfektionsmitteln bis zu 100 Milliliter Fassungsvermögen. Auch sollen im Eingangsbereich verschärfte Sicherheits-, Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen vorgenommen werden. Fans, die sich krank fühlten und grippeähnliche Symptome zeigten, sollten besser zu Hause bleiben.

Sendung: rbbUM6, 05.03.20, 18:00 Uhr

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6 Kommentare

  1. 6.

    Ich drücke Bremen die Daumen dass ihnen gegen den Windhorst-„Verein“ Ähnliches gelingt wie es Köln vollbracht hat.

  2. 5.

    Eier? Diese Truppe hat ganz sicher keine.

  3. 4.

    Da können sich die Spieler ja ein Beispiel am Frauenfußball nehmen. Die brauchen keine Eier, die haben Pferdeschwänze.

  4. 3.

    Wer Eier sucht wird sicher keine im Bundestag finden.
    Das wurde heute mal wieder unter Beweis gestellt.

  5. 2.

    ist schon Ostern, oder woher sollen Sie kommen ?

  6. 1.

    "Glück auf" für Hertha aus der Lausitz!

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