Union-Präsident Dirk Zingler (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Union vor dem Topspiel - Bayern-Kick verkommt zum Freundschaftsspiel

Eigentlich sollte das Heimspiel gegen den FC Bayern das Rückrundenhighlight des 1.FC Union werden. Statt eines ausverkauften Stadions wird es leere Ränge geben. Das Corona-Virus hat den 1.FC Union schwer erwischt. Von Jakob Rüger

Wenn der Präsident des 1.FC Union zu einer Spieltags-Pressekonferenz auf dem Podium erscheint, dann gibt es ernste Themen zu besprechen. Dirk Zingler hatte noch unter der Woche gehofft, dass das Spiel gegen den FC Bayern mit Zuschauern ausgetragen werden kann. Das wird es nun nicht geben, alle Kartenbesitzer wurden aufgrund des grassierenden Coronavirus ausgeschlossen.

Zingler warb um Verständnis und sagte: "Am Ende geht es aber um ein ganz schweres Thema, das uns alle bewegt", aber versuchte auch zu erklären, warum man es sich so schwer gemacht hatte mit dem Ausschließen des Publikums: "Für uns als Unioner spielt der Stadionzuschauer noch eine ganz herausragende Rolle."

Team ist sensibilisiert

Natürlich sei das Corona-Virus ein Thema im Verein und natürlich auch bei den Spielern: "Die Mannschaft wird medizinisch betreut", so Trainer Urs Fischer. "Wenn es Symptome gibt, dann gibt es einen Plan. Eigentlich müsstest du dich jeden Tag untersuchen lassen. Wenn du raus gehst und Kontakt hast, dann musst du dich am nächsten Tag direkt wieder untersuchen lassen." Das aber könne nicht die Lösung sein. Die Mannschaft sei deshalb sensibilisiert worden. So verzichtete Urs Fischer, der sonst jedem Medienvertreter bei Pressekonferenzen die Hand gibt, in diesen Tagen auf dieses Ritual.

Freundschaftsspiel-Atmosphäre

Die Seuche kommt für den 1.FC Union zur Unzeit. Erstmals treffen die Eisernen in einem Pflichtspiel auf den FC Bayern München. Der Rahmen wird allerdings eher dem eines Freundschaftsspiels gleichen. "Es wird eigenartig", befürchtet Kapitän Christopher Trimmel. "Du nimmst dir viel vor und pushst dich. Dann gehst du raus und es ist eine Testspiel-Atmosphäre.“ Einen ersten Vorgeschmack gab es unter der Woche, beim ersten Geisterspiel der Bundesligageschichte zwischen Gladbach und Köln - für Trimmel vor allem akustisch ein ganz neuer Eindruck: "Man hört jeden Spieler, das ist außergewöhnlich."

Fischer fordert Mut

Der 1.FC Union versucht sich bestmöglich auf das Spiel ohne Zuschauer vorzubereiten. "Es ist schwierig das anzugehen, weil wir damit keine Erfahrung haben", sagt Fischer. Der Trainer muss in der Verteidigung auf den gesperrten Innenverteidiger Marvin Friedrich verzichten. Ansonsten stehen alle Stammspieler zur Verfügung für das Spiel gegen Tabellenführer Bayern. "Das ist derzeit die beste Mannschaft in Deutschland", so Fischer. "Es braucht sehr viel Mut unter speziellen Bedingungen. Wir dürfen eigentlich gar keine Fehler machen und müssen eine außerordentliche Leistung auf den Platz bringen. Wir müssen sie nerven und mehr als eklig sein."

Zingler appelliert an die Fans, nicht zum Stadion zu kommen

Bei diesem Vorhaben, so richtig eklig für die Bayern zu sein, hätte das Publikum und die besondere Atmosphäre im Stadion An der Alten Försterei eine große Rolle gespielt.

Nun aber wird Ruhe herrschen und wer sich am besten auf diese ungewohnten Gegebenheiten einstellt, hat die besten Chancen, als Sieger vom Platz gehen. Viermal sind Union und Bayern bislang in Köpenick aufeinandergetroffen. Der Sieger in Freundschafts- und Benefizspielen hieß stets FC Bayern (1993 - 4:1, 1997 – 3:1, 2004 – 5:1 und 2009 – 3:1). In der Hinrunde verlor Union in München vergangenen Oktober mit 1:2.

Chancenlos sieht sich der 1.FC Union nicht, auch wenn Urs Fischer in der Pressekonferenz scherzhaft sagt: "Sind wir mal nicht Favorit." Es wird eine besondere Partie, dieses erste Geisterspiel in der Alten Försterei in der Geschichte der Unioner. Egal wie das Spiel in Köpenick ausgeht, Präsident Dirk Zingler appelliert ganz klar an die eigenen Fans: "Wir bitten alle Unioner sich am Samstag nicht auf den Weg ins Stadion zu machen."

Sendung: rbb UM6, 12.03.2020, 18 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

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12 Kommentare

  1. 12.

    "Für uns als Unioner spielt der Stadionzuschauer noch eine ganz herausragende Rolle." Na klar, bei allen anderen natürlich nicht. Da herrscht auch ohne Corona gähnende Leere und Null Stimmung. Siehe Dortmund, Schalke, Werder, Dresden, St. Pauli usw..

  2. 11.

    Bei meinem Herzensverein haben wir die Stimmung im Stadion auch immer angepriesen. Englische Atmosphäre auf Rang und Platz. Na ja, heute in der NOFV- Regio ist dies nicht mehr so tragend. Ihr könnt schon mal üben und schnuppern wie es ist. Ich meine für die Zeit danach, wenn der Fahrstuhl wieder im Erdgeschoss angekommen ist :)!

  3. 10.

    .. Ihr habt Probleme!??! Behaltet eure Karten und rahmt sie ein das hilft den Vereinen auch. Die könnt ihr dann irgendwann mal über EBay teuer vertickern.

  4. 9.

    Wenn Man das so von Union hört ist Die ach so gelebte Solidarität usw auch nur Marketing und der Fußball Kapitalismus hat auch in Köpenick Einzug erhalten.

  5. 8.

    Das größte Sparpotential liegt bei den astronomisch asozialen Transfersummen. Also nicht jammern, kreativ sein liebe Ballspielmanager! Verantwortliche anderer Ligen scheinen da geistig schon weiter zu sein. Erst einmal gilt es für alle gesund zu bleiben.

  6. 7.

    Naja... Union hat wenigsten Grund zu jammern ;-) Genau so wie Eintracht Frankfurt (siehe Adi Hütter gestern auf der PK)oder Max Eberl nach dem Köln-Spiel. Das sind eben Stadien mit Fans und aussergewöhnlicher Stimmung in Normalzeiten.

    Die AF ist meist ausverkauft, im Heimbereich immer in dieser Saison und in der 2.BL eigentlich auch. Die Atmospäre ist eben eine andere als in manch anderem halbleeren Kessel. Und mir ist schon klar, dass das Sie das nicht so einfach nachzuvollziehen können.

  7. 6.

    Liebe Nutzer,

    Sie haben recht, das Spiel in Köpenick wird selbstverständlich nicht das erste Pflichtspiel zwischen Union und Bayern sein. Wir haben das ergänzt und klargestellt.

    Danke für Ihre Hinweise und beste Grüße,

    Ihre Redaktion

  8. 5.

    Es gab noch kein Pflichtspiel? Und das letzte Spiel war 2009?

    Es gab am 26.09.2019 ein Spiel in der Hinrunde der laufenden Bundesliga.......................
    Bayern hat 2:1 gewonnen.
    Und das Gejammere von Union, weil sie doch ohne Zuschauer spielen müssen, das müssen alle anderen auch und jammern
    nicht so rum

  9. 4.

    die behauptung: " Erstmals treffen die Eisernen in einem Pflichtspiel auf den FC Bayern München." ist falsch. schließlich gab es am 26.10. schon ein spiel in der hinrunde.
    damit stimmt auch dieser abschnitt: "Viermal sind Union und Bayern bislang aufeinandergetroffen, immer in Köpenick. Der Sieger in Freundschafts- und Benefizspielen hieß stets FC Bayern (1993 - 4:1, 1997 – 3:1, 2004 – 5:1 und 2009 – 3:1)." nicht.

  10. 3.

    ... Mir kommen die Tränen. Die aaaaaaaarmen Fußballfans und - Clubs! Ja, sie scheinen die am meisten Betroffenen der Krise zu sein. Das muss der Grund sein, wieso diese Randerscheinung der Berichterstattung sich seit Tagen immer wieder an die ersten Plätze mogelt. Oder verschafft das den Medien eine so hohe Aufmerksamkeit, dass sie über die wahren Gefährdeten nicht berichten? Wer das ist, das wird ja in den FAQ hinlänglich erklärt. Die Risikogruppen sind identifiziert. Aber kommen DIESE Menschen hier zu Wort? Wohl kaum. Statt dessen täglich bis zur Schmerzgrenze die "Tragödie" um den Fussball. Das ist mindestens genauso egoistisch, wie Hamsterkäufe. Diese Krise kann nur solidarisch bewältigt werden und da stehen nun einmal nicht die Fussball Fans an erster Stelle. Was wollen wir? Todesfälle verhindern oder uns beweinen, dass wir nicht mehr der Brot-und-Spiele_Mentalität folgen können?

  11. 2.

    Fußballspiele sind nur noch dann akzeptabel, wenn die Spieler ständig mindestens einen Meter Abstand zueinander halten.

  12. 1.

    Na dann gratuliere ich schonmal den einschlägigen Fußballschuppen in Berlin recht herzlich zum Ansturm der Fußballfreunde. In diesen gut belüfteten Läden wird sich das Virus sicherlich langsamer ausbreiten, als in den engen und stickigen Stadien... dem Personal wünsche ich nur das Beste! Bleibt gesund.

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