Union Berlins Trainer Urs Fischer / imago images/Sven Simon
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5 Gründe, warum Union gegen Bayern gewinnt - Fischer for compliments

Für die Buchmacher, Experten und vermutlich sogar Tierorakel ist der FC Bayern vor dem Topspiel des 26. Spieltags bei Union Berlin der große Favorit auf den Sieg. Doch es gibt auch gute Gründe für einen Erfolg der Eisernen. Mindestens mal diese fünf. Von Ilja Behnisch

Der Trainer

Auf der einen Seite einer, der mit dem größten Klub des Landes von Erfolg zu Erfolg eilte. Auf der anderen Seite: Hansi Flick. Gut, er war der Mann, der acht Jahre lang die gleichen Klamotten trug wie Jogi Löw und als Co-Trainer von "DIE MANNSCHAFT" sogar zu Weltmeister-Ehren kam. Die Stationen seiner Cheftrainer-Vita lesen sich ansonsten allerdings eher wie die Zutatenliste von Wasser: FC Victoria Bammental (Oberliga Baden-Württemberg und Verbandsliga Nordbaden) und TSG 1899 Hoffenheim (noch in der Regionalliga).

Urs Fischer hingegen! Schweizer Meister mit dem FC Basel! Zwei Mal! Schweizer Pokalsieger mit dem FC Basel! Aufstieg mit Union! Berlins Trainer des Jahres! Vor Jürgen Klinsmann!

Zudem kommt Fischer im Laufe seiner Trainer-Karriere auf einen Punkteschnitt pro Spiel von 1,75. Hansi Flick dagegen? 1,69 Punkte pro Spiel. Ganz abgesehen davon, dass Fischer auf 252 Erstliga-Spiele verweisen kann, Flick hingegen auf gerade einmal 15.

Welches Format, welche Erfahrung Unions Schweizer Trainer besitzt, zeigt sich auch daran, dass er gegen die Bayern schon einmal angetreten ist. In der Champions-League(-Qualifikation) mit dem FC Zürich. Es setzte zwei Niederlagen (0:1 und 0:2). Aber gut, egal, nicht erst seit dem Mietendeckel weiß man: Zürich ist nicht Berlin.

Alles in allem: Urs Fischer ist der größere Trainer. 1,78 Meter zu 1,77 Meter. Punkt Union.

Die Statistik

"Fußball ist wie Schach - nur ohne Würfe", sagte einst Jan Böhmermann, als er noch für den Radiosender 1LIVE den Fußball-Prinzen Lukas Podolski karikierte. Und wie Recht er damit hatte. Denn längst ist der Fußball von der Taktik geprägt und nur selten vom Zufall abhängig. Beweisen lässt sich das mit statistischen Spielereien wie "Expected Goals", "Packing" oder den "Key Performance Indicators". Spielereien, die ziemlich präzise erklären, warum die Ergebnisse sind, wie sie sind. Und egal ob damit die Qualität und also die Erfolgsaussichten von Torabschlüssen, Pässen oder schlicht alle Spielwerte zu Rate gezogen werden – in jeder dieser Betrachtungen liegt Bayern München vor Union Berlin. Und ja, Bayern hat mehr Titel, mehr Geld, mehr Alles.

Auf der anderen Seite wusste schon Dortmunds Mittelstürmer-Legende Adi Preißler in den Fünfziger Jahren: "Entscheidend is auf‘m Platz"! Und dort, auf dem Platz, steht geschrieben: Union Berlin hat zu Hause überhaupt noch nie gegen den FC Bayern München verloren. Also in einem Pflichtspiel. Gut, es gab noch kein Pflichtspiel. Aber trotzdem und es kommt ja noch besser, denn es ist wie in der Politik: Sobald die bayrischen Schwergewichte nach Berlin kommen, schwächeln sie. Gegen gerade einmal vier Verein konnte der ruhmreiche FC Bayern in der Geschichte der Fußball-Bundesliga noch nie auswärts gewinnen. Gegen den 1. FC Saarbrücken (zwei Unentschieden, zwei Niederlagen), gegen Blau-Weiß 90 Berlin (ein Unentschieden), gegen Tennis Borussia Berlin (ein Unentschieden, eine Niederlage) und eben gegen Union. Dass Saarbrücken einst zu Preußen gehörte, passt da nur ins Bild.

Die (fehlenden) Zuschauer

Die Stimmung an der Alten Försterei? Nicht nur reif für die Champions League, sondern auch außergewöhnlich. Denn egal ob Sieg oder Niederlage, der Einsatz zählt, nicht das schnöde Ergebnis. Auf den Rängen wie auf dem Rasen.

Ein Faustpfand, den Union vor allem in der schwierigen Anfangsphase der Saison zu nutzen wusste. Heimsiege gegen Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach bedeuteten auch: Platz sieben in der Heim-Tabelle der Bundesliga-Hinrunde. Auswärts lief es mit Platz 15 vergleichsweise bescheiden. Und trotzdem konnte man bei Bayern München lange Zeit gut mithalten und musste sich Ende Oktober nur knapp mit 1:2 geschlagen geben. Was das für das Rückspiel bedeutet, sollte wohl jedem klar sein (siehe "Statistik").

Nun spielen die Eisernen gegen den deutschen Rekordmeister an diesem Samstag nach gehörig Hin und Her zwar ohne Zuschauer und also ohne Faustpfand. Macht aber nichts, denn zum Einen ist der Heimvorteil vor allem auch deshalb psychologischer Natur, weil die Spieler im vertrauten Umfeld mehr Sicherheit in die eigenen Fähigkeiten entwickeln. Zum Anderen, weil Union aus Zweitliga-Zeiten noch zu gut weiß, wie es ist, vor eher überschaubar gefüllten Rängen aufzulaufen. Hat hier jemand Sandhausen gesagt?

Die Nerven

Die Bayern sind nervös. Weil das ihr Aggregatszustand ist. Und weil dieser Tag viel auf dem Spiel steht für sie. Der achte Meistertitel in Folge. Das Double. Die Champions League. Sollte die Saison demnächst wegen der Corona-Krise abgesagt werden – alles futsch. Union hingegen? Tiefenentspannt. Geht die Saison halbwegs regulär zu Ende, steht am Ende sehr wahrscheinlich der Klassenerhalt. Ist vor dem 34. Spieltag Schluss, auch, weil dann vermutlich einfach alles von vorn beginnt. Mit an Norbert-Blümscher-Renten versprochener Wahrscheinlichkeit spielt der 1. FC Union Berlin also auch im Kalenderjahr 2021 noch in der Bundesliga. Was will man mehr? Befreit aufspielen gegen die großen Bayern vielleicht. Sollte drin sein.

Und sonst so?

"Die Märznächte beginnen mit der strahlend hellen Venus hoch am Westhimmel. Im Laufe des Monats wandert der Abendstern auf den Sternhaufen der Plejaden zu", weiß der "Deutschlandfunk" zu berichten. Und auch auf "wissen.de" ist zu lesen, dass sich derzeit im östlichen Himmel Neues tut: "Diese Himmelshälfte erscheint zwar verglichen mit den vielen hellen Sternen im Westen eher dunkel und leer, aber hier haben nun auch die ersten kosmischen Frühlingsboten ihren Auftritt."

Die Sterne stehen also günstig für Union. Jetzt muss nur noch der Fußballgott mitspielen.

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Beitrag von Ilja Behnisch

4 Kommentare

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  1. 4.

    No, du hast es anscheinend noch nicht kapiert. Es geht nicht nur um den, der infiziert ist. Der kann jung und gesund genug sein, um ohne schwere Krankheit davon zu kommen. Aber er kann schon auf dem Weg nach Hause die Oma in der Straßenbahn anstecken. Und die überlebt das womöglich nicht

  2. 3.

    Dank der vielen Panikmacher und daraus folgenden Zuschauer Verbots, wird Union leider 5 oder 6:0 untergehen.
    Um es noch mal für alle klar zu sagen, infiziert heißt nicht tot und heißt nicht mal krank.
    Aber eine zusammenbrechende Wirtschaft wird gerade die alten und schwächeren besonders stark treffen, viel mehr als der Virus je vermag.

  3. 2.

    Was heisst Geisterspiei Stellt ein Band mit den Gesängen und Anfeuerungen der Fans zusammen und dann ein Fachmann an die Regler und Lautspecher hochfahren
    Ehe die Bayern sich von dieser Geisterkulisse erhohlt hahen führt Union schon 2:o!!!

  4. 1.

    Befreit aufspielen kann hier keiner. Auch ist der Artikel insgesamt einfach mal von wenig Sachkenntnis geprägt, wer meint das Union aus Zweitliga-Zeiten noch zu gut weiß, wie es ist, vor eher überschaubar gefüllten Rängen aufzulaufen, der hat den Fußball an der Alten Försterei nie gelebt. Bundesliga-Fußball ohne Zuschauer ist seelenlos! Die Meisterschaft muss ausgesetzt werden, die EM ist ersatzlos aus den Terminkalender zu streichen. Ob in absehbarer Zeit Fußball in unseren Stadien gespielt werden kann, wird die Zukunft zeigen. Alles etwas kleiner gehalten ohne die großen Reisen durch Europa,
    keine Unsummen im bezahlten Fußball für einzelne Spieler, zum Nachdenken oder besser Umdenken wäre jetzt genug Zeit.

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