Sebastian Deisler im Trikot des FC Bayern München (imago images)
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Video: rbb Sportplatz | Jörg Hellwig | Archiv | Bild: imago images

Als Bayern den 1. FC Union rettete - Bleibt alles anders

Wenn Bayern München am Samstag zum Bundesliga-Topspiel nach Berlin reist, ist das nicht ihr erster Besuch im Stadion An der Alten Försterei. Und vor allem an ein Freundschaftsspiel im Juli 2004 werden sich die Union-Fans noch heute gern erinnern. Trotz einer Klatsche.

Deutscher Meister? Werder Bremen. Europameister? Griechenland. Union Berlin? Drittligist. Klingt komisch, gab es aber alles - und alles auf einmal. 2004 war das, 16 Jahre ist das her. Und dann auch noch das: ein Spiel gegen den großen FC Bayern München.

Die Freude darüber riesig, auch wenn es keine reguläre Partie war. Denn es war viel wichtiger, ein Benefiz-Spiel zugunsten der um die Regionalliga-Lizenz bangenden Köpenicker. Eine halbe Million Euro erhofften sich der damalige Neu-Präsident Dirk Zingler und Co. vom hohen Besuch des amtierenden Vizemeisters. Wieviel es am Ende genau waren, bleibt Buchhalter-Geheimnis. Die Lizenz jedenfalls erhielt Union. Um am Ende der Saison 2004/05 sportlich in die vierte Liga abzusteigen.

Freche Unioner

Davon war am 15. Juli 2004 noch nichts zu ahnen. Unter Neu-Trainer Frank Wormuth, der später für Jahre die Trainer-Ausbildung des DFB übernehmen sollte und der heute in den Niederlanden erfolgreich Heracles Almelo trainiert, sollte eine junge Mannschaft für Aufbruchstimmung sorgen An der Alten Försterei.

Und auch das schließlich deutliche 1:5 gegen den deutschen Rekordmeister ließ am Glauben an eine bessere Zukunft keinen Zweifel. Denn Union spielte ordentlich mit, frech auf und offenbarte vor allem in der Chancenverwertung, zwei Klassen unter den Bayern angesiedelt zu sein.

Die Stimmung? "Gar nicht mal so schlecht"

Die machten vor, wie es ging und aus sieben Torschüssen fünf Treffer. Die Torschützen: Roque Santa Cruz (zwei Mal), Mehmet Scholl, Martin Demicheles und Piotr Trochowski. Der Trainer: Felix Magath. In der Startelf: Jahrhundert-Talent Sebastian Deisler. Gab es alles, alles auf einmal. 16 Jahre ist das her.

Die Eintrittskarte für den Stehplatz gab es für 8,50 Euro, 14.914 Zuschauer ließen sich den Spaß mindestens das kosten. Auf "stadionbesuch.de" ist noch heute zu lesen: "Dadurch dass die Anhänger beider Vereine recht bunt gemischt standen und zudem viele Umland-Bayern-Fans zu gegen waren, war die Stimmung gar nicht mal so schlecht."

Bluten für Union

Eine eindeutig untertriebene Einschätzung, wenn es nach Bayern-Coach Felix Magath ging, der sagte: "Das habe ich lange nicht mehr gesehen, so ein altes Stadion, wo fast alles Stehränge sind, das war eine fantastische Atmosphäre."

Vielleicht auch, weil den Fans dämmerte, dass es danke der Bayern-Visite mit der Lizenz tatsächlich etwas werden könnte. Jene Fans, die selbst alles gaben, um ihrem Verein zu helfen, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Selbst Klaus Wowereit macht mit

"Bluten für Union" hieß die Kampagne, in deren Zuge selbst der damals Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sagte: "Eine tolle Aktion. Ich habe mir am Freitag vor dem Roten Rathaus auch gleich selbst ein Spender-T-Shirt gekauft. Die Aufschrift? 'Bluten für Union' natürlich. Treue Fans können das auch wörtlich nehmen: Mit einer Blutspende. Die Aufwandsentschädigung geht dann an den Verein. Das hilft dem 1. FC Union. Und das hilft auch dem knappen Blutkonservenhaushalt in Berlin."

16 Jahre ist das her. Seitdem hat sich einiges geändert. Werder Bremen, Griechenlands Nationalmannschaft und der Bundesligist Union Berlin können ein Lied davon singen.

Immerhin: Nach dem Spiel zogen die Union-Profis vor die treuesten ihrer Fans auf der Waldseite im Stadion An der Alten Försterei. Und wurden frenetisch gefeiert. 1:5 hin oder her. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Sendung: rbbUM6, 13.03.2020, 18:00 Uhr

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