Union-Abwehrspieler Daniel Ernemann dreht mit der Vereinsfahne in der Hand jubelnd eine Ehrenrunde (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Bild: dpa/Bernd Settnik

Interview | Ex-Unioner Daniel Ernemann - "Heute fiebere ich als Fan mit"

Daniel Ernemann stand insgesamt 143 Mal für Union auf dem Feld. Eines seiner größten Spiele erlebte der Verteidiger im DFB-Pokal-Viertelfinale 2000, als er sein Team spät ins Halbfinale schoss. Im Interview erinnert er sich und erklärt, was den Klub heute auszeichnet.

rbb|24: Herr Ernemann, Sie sind mittlerweile in Österreich heimisch geworden. Bei welchem Verein sind Sie denn gerade beschäftigt?

Daniel Ernemann: Ich arbeite beim FC Liefering, das ist ein Zweitligist in Österreich. Dort bin ich jetzt seit Januar 2019 als Teammanager tätig. Davor war ich insgesamt 14 Jahre für Austria Lustenau (ebenfalls Zweitligist, Anm. d. Red.) zuerst als Spieler und später auch als Manager tätig.

Verfolgen Sie denn in Österreich auch den 1. FC Union Berlin, einen Ihrer Ex-Klubs, bei seiner Premierensaison als Erstligist?

Ich verfolge das sehr intensiv. Wenn es irgendwie möglich ist, schaue ich mir zumindest alle Spiele im Fernsehen an. Ins Stadion habe ich es leider erst ein Mal geschafft, gleich am ersten Spieltag gegen Leipzig. Am vergangenen Sonntag habe ich mir auch das Spiel gegen Wolfsburg zu Hause angeguckt. Ich fiebere da als Fan mit und bin wirklich sehr froh über die bisherige Saison. Dass es so positiv läuft, haben bestimmt die Wenigsten erwartet.

Welche Kontakte pflegen Sie denn noch nach Köpenick?

Das hält sich sehr in Grenzen. 2004 bin ich von Union weggegangen, deswegen sind da nicht mehr so viele Kontakte. Teilweise habe ich noch zu ehemaligen Spielern oder Physiotherapeuten Kontakt, oder zum Beispiel zu Kai Apelt, der damals in der Geschäftsführung war. Aber das verläuft sich dann im Fußball manchmal im Laufe der Zeit.

Im Gedächtnis dürfte Ihnen auf jeden Fall die DFB-Pokalsaison 2000/2001 geblieben sein, als Union bis ins Finale vordrang. Im Viertelfinale gegen den VfL Bochum hatten Sie Ihren großen Auftritt. Können Sie sich noch an Ihr entscheidendes Tor und alles, was danach passiert ist erinnern?

Ja, das war irgendwann im Dezember, kurz vor Weihnachten. Es war sehr, sehr kalt im Stadion, das weiß ich noch. Wir waren damals nur in der 3. Liga bzw. Regionalliga Nordost und haben gegen Bochum, damals Bundesligist, gespielt. Wir waren natürlich der Außenseiter, haben uns aber, wie auch in der gesamten Pokal-Saison, super geschlagen. Es stand 0:0, die Nachspielzeit lief schon und wir hatten einen Freistoß - ich schätze mal so 30 Meter vor dem Tor. Ich dachte eigentlich, ich bleibe hinten, um als Verteidiger das Ergebnis mit abzusichern. Aber der Georgi Vasilev (damals Trainer des 1. FC Union, Anm. d. Red.) hat mich nach vorne geschickt. Der Ball wurde kurz nach rechts gespielt, dann hat glaube ich Jiri Balcarek den Ball in die Mitte geschlagen und ich bin so aus sieben bis acht Metern vor dem Tor relativ frei zum Schuss gekommen und hatte Glück, dass der Ball im Tor gelandet ist.

Haben Sie da realisiert: Sie können es ins Halbfinale schaffen?

Da lief wie gesagt schon die Nachspielzeit. Ich glaube, mit dem Tor waren wir alle sicher, dass wir das packen. Da war das Spiel dann praktisch vorbei. In dem Jahr waren wir auch eine richtig gute Mannschaft, viele Bundes- oder Zweitligisten wollten nicht gegen uns spielen. Wir hatten auf dem Weg dahin ja schon einige Teams ausgeschaltet. Die Atmosphäre an der Alten Försterei ist den anderen Mannschaften und Spielern auch bekannt. Als Drittligist hatten wir immer Heimspiele im Pokal, das war sicherlich ein großer Vorteil in dem Jahr. In dem Moment freut man sich natürlich erstmal über das Tor, aber das war praktisch mit Abpfiff und dann war auch klar: Wir stehen im Halbfinale.

Das Finale ging dann leider gegen den FC Schalke 04 verloren, aber die Mannschaft und die Fans schienen damals gar nicht wirklich enttäuscht gewesen zu sein. Schließlich hatten Sie mit Union ja den Zweitliga-Aufstieg geschafft und sich auch für den UEFA-Pokal qualifiziert.

Ja, richtig. Da hatten wir insofern Glück, dass es im Finale gegen Schalke ging, die haben sich als Vize-Meister damals für die Champions League qualifiziert, so sind wir nachgerückt in den Europapokal. Im Pokalfinale waren wir noch mehr der Außenseiter als in den Runden davor, aber ich glaube, wir haben uns da wirklich sehr gut verkauft. Wir hatten auch zwei Pfosten- oder Lattenschüsse, bevor wir das 0:1 bekommen haben. Es war nicht viel mehr möglich im Finale, aber wir haben uns toll verkauft und das wurde dann auch von allen Seiten honoriert.

Die Gegner in der folgenden Saison hießen jetzt Haka Valkeakoski und Litex Lowetsch. Als frischgebackener Zweitligist international zu spielen, war doch sicherlich eine tolle Erfahrung, oder?

Das ist richtig. Es ist etwas Besonderes, in Finnland und Bulgarien zu spielen. Es war auch da eine Überraschung, als Zweitligist gegen Valkeakoski zu bestehen. Wir haben uns auch da gut verkauft - insgesamt lief es in der Zeit nicht so schlecht für den Verein. Natürlich nicht so wie im Moment - das ist sensationell. Aber auch damals war Union schon auf einem guten Weg.

Was wünschen Sie den Eisernen für diese Saison?

Sie spielen einen sehr professionellen Fußball, stehen hinten super und sind mit Standardsituationen sehr gefährlich. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Liga schon früh gesichert wird und dass so auch für die nächste Saison geplant werden kann. Natürlich wird aber das zweite Jahr schwieriger als das erste. Da wünsche ich der Mannschaft, dass sie trotzdem die Klasse halten und sich als Erstligist etablieren wird.

Und im DFB-Pokal? Am Mittwoch steht ein schweres Spiel an.

Das stimmt. Leverkusen ist ebenfalls sehr gut drauf, vor allem spielerisch sind sie eine unfassbar gute Mannschaft. Vor einigen Wochen hat sich Union aber zu Hause ganz ordentlich gegen die Leverkusener verkauft und nur sehr unglücklich verloren. Ich drücke die Daumen, dass es dieses Mal umgekehrt läuft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Friedrich Rössler, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: rbb24, 04.03.2020, 21:45 Uhr

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