Satou Sabally mit Cap und Trikot der Dallas Wings. / WASSERMAN
Audio: Inforadio | 20.04.2020 | Jakob Rüger | Bild: WASSERMAN

Interview | Berliner Basketballerin Satou Sabally - "Es war wie ein Flash"

Satou Sabally hat das Basketballspielen in Berlin gelernt. Nun wechselt das deutsche Top-Talent in die beste Liga der Welt und tritt in Dallas in große Fußstapfen. Im Exklusiv-Interview mit Jakob Rüger spricht sie über Karriere, Coronavirus - und Dirk Nowitzki.

Es war eine besondere Nacht für Satou Sabally - und den deutschen Frauen-Basketball: Am Freitag wurde die 21-jährige Berlinerin beim WNBA-Draft an Position zwei von den Dallas Wings ausgewählt. Ein historischer Sport-Moment, denn noch nie wurde eine deutsche Spielerin so hoch gedraftet. Weil Sabally just in Dallas landete und als neues Gesicht des deutschen Frauen-Basketballs gilt, kamen schnell die Vergleiche mit Dirk Nowitzki auf.

Sabally - 1,93 Meter groß und variabel einsetzbar - ist die Tochter eines gambischen Vaters und einer deutschen Mutter. Aufgewachsen in Berlin wurde sie auf dem Spielplatz entdeckt - und machte schnell deutlich, dass aus ihr eine ganz Große werden kann. Schon mit 14 Jahren lief sie das erste Mal für den TuS Lichterfelde in der 2. Bundesliga der Damen auf. Über Freiburg und die University of Oregon schaffte sie es in den Draft - mit einem großen Traum.

rbb|24: Frau Sabally, Dirk Nowitzki, Deutschlands bester Basketballer aller Zeiten soll sich schon bei Ihnen gemeldet haben. Stimmt das?

Satou Sabally: Das ist richtig. Wir waren zusammen am Telefon in einer Webshow, da konnten wir kurz sprechen. Er hat mir nach dem Draft auch direkt "Glückwunsch" geschrieben. Wir werden sicherlich mehr Kontakt haben, wenn sich der ganze Rummel ein wenig gelegt hat. Es ist gerade ganz schön krass.

Worüber spricht man denn dann mit dem eigenen Vorbild?

Ich weiß, dass seine Frau afrikanische Wurzeln hat. Die beiden sind in Afrika, aber auch in ihrer Nachbarschaft sehr engagiert und helfen. Darüber würde ich sehr gerne mal mit ihnen reden.

Kommen wir zur Nacht des Drafts. Wie aufregend war die für Sie?

Oh Gott, es war sehr aufregend. Ich bin am Morgen aufgewacht und war einfach super gestresst. Ich wusste, wir müssen noch so viel erledigen. Doch dann hat alles geklappt und als mein Name aufgerufen wurde, war es wie ein Flash. Alles ist an mir vorbeigezogen und ich hab mich einfach so gefreut. Es war wie: Okay, jetzt kann ich wieder atmen - also wirklich sehr aufregend.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie in den USA fand die Auswahl erstmals digital statt. Waren sie etwas enttäuscht, dass Ihnen die große Bühne verwehrt geblieben ist?

Meine Freunde wissen, dass ich sehr extravagant bin und einen solchen Auftritt liebe (lacht). Sie haben das toll organisiert. Wir waren in einer privaten Basketball-Halle - nur mit meinem Trainer und meinen Mitbewohnern. Aber meine Freunde und meine Familie waren am Computer zugeschaltet. Es fühlte sich dann doch so an, als wäre ich in New York gewesen.

Mit 17 Jahren haben Sie Ihre Familie verlassen und sind von Berlin nach Freiburg gegangen, um dort in der 1. Bundesliga zu spielen. Wie schwer ist ihnen dieser Schritt gefallen?

Eigentlich war das erstmal gar nicht schlimm - bis ich in Freiburg war. Ich wollte immer den nächsten Schritt gehen. Mit 16 habe ich mir andere Basketball-Standorte angeschaut. Die Entscheidung nach Freiburg zu gehen, war cool. Dann war ich das erste halbe Jahr nur verletzt und es wurden die schwersten Monate meines Lebens. Ich war allein in einer fremden Stadt, die ganz anders als Berlin ist. Es war schwer, aber ich habe es durchgezogen und bin da sehr stolz drauf.

Satou Sabally, Oregon, spielt am 07.03.2020 in Las Vegas gegen Arizona. (Quelle: dpa/John Locher)Satou Sabally im März 2020 in Las Vegas

War das am Ende auch eine gute Vorbereitung auf die drei Jahre an der University of Oregon?

Absolut. Ich glaube, ich wäre nicht so gut auf Oregon und auf meine Profi-Zeit jetzt vorbereitet gewesen, wäre ich zurück nach Berlin geflüchtet. Es war wirklich eine gute Entscheidung, in Freiburg zu bleiben und das durchzuziehen. Ich durfte dann ja auch im Europapokal spielen und diese Erfahrung kann mir keiner mehr nehmen.

Mit 14 Jahren haben Sie beim TuS Lichterfelde bereits in der 2. Bundesliga gespielt. Es heißt, Sie hatten vor allem in der Jugend keine Angst gegen Jungs zu spielen. Woher kommt diese Furchtlosigkeit?

Ich bin viel mit Jungs aufgewachsen und habe einen älteren Bruder. Ich habe also angefangen mit Jungs Basketball zu spielen und das auch viel Eins gegen Eins. Da musste ich mich durchsetzen. Ich kannte das gar nicht anders und war es deshalb auch erst gar nicht gewohnt gegen Mädchen zu spielen.

Ich bin viel mit Jungs aufgewachsen und habe einen älteren Bruder. Ich habe also angefangen mit Jungs Basketball zu spielen und das auch viel Eins gegen Eins. Da musste ich mich durchsetzen.

Satou Sabally

Wie sind sie überhaupt in Berlin zum Basketball gekommen?

Meine erste Trainerin Gerhild Wendland vom Deutschen Basketball Club e.V. hat meine Mutter auf dem Spielplatz angesprochen, weil ich so groß war. Sie ist häufiger dort vorbeigefahren und hatte mich gesehen. Sie hat mich dann zum Girls-Basketball-Camp eingeladen und dann habe ich beim DBC in der Pallasstraße in Schöneberg angefangen, Basketball zu spielen.

Sie sind jetzt vier Jahre weg, wie sehr fehlt Ihnen eigentlich Berlin?

Ich glaube, jeder der in Berlin lebt, der möchte einmal rausgehen, will dann aber auch immer wieder zurück. An Berlin fehlt mir sehr die Kultur, das Essen, die verschiedenen Leute. Jedes Mal wenn ich nach Hause komme, denke ich mir: Mensch, die Leute sind hier so unfreundlich, aber eigentlich ist es doch irgendwie cool. Berlin fehlt mir sehr.

Gibt es etwas Spezielles, dass Sie vor allem in Berlin gelernt haben für Ihre Basketball-Karriere?

Dass man jede Herausforderung annehmen sollte. Das heißt, sich auch mit jedem messen sollte. Ich war immer groß und wurde doch als Spielmacherin eingesetzt. Dadurch musste ich lernen, mit dem Ball umzugehen und verschiedene Systeme zu spielen. Das hat mir mein Trainer beigebracht: Lerne alles, auch wenn du groß bist. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Corona spielt auch in den USA eine sehr große Rolle. Ist schon klar, wie es sportlich weitergeht und wie Sie sich fit halten können?

Ja, Corona hat wohl jedes Leben auf der ganzen Welt verändert. Sport ist jetzt einfach eine Nebensache. Aber ich versuche, fit zu bleiben und immer zu trainieren, wann ich nur kann. Ich mache sehr viel Yoga und Stabilitätsübungen, wofür ich sonst keine Zeit habe. Aber dass uns die Saison einfach so weggenommen worden ist, ist schon hart - und das musste ich auch erstmal verarbeiten. Das war mental wirklich eine Herausforderung. Ich bin immer positiv, aber wir müssen jetzt erstmal abwarten. Noch ist unklar wie es bei der WNBA und auch bei der NBA weitergeht.

Was wissen Sie schon über Ihr neues Team, die Dallas Wings?

Wir sind auf jeden Fall sehr jung. Das wird eine Herausforderung. Aber ich glaube, wir können eine gewisse Naivität mit reinbringen und das sehe ich nicht negativ. Wir werden Vollgas geben, aber auch sehr viel lernen müssen. Zusammen können wir wirklich etwas aufbauen und auch eine neue Kultur schaffen für Frauen-Basketball in Dallas.

Die Saison in der WNBA ist relativ kurz. Viele Spielerinnen unterschreiben nach der Spielzeit noch einen Vertrag in Asien oder Europa, wie kann man das erklären?

Die beste Liga der Welt ist nicht die bestbezahlte Liga der Welt. Zwar wurde das Gehalt in der WNBA jetzt etwas erhöht, aber die Saison läuft nur vier Monate. In Europa oder Asien spielt man mindestens sechs Monate und es gibt teilweise das doppelte oder dreifache Gehalt. Um also gut zu verdienen, muss man nach der WNBA-Saison noch mal in Europa spielen.

Vielleicht brauche ich künftig zwei Rückzugsorte, einen in den USA und einen in Europa. Berlin ist da definitiv eine Option.

Satou Sabally

Das bedeutet, als Spielerin ist man ständig unterwegs. Kann man da überhaupt eine Heimat finden?

Es ist auf jeden Fall schwer, du hast kein richtiges Zuhause und bist ständig unterwegs. Ich habe den Tipp bekommen, dass du auf der Welt immer einen Rückzugsort haben solltest, wo du dich erholen kannst. Aber es ist ja auch aufregend und man spielt ja keinen Basketball bis man 80 Jahre alt ist. Von daher werde ich die nächsten zehn Jahre daraus das Beste machen.

Aber würde sich Berlin als Rückzugsort nicht anbieten?

Ja, das wird wohl so kommen. Jetzt bin ich erst mal in Dallas. Vielleicht brauche ich künftig zwei Rückzugsorte, einen in den USA und einen in Europa. Berlin ist da definitiv eine Option.

Zum Schluss noch eine Frage zu Dirk Nowitzki. Nicht wenige behaupten, Sie könnten das weibliche Pendant zu ihm werden?

Erst einmal finde ich es super, dass über Frauen-Basketball gesprochen wird. Es gibt wirklich gute Basketballerinnen. Ich war in diesem Jahr zum Beispiel nicht die einzige Deutsche im Draft. Luisa Geiselsöder und Leonie Fiebich sind zwei super Talente [Beide wurden in der zweiten Runde gedraftet; Anm. d. Red.], über die muss mehr geredet werden. Wenn ich das Gesicht des Frauen-Basketballs in Deutschland sein soll, dann nehme ich das aber gerne an, versuche einen positiven Einfluss auf die nächste Generation zu nehmen und ein Vorbild zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jakob Rüger, rbb Sport.

Sendung: Inforadio, 20.04.2020, 06:15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Vielen Dank für dieses Interview. Die positive und erfrischende Art der jungen Sport-Lady steckt an und ist ein Lichtblick in den sonst tristen Nachrichten zurzeit. Glückwunsch Satou!

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